Montag, 10.12.2018

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Huhtamaki wächst um weitere 70 Arbeitsplätze

Standort Forchheim nimmt Produktion aus Göttinger Werk auf — Erfolge dank Know-how: Jetzt 770 Mitarbeiter - 08.12.2006

Spezialfolien-Fertigung bei Huhtamaki Forchheim: Zwei ähnliche Maschinenstraßen werden bald dazukommen. Fotos: Rödel


Nach außen hin ist die Änderung kaum zu bemerken. Nur hinter dem Pförtnerhäuschen ist derzeit eine Spezialfirma damit beschäftigt, zwei provisorische Lagerhallen zu errichten. Sie werden gebraucht, weil in die Halle an der Zweibrückenstraße die neue Fertigung aus Göttingen zieht. Ganz früher wurde hier PVC hergestellt, zuletzt diente die Halle als Lager. Bauarbeiter bereiten zurzeit den Raum vor, damit die neuen Maschinen ab Ende Dezember aufgebaut werden können.

152 Jahre alt

Die Huhtamaki-Manager vor Ort geben sich selbstbewusst. Sie haben Grund dazu. Die traditionsreiche Forchheimer «Folienfabrik“, deren Ursprünge bis ins Jahr 1854 zurückreichen, ist unter Leitung der Finnen ab 1999 in die Weltspitze ihrer Branche aufgestiegen. «Immer wenn etwas klebt, sind wir beteiligt“, bringt es Verkaufsleiter Jörg Nückel auf eine einfache Formel. Huhtamaki Forchheim ist Spitze im Veredeln von Folien, die in Forchheim hergestellt werden. Einfache Beispiele kennt jeder aus seinem Alltag: Das Papierchen, das an einem Pflaster weggerissen wird, bevor es auf die Wunde geklebt wird; oder der braune Schutzstreifen, der von einem Doppelklebeband abgezogen wird. Was dann weggeworfen wird, das ist in Forchheim hergestellt worden.

Der scheinbar simple Folienschnipsel ist Hightech, erklärt Manfred Bracher, Betriebsleiter in Forchheim: «Wir stellen mehrere tausend verschiedene Folien her.“ Jeder Hersteller brauche für jedes Produkt eine etwas andere Schutzfolie, weil auch immer ein etwas anderer Kleber verwendet wurde. Daher forschen in der Entwicklungsabteilung von Huhtamaki Forchheim neben Ingenieuren vor allem Chemiker. In zahlreichen Anwendungsbereichen ist Huhtamaki Weltmarktführer.

35 000 Tonnen veredelte Folien stellt das Werk derzeit her. Mit der aus Göttingen verlagerten Produktion steigt diese Zahl nochmals um 15 000 Tonnen. Dann wird auch Papier «silikonisiert“, also veredelt für den weiteren Gebrauch. Verwendet wird es dann zum Beispiel als Schutzpapier bei Damenbinden.

Forchheim ist weltweit zuständig für den gesamten Bereich der Folien, im englischen Hausgebrauch «Films“ genannt. Seit drei Jahren gibt es ein, wie Jörg Nückel es sagt, «kleines Forchheim in den USA“. Das Forchheimer Werk wurde sozusagen spiegelbildlich in die USA kopiert, weil dort noch ein großer Markt auf Huhtamaki wartet. Vom neuen Standort Mavern aus, einem Vorort der US-Metropole Philadelphia, sollten neue Kunden gewonnen werden. Das ist gelungen. Das Werk sei «proppenvoll“, sagen die Forchheimer Manager. Eine zweite Maschine für die Produktion wird aufgebaut. 40 Mitarbeiter hat Huhtamaki inzwischen in den USA.

Die zwei neuen Fertigungslinien aus Göttingen «passen gut zu uns“, sagt Manfred Bracher. Im Forchheimer Standort werde es nun zwar «langsam eng“, was den Platz betrifft. Aber von Platzproblemen könne man noch lange nicht sprechen. «Das geht schon noch einige Jahre“, meint Bracher. Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Unternehmen aus Platznot umziehen muss. Doch Finanzchef Hans Sippel beruhigt: «Das ist kein Thema.“

Gewachsene Kompetenz

Denn was den Forchheimer Standort auszeichne — da sind sich alle drei Manager einig — sei die enorme Kompetenz, «gewachsen in 50 Jahren“, wie Nückel sagt. Seit der Übernahme der einst jüdischen Firma durch den britisch-holländischen Konzern Unilever 1938 ist das Werk auf Folien spezialisiert. Die Krise folgte nach dem Wegbruch des PVC-Marktes, die Mitarbeiterzahl fiel auf einen Tiefstand von 460. Heute sind es fast doppelt so viele. Und das trotz im weltweiten Vergleich hoher Lohnkosten. «Natürlich ist das immer ein Thema“, sagt Bracher. Jedoch seien die Huhtamaki-Produkte aus Forchheim derartige Hochtechnologie, dass der Lohn-Aspekt in den Hintergrund rücke.

Produziert wird 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Zunehmen wird mit der ausgeweiteten Produktion auch der Lkw-Verkehr zum Werk, das wollen die Chefs nicht verhehlen. Wohl der einzige Wermutstropfen in der sonst so guten Nachricht aus der lokalen Wirtschaft. 

GEORG KÖRFGEN

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