Sonntag, 24.03.2019

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Forchheim: Städtische Immobilien unter der Lupe

Liegenschaftsamt hat zusammen mit dem VdW ein Instandhaltungskonzept erarbeitet — Sanierungsstau - 15.03.2019 08:00 Uhr

Hier ist der Investitionsstau besonders hoch: Knapp 500 000 Euro sind in den nächsten Jahren nötig, so die Experten, um im früheren Waisenhaus Fenster, Fassade, Dachstuhl und Heizung zu sanieren. © Foto: Roland Huber


Jeder Hausbesitzer weiß es: Wird ins Eigenheim nicht regelmäßig investiert, dann pfeift es irgendwann durchs Dach, zieht durchs Fenster, die Heizung verschlingt Unsummen und das Haus verliert an Wert. Nicht anders ist es mit den Immobilien, die im städtischen Besitz sind.

Mit dem aktuellen Instandhaltungskonzept, wolle man "Abbilden was im Argen liegt", erläuterte Timo Sokol vom Liegenschaftsamt der Stadt Forchheim vor den Stadträten. Das Portfolio der zu verwaltenden Gebäude sei sehr heterogen, so Sokol. Will heißen: 44 Wohn- und Gewerbeimmobilien sind im Eigentum der Stadt beziehungsweise der Pfründnerstiftung und müssen verwaltet und betreut werden. Darunter fallen Verwaltungsgebäude, Schulen und Turnhallen, Kindergärten, Feuerwehrgerätehäuser, aber auch Mehrfamilienhäuser, die vermietet sind. "Der Zustand der Objekte ist ( . . . ) sehr divers. Die Baujahre und der Sanierungszustand variieren sehr stark", heißt es in der Tischvorlage der Stadträte.

Was in den nächsten 20 Jahren gemacht werden muss

Für 31 Gebäude wurde eine technische Bestandsanalyse durchgeführt und der Instandhaltungsbedarf ermittelt. Für 25 vermietete Objekte wurde ein Instandhaltungskonzept erarbeitet. Hilfe hat sich die Stadt dabei von außen geholt und dafür den Verband bayerischer Wohnungsunternehmen (VdW Bayern) mit ins Boot geholt.

Für jedes der 31 Häuser gab es eine Vor-Ort-Begehung. Dabei wurden etwa Heizung, Fenster und Dach inspiziert und Erkenntnisse gewonnen, wann, wo, was gemacht werden muss und zwar vorausschauend für einen Zeitraum der nächsten 20 Jahre, erläuterte Matthias Höll vom VdW Bayern vor den Stadträten.

Viel zu tun gibt es nach Ansicht der Spezialisten im früheren Waisenhaus in der Kasernstraße, wo die Awo untergebracht ist, Wohnungen sind und auch Vereine Platz finden. Das Gebäude, das unter Denkmalschutz steht, "weist diversen Instandhaltungsbedarf auf", so das Urteil, "vor einer Sanierung sollte die zukünftige, langfristige Nutzung geprüft werden". In Zahlen ausgedrückt: Knapp eine halbe Million Euro (siehe gelber Kasten) könnte bis 2022 für Sanierungsmaßnahmen an Wärmeerzeuger, Fenster, Fassade und Dachstuhl anstehen. Und die Kapitalwertentwicklung der nächsten 20 Jahre? "Das dauert lange, bis sich das rechnet", so Höll, "die Kosten der außerordentlichen Instandhaltung können nur langfristig refinanziert werden. Die Kapitalwertentwicklung ist nicht zufriedenstellend".

Heizung so gut wie tot

Nicht viel besser ist das Bild, das Höll vom Mehrfamilienhaus in der Serlbacher Straße zeichnet: Das Dach sanierungsbedürftig, Treppenbelag und Treppenkonstruktion müssten instand gesetzt werden und die Heizung so gut wie tot: "Die Wärmeerzeuger erreichen bald ihr technisches Lebensende." Positive Beispiele sind hingegen die Mehrfamilienhäuser in der Birkenfelderstraße und in der Vogelstraße. Dort wurde regelmäßig investiert, und die Spezialisten attestieren eine "positive Kapital- und Wirtschaftsentwicklung".

Annette Prechtel (FGL) war die erste, die beharrlich auf einen festen Zeitplan pochte. "Wann steigen wir hier in die tiefergehende Diskussion ein?" wollte sie, an Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) gewandt, wissen, denn schließlich seien es "Gebäude mit stadtpolitischer Bedeutung". Genauso wie auch das Gebäude in der Wallstraße 5, wollte man als Zuhörer anfügen, als Prechtel darum bat "die zuständigen Gremien auch zu informieren". Dass sie aus der Zeitung erfahren musste, dass das Gebäude, in dem C & A untergebracht ist, sanierungsbedürftig ist und C & A als Mieter auszieht "war unbefriedigend". Auch Udo Schönfelder (CSU) zeigte sich "irritiert, dass wir durch die Presse über C & A informiert werden".

Reinhold Otzelberger (CSU) hatte besonders die stiftischen Gebäude im Blick. "Hier sollten wir mit besonderem Augenmerk rangehen, damit das stiftische Vermögen nicht geschmälert wird."

Josua Flierl (CSU) bat darum, "möglichst zeitnah die Betrachtung der Objekte auf die Tagesordnung zu setzen und auch darüber nachzudenken, ob bei hohem Investitionsstau ein Verkauf mehr Sinn macht". Flierl, der auch Vorsitzender der Freiwilligen Feuerwehr ist, regte überdies an, "auch die fünf Feuerwehr-Häuser der Stadt in die Liste mit aufzunehmen". Auch Hans-Werner Eisen (CSU) plädierte für einen Fahrplan und "ein Ranking, welches Gebäude wann saniert werden sollte".

In seinem Schlusswort fasste Timo Sokol zusammen: "Wir brauchen einen Fahrplan, der uns aufzeigt, wo priorisiert wird." 

Birgit Herrnleben Nordbayerische Nachrichten Forchheim E-Mail

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