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Dienstag, 18.09.2018

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Gößweinsteiner raste in Hockenheim auf Platz zwei

Nebenberufs-Rennfahrer Heinz Keidel erzählt vom Glücksgefühl der Veteranen - 25.03.2018 10:16 Uhr

Rennfahrer Heinz Keidel und Rainer Fischer, hier mit ihren Freunden Robert Erdmann und Richard Feulner, sind selig, wenn sie ein Wochenende zwischen ihren Boliden auf einer Veranstaltung verbringen können. Manchmal glauben sie, sie hätten aus lauter Begeisterung Benzin in den Adern. Keidel © Keidel


"Rennen fahren ist mir in die Wiege gelegt worden", meint Heinz Keidel und erzählt, dass er und seine Brüder bereits in jungen Jahren auf den Rennpisten unterwegs waren. Im Alter von 25 Jahren hörte er auf, Rennen zu fahren; da waren ihm andere Themen wichtiger.

Vor einigen Jahren traf Heinz Keidel jedoch seinen Schulfreund Rainer Fischer wieder, der in Fassoldshof in der Gemeinde Mainleus lebt, eine Werkstatt betreibt und von der Idee besessen war, dass sie wieder Rennen fahren könnten. Heinz Keidel ließ sich gern überzeugen: "Wir haben die Rohkarosse eines BMW 202 vom Baujahr 70 nach dem Reglement von 1970 wieder aufgebaut", erzählt der Autofan Keidel.

"Wir haben natürlich fast alles selbst gebaut, denn sonst wäre es zu teuer geworden", berichtet Heinz Keidel. Er und sein Kumpel teilen sich das historische Fahrzeug und fahren mit bei der "Gleichmäßigkeitsprüfung Professionell" (GLPpro), einer Serie innerhalb des Veteranen-Fahrzeugverbandes.

Weil sich GLPpro an größeren Rennveranstaltungen beteiligt, ist Heinz Keidel im Lauf des Jahres am Hockenheimring, in Oschersleben, in Friedrichshafen, im luxemburgischen Colmar, in Schleiz und auf dem Nürburgring unterwegs.

"Hier geht es zu wie bei großen Rennen. Es wird alles richtig zelebriert", erzählt der Wochenend-Rennfahrer bewundernd. Man könne jedes einzelne Rennen gewinnen und am Ende des Jahres in der Gesamtwertung Bester sein.

Es gibt Pokale, Siegertreppchen, die Fahrer tragen feuerfeste Wäsche, Renntrikots und Helm. Es spritzt der Schampus, "und es gibt Boxenluder", erzählt der Gößweinsteiner Rennfahrer. "Ein Rennen dauert 20 bis 25 Minuten. Mein Kumpel und ich fahren die Rennen abwechselnd", berichtet Heinz Keidel. Im letzten Jahr erreichten sie Platz acht in der Gesamtwertung bei über 70 Teilnehmern. "Unser bestes Einzelergebnis war der zweite Platz in Hockenheim", sagt Heinz Keidel stolz über die Erfolge des Teams.

Ohne Servolenkung erschöpft

Als er vor fünf Jahren seine ersten Runden nach langer Auszeit am Nürburgring gezogen hatte, kam er völlig erschöpft an der Ziellinie an und wurde von seinem Kumpel Rainer Fischer ausgelacht. Fischer fuhr als nächster und kam ebenfalls in desolatem Zustand wieder zurück: "Man muss echt fit sein, denn die Autos haben keine Servolenkung oder Schalthilfe. Man muss sich sehr konzentrieren", so der Rennfahrer.

Der schnucklige BMW, der von der Rohkarosse her nach dem Reglement von 1970 wieder aufgebaut worden ist.


Deshalb tut er viel für die Kondition, auf dem Rad und mit Gymnastik. Weil die Rennfahrer dieser Klasse nicht so viel Geld haben, "achten wir auf unsere Autos", erklärt Heinz Keidel. Als lustig empfand er eine Situation am Lausitzring. Es regnete stark und die Leute an der Boxenmauer winkten, er solle langsamer fahren. "Ich hab‘ mich im Auto aber so wohl gefühlt und hab‘ sogar die Nicht-Überholbaren eingeholt", erzählt Heinz Keidel und schmunzelt im Nachhinein noch über sich selbst. Eine kurze Fahrt über die Wiese habe ihn dann schnell ausgebremst. "Es kann wirklich nichts Schlimmes auf den heutigen Rennstrecken passieren. Da gibt es genügend Auslaufstrecken", meint Keidel.

Er genießt es, dass man "eine Rennfamilie" sei. Man komme an, begrüße sich, einer habe schon den Grill angezündet. "Das ist wie ein Wochenend-Urlaub, nur irgendwie schöner." 

CARMEN SCHWIND

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