Montag, 10.12.2018

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Der „Freischütz“ plus Tom Waits

Der Chor des Jungen Theaters setzt die berühmte Weber-Oper neu zusammen - 22.11.2010 18:32 Uhr

Zwischen Carl Maria von Weber und Tom Waits: die Freischütz-Inszenierung im Jungen Theater Forchheim. © Roland Huber


Bis auf den letzten Platz ist das Junge Theater gefüllt, Kinder sitzen neben Mittdreißigern und Senioren im bunt gemischten Publikum. Obwohl hier überwiegend Forchheimer für Forchheimer singen und spielen, sei der Andrang nicht selbstverständlich, betont JTF-Vorsitzender Wolfram Weltzer: „Wir hatten das auch schon anders.“ Auf der Bühne zieht Katja Gäbelein als Teufel im sexy roten Kleid nicht nur den unbeholfenen Wilhelm (Daniel Scholz) in ihren Bann, der bereit ist, alles zu tun, um die Hand der verträumten Försterstochter Käthchen (Tamara Weinkauf) zu erhalten. „Um Dich zu gewinnen, würde ich den Mond vom Himmel schießen“, erklärt Wilhelm pathetisch und leitet so – in einer für die Forchheimer Inszenierung typischen Form – zum englischsprachigen Song „I’ll Shoot the Moon“ des amerikanischen Komponisten und Sängers Tom Waits über. Dessen erfolgreiches Musiktheater „The Black Rider“ hat Chorleiter Ingo Behrens für vierstimmigen A-cappella-Gesang umgeschrieben und die Vorlage ergänzt.

Hirsch und Waters

Besonders hörenswert sind die eingängigen Versionen von „Komm, großer, schwarzer Vogel“ nach Ludwig Hirsch, „An other Brick in the Wall“ nach Roger Waters sowie Waits „The Briar and the Rose“, das die weiß gewandeten Sänger später noch mal als Zugabe erklingen lassen. Aus der Oper „Freischütz“ von Carl Maria von Weber ist indes der nur scheinbar unbeschwerte „Chor der Brautjungfern“ entnommen, für den drei Sängerinnen zu darstellenden Künstlern werden. Als sie Käthchen beim Jungferntanz umringen tragen sie wie der Teufel einen Damenschuh und einen Stiefel, der ihr Holzbein und damit ihre Gesinnung symbolisiert.

Mit schlichten pantomimischen und szenischen Bildern unterstreichen die sechs regionalen Schauspieler – von denen insbesondere Klaus Hellmerich als Tod überzeugt – die sich nach und nach entwickelnde unheilvolle Atmosphäre der Musik. Für seine kunstvollen Arrangements, die die mehr als 20 Sänger und Sängerinnen überzeugend zum Tragen bringen, bekommt Behrens nach der 90-minütigen Aufführung zu Recht viel Lob.

Für die nächste „Freischütz“-Aufführung am Freitag, 26. November, 20 Uhr, sind noch Restkarten erhältlich. 

ASTRID LÖFFLER

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