Montag, 24.09.2018

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Die Kunst des Sterbens

Wunibald Müller sprach beim Hospizverein Forchheim - 13.10.2012

Für den 62-jährigen Wunibald Müller „ist es wichtig, dass wir uns mit der eigenen Endlichkeit auseinandersetzen“. Man werde immer wieder mit dem Thema Tod konfrontiert, jedoch verdränge man die Gedanken an die eigene Endlichkeit gern, so der Referent. „Was geht in dir vor, wenn du darüber nachdenkst, dass Du eines Tages sterben musst“, fragte er die an diesem Abend zahlreich anwesenden Gäste. Kommen Angst oder Panik auf, oder trifft man für sich die Entscheidung, noch ein paar Jahre lang 39 zu bleiben?

Ab einem gewissen Alter könne man die Gedanken an den Tod nicht mehr verhindern, so der Referent, der dafür plädierte, sich der Endlichkeit zu stellen. Es sei verständlich, dass man Angst vor dem Tod habe, aber man müsse dazu kommen, gelassener mit dem Thema Sterben umzugehen. „Wir müssen uns der Wirklichkeit des Lebens, zu dem auch der Tod gehört, stellen“, so seine Empfehlung.

Die Flucht vor dem Tod sei die Wurzel der meisten seelischen Erkrankungen. Stattdessen müsse man sich die Einzigartigkeit des Lebens immer wieder in den Sinn rufen. „Das eigene Leben bewusster erleben“, lautete seine Empfehlung. „Wenn der Tod dein Gast ist, hilft er dir, bewusster zu leben, aber auch zu sterben“, so Müller.

Man dürfe sich dem Thema Tod nicht verweigern, sonst verschaffe es sich mit Gewalt Zutritt zum Leben jedes Einzelnen. So entstünden dann die meisten seelischen Probleme. Müller zitierte unter anderem aus „Ars moriendi“, im Spätmittelalter entstandenen Erbauungsschriften über die „Kunst des Sterbens“, die die christliche Vorbereitung auf den Tod lehren, um das Himmelreich zu erlangen: „Die Kunst des Sterbens beginnt jetzt schon und nicht erst beim Ableben.“

Man müsse sich intensiv mit dem Thema Tod auseinandersetzen, ohne aber die schreckliche Seite des Todes zu verharmlosen. Immer wieder baute Müller auch skurrile Zitate in seinen Vortrag ein: „Ich habe keine Angst vor dem Tod; ich will nur nicht dabei sein.“ Was macht die Seele, wen man stirbt? Löst sie sich auf? Ist es dort, wo sie hingeht, hell oder dunkel?

Bewusst durchs Leben gehen

Fragen, die bewegen. „Je intensiver ich gelebt habe, desto bereitwilliger kann ich dem Tod ins Angesicht sehen“, folgerte der Referent. Eine Weisheit: Auch ungelebtes Leben geht zu Ende. Man müsse sich auf den Tanz des Lebens einlassen; dieser finde statt, ob man es zulasse oder nicht. „Lasse dich nie zudecken oder zumüllen; es ist dein Leben, das zu Ende gehen wird“, hieß Müllers Ratschlag, der damit empfiehlt, dem Alltagstrott zu entfliehen.

Ein Hauch von Vergänglichkeit legte sich an diesem Abend wie ein Schleier über den Vortragssaal der Volksbank. Dieter Belohlavek, Vorsitzender des Hospizvereins für den Landkreis Forchheim, der dem Referenten abschließend dankte, brachte es auf den Punkt: „Wir hatten einen Vortragsabend erwartet und es ist ein Therapieabend geworden“. 

ah

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