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Die Burgruine Neideck am Tag des offenen Denkmals

Burg hatte einst gigantische Ausmaße - Später als Steinbruch genutzt - 11.09.2017 06:00 Uhr


"Im europäischen Vergleich ist die Neideck ein Gigant. Es gibt kaum eine Anlage, die eine solche Größe von 200 Meter Länge und 70 Meter Breite aufweist", erklärt Jens Kraus. Von den Ausmaßen ist allerdings ziemlich wenig zu sehen, halten doch Bäume und Büsche das Plateau fest im Griff. Im Halsgraben zwischen der äußeren und inneren Vorburg wuchert es wild vor sich hin, die halbrunden, dickwandigen Artillerietürme am östlichen und westlichen Ende des Felssporns werden von Efeu belagert.

Als Besucher kann man nur ahnen, wie es den höchstens 35 Rittern im späten Mittelalter gelang, das Zentrum der Schlüsselberger-Dynastie zu verteidigen. "Damals waren auf beiden Seiten keine riesigen Heere im Einsatz." Nur im Heiligen Land während der Kreuzzüge habe es wirklich große Garnisonen gegeben. Der stellvertretende Leiter des Fränkische-Schweiz-Museum in Tüchersfeld reist mit seinen Zuhörern indes noch viel weiter zurück. Ins frühe Mittelalter, als das Gebiet östlich der Regnitz, mithin auch die Region, die heute als Fränkische Schweiz bekannt ist, noch feindliches Ausland war. Zumindest für die fränkischen Herrscher wie Karl den Großen, der es Jahr für Jahr mit den slawischen
Stämmen aufnahm.

Jens Kraus ist promovierter Kunsthinstoriker.


"Hier gab es noch Land zu erobern und zu verteilen. Da richteten die Ministerialen des Königs hier einen Vorposten ein." Im Laufe der Jahrhunderte wuchs der Landhunger, die ursprünglich dicht bewaldete Landschaft wich einer bäuerlichen Kulturlandschaft. Auf dem Felssporn wuchs im 11. Jahrhundert ein mächtiger salischer Rundturm gen Himmel. "Rund 25 Meter hoch dürfte er gewesen sein. Hätten wir eine Urkunde, dann würden wir wohl feststellen, dass die Neideck mindestens so alt ist wie die Burg Pottenstein."

Dann wird seit 1219 von Heinrich von Neideck fleißig weitergebaut, die Anlage wird um eine äußere Vorburg erweitert. "Weil sich ständig die Kriegführung und die Waffentechnik verändert, hört es auch nie auf." Mit dem letzten Schlüsselberger, Konrad II., der auch die Burg Waischenfeld errichten ließ, erlebte die Neideck ihre Blütezeit — und den Untergang. "Er sorgte durch seine guten Beziehungen zu Kaiser Ludwig den Bayer dafür, dass Ebermannstadt und Waischenfeld das begehrte Stadtrecht bekamen."

Als sich 1347 die umliegende Konkurrenz aus Bamberger und Würzburger Fürstbischof, sowie Nürnberger Burggraf zur Belagerung zusammentat, schlug Konrads letztes Stündlein. Mit einem Katapult-Geschoss räumten sie ihn aus dem Weg.

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Die Ruine Neideck am Tag des offenen Denkmals

Sie ist eines der Wahrzeichen der Fränkischen Schweiz: die Burgruine Neideck in Streitberg. Am Tag des offenen Denkmals konnten Besucher in die wechselhafte Geschichte der Ruine eintauchen.


Der promovierte Archäologe Kraus führt die Besucher über die Holzbrücke und durch die Reste des Torhauses in die Hauptburg. Dort findet sich alles, was ein Burgherr braucht: Ein 20 Meter hoher Wohnturm, der teilweise mit einem Kamin beheizt war; eine kleine Kapelle, in der Andachten gehalten werden konnten; eine Zisterne, in der sich das Regenwasser sammelte; ein Küchentrakt, in dem die Bewohner versorgt wurden. Danach konnte man den Abort nutzen, der die Hinterlassenschaften am Felshang 400 Meter hinab entsorgte.

"Viel Platz hat man hier aber dennoch nicht. Es war sehr eng. Von Ritterromantik keine Spur." Auch in der Vorburg, die von Lagerräumen, Viehställen und Wohnhäusern geprägt war. Hier beschützte eine hohe Schildmauer mit Wehrgang die Burg-Gebäude.

Dass nur noch vergleichsweise wenige Mauern in ursprünglicher Form stehengeblieben sind, erklärt sich aus der Zerstörung der Neideck im Laufe des Markgrafenkrieges 1552/53. Damals war es eine Amtsburg des Fürstbischofs von Bamberg und wurde von den protestantischen Truppen Albrecht Alkibiades’ erobert. Der hatte sich in der Streitburg, etwa 900 Luftlinie entfernt, auf den Angriff vorbereitet. "Danach lohnte sich der Wiederaufbau nicht mehr." Das Übrige erledigten die Bewohner umliegender Ortschaften, die die Steine als Baumaterial verwendeten.

  

UDO GÜLDNER

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