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Angst vor einer Handvoll Asylbewerber

Geschäftsleute fürchten Abwertung der Bamberger Straße — Kritik am Verhalten des Landratsamts - 31.01.2013 12:00 Uhr

FORCHHEIM  - Auf der Suche nach einem besseren Leben haben sie große Risiken in Kauf genommen, ihr Leben aufs Spiel gesetzt: Nun sollen 14 Asylbewerber in der Bamberger Straße unterkommen. Den Geschäftsleuten dort sind sie nicht willkommen.

Hier nicht: Die Ladeninhaber der Bamberger Straße sind gegen das Asylbewerberheim.
Hier nicht: Die Ladeninhaber der Bamberger Straße sind gegen das Asylbewerberheim.
Foto: Edgar Pfrogner
Hier nicht: Die Ladeninhaber der Bamberger Straße sind gegen das Asylbewerberheim.
Hier nicht: Die Ladeninhaber der Bamberger Straße sind gegen das Asylbewerberheim.
Foto: Edgar Pfrogner

Es ist ein Satz, der sich wenden und drehen lässt, und doch wird er seinen faden Beigeschmack nicht los: Deutschland behandele wegen seiner Vergangenheit die Asylbewerber so gut, „doch die Schulden sind abgetragen“. Andreas Müller, Inhaber des Copy-Shops in der Bamberger Straße, ist es, der diesen Satz sagt.

Mit anderen Geschäftsleuten sitzt er im Gasthaus Eichhorn, „Geschlossene Veranstaltung“ steht auf einem Schild. Konrad Greif, Chef der Brauerei Eichhorn, hat die Presse eingeladen, die Unternehmer wollen ihrem Unmut Ausdruck verleihen. Sie sind sauer, weil das Landratsamt in einem der Häuser der Straße 14 Asylbewerber unterbringen will (wir berichteten). Gegen die Menschen selbst, da sind sich alle einig, habe man aber nichts.

Nie habe sie geglaubt, einmal an einem Tisch zu sitzen und sich gegen ein Asylbewerberheim auszusprechen, sagt Elke Hack, Inhaberin der Bierbar „Zur Funzl“. Doch genau dazu zwängen sie die wirtschaftlichen Einbußen, die sie fürchtet.

Die Straße sei seit jeher ein Brennpunkt, drei bis vier Schlägereien gebe es pro Woche. „Man läuft nicht gern durch die Bamberger Straße“, sagt Elke Hack. In den vergangenen Jahren sei man aber auf einem guten Weg gewesen, habe darum gekämpft, das Image aufzupolieren – und dafür im Zuge des städtischen Sanierungskonzepts auch viel Geld gezahlt.

„Wir wollten die Straße aufwerten, aber das ist keine Aufwertung“, sagt Andreas Müller vom Copy-Shop. Den Schluss, Asylbewerber seien gleichbedeutend mit einer Abwertung, ziehen alle versammelten Geschäftsleute. Sie fürchten noch mehr Schlägereien, noch mehr Polizeieinsätze. Wo ein Asylbewerberheim stehe, das sei nicht die beste Gegend – das würden selbst die Kunden denken.

„Die Straße ist tot“, sagt Brauerei-Chef Konrad Greif. Die Grundstückspreise würden mit dem Einzug der Asylbewerber in den Keller rauschen. Ähnlich äußern sich auch die Betreiber des Uhrengeschäfts Hofmann und der ortsansässige Schuster.

Nur Gelächter

Warum ausgerechnet in einer Geschäftsstraße? Das wollen alle versammelten Inhaber, ob Gastronom oder Juwelier, wissen. Sie beklagen den fehlenden Rückhalt der Stadt Forchheim. Auf die Frage, ob sie gegenüber der Kommune nicht einen gewissen Einfluss ausüben hätten können, folgt nur Gelächter von Seiten der Ladeninhaber.

Das Gebäude, das früher den Textil-Laden NKD beherbergt hatte, wurde Ende 2012 vom jetzigen Eigentümer erworben und ans Landratsamt weitervermietet. Auf drei Etagen bietet es Platz für 22 Menschen, zunächst soll es aber bei 14 Asylbewerbern bleiben, die im Februar einziehen.

„In Forchheim fehlen die Wohnungen“, schimpft Andreas Müller, „aber für Asylbewerber ist gleich ein ganzes Haus da“. Sauer ist man in der Bamberger Straße aber vor allem auf das Landratsamt. Nie habe jemand im Vorfeld das Gespräch gesucht, nicht einmal ein Schreiben hätten sie bekommen. „Wir sind die Geldesel: arbeiten, zahlen und den Mund halten“, schimpft Greif. „Und wenn wir jetzt nichts sagen, heißt’s noch, keiner ist dagegen und dann wird der Mietvertrag verlängert“, fügt der Brauerei-Chef hinzu.

Polizei gleich in der Nähe

Für die Geschäftsleute ist das ein Schreckensszenario: Die Asylbewerber bleiben auch über den 31. Dezember – so lange läuft der Mietvertrag – hinaus.

Man wäre beruhigter, so Copy-Shop-Betreiber Müller, wenn das Landratsamt bereits jetzt Pläne vorlegen würde, wo die Asylbewerber nach dem 31. Dezember wohnen sollen, etwa in einem Neubau. Müller schlägt dafür den Stadtrand vor und denkt zum Beispiel an ein Heim nach Vorbild des Hauses für Wohnungsnotfälle in Forchheim-Nord. „Die Polizei“, sagt Müller, „wäre da ja gleich in der Nähe“. 

VON MANUEL KUGLER


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