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Die Basilika mal ganz düster

Der neue Roman von Iris Schmidt spielt in Gößweinstein — Familiendrama - 20.02.2011 16:54 Uhr

Die strenge Religiosität hat in dem neuen Roman „Höllenkinder“ dem kleinen Herrmann traumatische Ängste beschert.

Die strenge Religiosität hat in dem neuen Roman „Höllenkinder“ dem kleinen Herrmann traumatische Ängste beschert. © privat


Die Autorin Iris Schmidt aus Hamm hat ihren neuen Roman im fränkischen Wallfahrtsort Gößweinstein angesiedelt. Die Litaneien der Gläubigen brennen sich dort dem kleinen Herrmann tief in sein Herz: „Ihr Kinder, die ihr noch nicht bekehrt seid, wisset ihr nicht, dass ihr auf dem Weg zur Hölle seid, um dort den schrecklichen Zorn dieses Gottes zu erleiden, der euch Tag und Nacht zürnt?“ Im Gößweinstein der Nachkriegsjahre nimmt eine Familientragödie ihren Lauf . . .

Iris Schmidts neuer Roman „Höllenkinder“ ist düster und spannend bis zur letzten Seite. Ganz bewusst hat ihn die Autorin in Gößweinstein spielen lassen. Den Ort lernte sie durch einen Urlaub kennen und er faszinierte sie auf sonderbare Art und Weise. Sie erlebte die räumliche Enge der Fränkischen Schweiz und die volkstümliche Religiosität der Menschen: „Diese Prozessionen, die durch das Örtchen zogen, fand ich sehr beeindruckend“, erzählt Schmidt im Gespräch mit den NN.

Zwei Zeigefinger drohen

Zurück zum Buch: Von seinem Dachfenster aus kann Herrmann Reberg auf die Basilika von Gößweinstein blicken: „Auf dem Hügel hoch über der Stadt thronte sie trutzig und drohte mit ihren beiden Zeigefingern.“ Schmidt, die alle Schauplätze des Romans kennen gelernt hat, verlegte die Basilika an die Stelle der Burg auf den Hügel – aus dramaturgischen Gründen. Denn es ist ein zorniger, strafender Gott zu dem der kleine Herrmann betet.

Zur ständigen Angst vor der Hölle kommen Alpträume, Schlaflosigkeit und Kopfschmerzen hinzu. Bildreich beschreibt Schmidt die Symptome für Epilepsie. Die Autorin, die Sozialpädagogik studierte, hat die Krankheit bei ihrer Arbeit mit Behinderten kennen gelernt. Als Herrmann heiratet, mit seiner Frau nach Nürnberg zieht und Vater wird, scheint alles gut zu werden. Doch nicht umsonst heißt das Buch „Höllenkinder“. Im fränkischen Wallfahrtsort nimmt das Familiendrama schließlich ein brutales Ende.

„Das Thema hat mich schon lange interessiert“, sagt Schmidt über das Genre Familiendrama. „Ich überlege mir immer: Wie kann jemand so weit getrieben werden, was muss passieren, damit er so Schreckliches tut?“

Iris Schmidt: „Höllenkinder“. SWB Verlag Stuttgart 2010. 11,80 Euro. 

BETTINA NÖTH

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