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Heftiger Schlagabtausch um den Windpark bei Brunn

Befürworter und Gegner streiten bei Informationsveranstaltung - 12.07.2014 11:43 Uhr

Die geplanten Windräder fallen am Horizont kaum auf: Erstellt wurde diese Grafik auf Grundlage einer 3D-Simulation aus dem Geoportal des Umweltministeriums. © Regionalwerke Bamberg


Als Fachleute waren Ludwig Hofmann vom Landratsamt Bamberg, Ralf Haupt, Geschäftsführer der Klima- und Energieagentur Bamberg, Hubert TremlFranz, Geschäftsführer der Regionalwerke Bamberg, und Professor Dr. Thomas Foken, Leiter der Abteilung für Mikrometeorologie an der Uni Bayreuth, geladen und erschienen.

Bürgermeister Helmut Krämer ließ zu Beginn der Veranstaltung, die von BR-Moderator Heiner Gremer moderiert wurde, die vergangenen Jahre vom Beginn der Planungen für den Windpark in Brunn bis hin zum Bürgerbegehren und Ratsbegehren Revue passieren. Die vorgesehene Form der Bürgerbeteiligung (wir berichteten) wurde von Hubert Treml-Franz in kurzer Form vorgestellt, der in diesem Zusammenhang auch klarstellte, „dass die Regionalwerke Bamberg niemals ein Projekt gegen den Willen einer Gemeinde oder der Bevölkerung durchziehen werden“.

Simulation in 3D

Die optischen Folgen des Brunner Windparks wurden anhand einer Fotomontage auf Basis einer 3D-Simulation aus dem Geoportal des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt- und Verbraucherschutz vorgestellt. Der Moderator erklärte hierzu, dass er „das Bild bedrohlicher kenne“.

Seine Frage an den Bürgermeister, ob er denn auch die Bevölkerung mitgenommen habe, konterte dieser mit der Aufzählung sämtlicher Informationsveranstaltung der vergangenen Jahre. Dass die Stimmung unter den Zuhörern geteilt war, war bereits bei der ersten Frage aus dem Publikum erkennbar. Rainer Pracht bezweifelte die vorgestellten Daten und ging sukzessive in ein Grundsatzreferat über, das er bereits auf der Homepage der beteiligten Partner, www.buergerwindpark-brunn.de, als offenen Brief eingestellt hatte. Nach mehreren Minuten der Rede bat ihn der Moderator, doch endlich zur Frage zu kommen, was aber zunächst nicht geschah.

Die Abstimmung unter dem Publikum, ob der Vortrag des „Gastredners“ fortgeführt werden solle, ergab eine 50:50 Pattsituation. Die Schlussaussage Prachts lautete: „Wir brauchen keine Windräder, pflanzt lieber Bäume!“ Die Ausführungen wurden – ebenso wie auf der Homepage – von Foken gekontert, der darauf hinwies, dass sich die Effektivität moderner Windräder in den vergangenen Jahren vervielfacht habe.

Großes Interesse: 240 Bürger wollten sich bei der Veranstaltung der Marktgemeinde über den Windpark informieren. Für Enttäuschung sorgte die Initiative der Projektgegner: Sie sagte ihre Teilnahme ab. © Stefan Braun


Bei den Wortmeldungen weiterer Besucher wurde ersichtlich, dass sich nicht nur Einheimische unter den Gästen befanden. Interessenten waren aus Bamberg, dem Landkreis und dem Forchheimer Raum angereist. Auch der Betreiber einer Windkraftanlage im mittelfränkischen Uffenheim meldete sich zu Wort. Angezweifelt wurden von mehreren Fragestellern neben dem ökologischen Nutzen auch die prognostizierten Renditen. Der Vorwurf, dass es beim angestrebten Windpark in Brunn nur ums Geldverdienen gehe, wurde auch vom Grafen zu Stauffenberg erhoben, der zudem anfügte, dass für ihn die Windräder neben dem Schloss ein unerträglicher Anblick seien. „Mein Interesse an Windkraft habe ich verloren, als ich die Bilder gesehen habe. Es geht hier nur um Erträge für die Gemeinde und die Pachtbesitzer.“ Zudem leide, so Stauffenberg, der Tourismus unter den Windrädern.

Bürgermeister Krämer konterte diesen Vorwurf mit dem Hinweis, dass in Oberngrub seit 2005 Windräder stehen und die Übernachtungen dort seither um zehn Prozent gestiegen seien. Weiter erklärte Krämer, dass „wir anfangs mehrere Anfragen fremder Investoren hatten. Hätten wir nicht reagiert, dann stünden in Brunn bereits vier Windräder“. Den Vorwurf aus dem Publikum, dass die Fragen beim anstehenden Ratsbegehren sehr umständlich gestellt seien, leitete Krämer an die Bürgerinitiative Hohenpölz weiter, die auf dieser Formulierung bestanden hatte. Die Aussage Krämers, dass eine Genehmigung für Brunn auch an andere Investoren gehen könne, wurde von Ludwig Hofmann bestätigt, soweit dies außerhalb des Landschaftsschutzgebietes sei. Dies betrifft derzeit eine Fläche von 40 Hektar.

Scharfe Kritik an Seehofer

Auf die Aussage der Gräfin Monika von Stauffenberg, dass die Gemeinde die Bevölkerung nicht hinter sich habe, verwies der Bürgermeister auf die Abstimmungen in den Ortsteilen und eine Fragebogenaktion aus dem Jahre 2012, bei der 80 Prozent der Bevölkerung mit Ja gestimmt hätten. Krämer räumte aber auch ein, dass dies mittlerweile aufgrund der Politik in München wohl anders sei: „Der Schlingerkurs Seehofers ist eine Zumutung für die Gemeinden“.

Nach knapp zwei Stunden intensiver Diskussion gab sich auch der Initiator der Bürgerinitiative Hohenpölz im Publikum zu erkennen, begründete seine Nichtteilnahme und verwies auf eine eigene Veranstaltung (siehe unten).

Dass die Gräben zwischen Befürwortern und Gegnern tiefer denn je sind, wurde durch die weiteren Wortmeldungen bestätigt. Treffend hat dies ein Heiligenstädter Bürger in seinem „Schlussplädoyer“ erwähnt: „Wir haben einen Riss in unserer Bevölkerungsstruktur, der nach dem 20. Juli nur schwer wieder zu kitten sein wird. Ich möchte nicht mit Bürgermeister Krämer tauschen.“

Neben der Infoveranstaltung der BI Hohenpölz am Montag um 19 Uhr im Heiligenstädter Hof bietet auch die BI Pro-Bürgerwind-Jura Brunn noch zwei Gelegenheiten, sich zu informieren: Sonntag, 13. Juli, 15.30 Uhr, im Tabea-Familienzentrum und Mittwoch, 14. Juli, 20 Uhr, im Gasthaus Aichinger. 

STEFAN BRAUN

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