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Gräfenberg: Landwirtschaft wird schneller und größer

Betriebe und Herausforderungen wachsen - Keine heimischen Bulldog-Hersteller mehr - 14.07.2018 16:00 Uhr

Die Riesentraktoren haben auf dem Dach Antennen und arbeiten satellitengestützt. In Deutschland gibt es keine Hersteller für große Landmaschinen mehr, die Produktion ist fest in amerikanischer Hand. © Petra Malbrich 


Uwe Krämer steckt mitten in der Erntezeit. Seine überdimensional großen Traktoren und Mähmaschinen sind rund um die Uhr im Einsatz. Fast. „Wir versuchen schon, zu den normalen Zeiten zu arbeiten“, sagt Krämer. Doch gedroschen werden kann nur, wenn es trocken ist. Er ist einer der großen landwirtschaftlichen Dienstleister, auf die immer mehr Landwirte zurückgreifen müssen.

Das liegt zum einen daran, dass die Betriebe immer größer werden, will der Landwirt lukrativ arbeiten. Zum anderen werden auch die Maschinen immer teurer. „Jeder Betrieb überlegt dann, ob er sich eine neue Maschine anschafft“, sagt Werner Nützel, der Geschäftsführer des Bauernverbands in Forchheim. Bei den immensen Kosten für die einzelnen Teile, die für die vielfältigen Arbeiten am Feld erforderlich sind, nimmt der Landwirt dann gerne Fremdhilfe an.

30 Lohnunternehmer im Kreis

Das kann in Form von Nachbarschaftshilfe sein, wo sich die Landwirte die Maschinen gegenseitig ausleihen oder durch einen Lohnunternehmer, wie es im Landkreis schon 30 gibt, wie der Maschinenring Regnitz Franken sagt. Die meisten davon sind Landwirte, die ihre Maschinen auch überbetrieblich einsetzen. Doch es gibt auch die großen Dienstleister. Dazu gehören der Lohnunternehmer Heid aus Dobenreuth, Herbst aus Niedermirsberg, Leistner aus Hiltpoltstein und eben Uwe Krämer aus Gräfenberg. „Mein Vater Georg hat schon 1959 mit dem Lohndreschen angefangen“, erzählt Uwe Krämer von den Anfängen der Firma.

Die Familie, die selbst 100 Hektar Ackerland zu bewirtschaften hat, investierte in die notwendigen Maschinen. Inzwischen arbeiten bei Krämer 20 Mitarbeiter in Vollzeit und Krämers Fuhrpark besteht aus neun Traktoren und 15 Mähdreschern, deren Mähwerke von mehr als zehn Meter Breite in der Hochsaison über die Felder rauschen.

Aufgrund seiner extremen Spurbreite, das Mähwerk ist oft über zehn Meter breit, ist ein Mähdrescher heutzutage sehr schnell mit einem Getreidefeld fertig. © Petra Malbrich


Dann hat Krämer noch riesengroße Güllefässer, Quaderballenpressen und Gras- und Maishäcksler, die alle auf den normalen Feldwegen kaum mehr Platz haben. „Es muss alles rasend schnell gehen“, sagt Werner Nützel vom BBV. In kurzer Zeit werden große Mengen bearbeitet. „Früher zählte ein Betrieb zehn bis 30 Hektar. Heute sind es zwischen 50 und 300 Hektar“, nennt Nützel die Veränderungen bei den Betriebsgrößen.

Das Problem: „Alles ist zur selben Zeit reif und muss zwischen 6 Uhr morgens und 22 Uhr abends erledigt sein“, erklärt Nützel die gesetzlichen Bestimmungen. Eine gute Landtechnik, die solche großen Flächen bearbeitet, sei deshalb nötig. „Die früheren Maschinen sind fürs Museum“, sagt Nützel.

Heute werden zwölf Maisreihen auf einmal gehäckselt, weil der Landwirt kostengünstig produzieren muss. „Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es in Deutschland 50 Hersteller von Bulldogs und Schleppern“, sagt Nützel. Bis auf die Firma Claas hat keine Firma mehr ihren Sitz in Deutschland. Auch die Firma Fendt ist nicht mehr deutsch, sondern wurde von Amerikanern gekauft.

Der BBV-Geschäftsführer sieht durchaus die Vor- und Nachteile der Entwicklung. Zu den Vorteilen gehören sicherlich exaktes Arbeiten der Maschinen. Wenn Krämers Traktoren in schnellem Tempo über die Felder rattern, dann wippt bei einigen seiner Traktoren eine kleine Antenne am Dach. Das sind die satellitengestützten Bulldogs.

Traktor mit Gedächtnis

„Diese Traktoren können auf der Fläche Spuren aufzeichnen und weitere Spuren parallel fahren“, erklärt Uwe Krämer. Die Arbeitsbreite der Geräte kann somit zu 100 Prozent ausgenutzt werden, ohne dass es Überlappungen gibt. Gleichzeitig steuern diese Geräte bei der Aussaat Dünger und Pflanzenschutzmittel. „Die Maschine weiß, wo schon etwas ausgebracht oder gesät wurde“, sagt der Dienstleister.

Krämer weist darauf hin, dass diese Lenksysteme sehr genau arbeiten, können die Maschinen doch bis auf drei Zentimeter genau fahren. Ein Lenksystem kostet 20.000 Euro, für einen kleinen Traktor legt man 120.000 Euro hin, für die großen kann man durchaus bis zu 250.000 Euro hinblättern. Zwei von Krämers John Deere Traktoren sind mit diesen Lenksystemen ausgestattet. Die Mäh- und Grasdrescher haben inzwischen Ketten wie Bagger, um bodenschonender arbeiten zu können. Seine Maschinen sind in der Fränkischen Schweiz im Einsatz, aber auch in Ostdeutschland. In Thüringen hat Krämer einen weiteren Standort.

Einmotten muss Uwe Krämer seine Maschinen nach der Saison nicht. Sie sind im Winterdienst auf Autobahnen und Flughäfen eingesetzt. 

PETRA MALBRICH

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