Montag, 17.12.2018

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Johanniter-Weihnachtspakete für arme Menschen: "Hat mir das Herz zerrissen"

Nicole Endres (25) aus Forchheim verteilt in Bosnien Weihnachtspakete - 06.12.2018 18:00 Uhr

Nicole Endres aus Forchheim war 2017 mit den Johanniter Weihnachtstruckern in Bosnien unterwegs und hat Pakete an die Bevölkerung verteilt. © Nicole Endres


Frau Endres, wie reagieren die Menschen auf die Weihnachtspakete?

Nicole Endres: In einem 16-köpfigen Team und mit sechs Trucks haben wir in der zweit- und drittgrößten Stadt Bosniens rund 7000 Pakete verteilt. In Erinnerung bleiben mir drei Kinder, die Glitzer im Haar hatten, weil sie bereits für eine Schulaufführung geschminkt waren. Als sie das Paket bekommen haben, sagten sie zur Lehrerin, dass auch ich Glitzer bekommen soll, weil ich ein Engel sei. Das erste mal geweint habe ich, also ich die Menschen gesehen habe, die sich in Reihe angestellt haben, wie wir es bei einem Konzert machen würden, nur um ein Paket im Wert von rund 25 Euro in den Händen zu halten. Manche können sich von ihrer Rente nicht mal alltägliche Sachen leisten, das ist schon verrückt. Manche sind auch peinlich berührt, dass sie auf die Hilfe angewiesen sind. Das Gesicht einer Frau, die dachte, sie würde kein Paket mehr bekommen, hat mir das Herz zerrissen.

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Die Forchheimerin Nicole Endres ist zwischen den Jahren wieder in Bosnien unterwegs, um Weihnachtspakete an Kinder und Erwachsene zu verteilen. Schon 2017 machte sie sich auf die Reise und spricht von "herzzerreisenden" Momenten.


Wie ist die Tour organisiert?

Nicole Endres: 2017 ging es am zweiten Weihnachtsfeiertag um zehn Uhr in der Früh los. Wir sind durchgefahren, bis wir schließlich in Kroatien an der Grenze zu Bosnien angekommen sind. Einen weiteren Tag mussten wir uns um die Formalitäten beim Zoll kümmern. Zwei Tage haben wir in den Städten die Pakete verteilt. Anfangs dachte ich, dass ich die fünf Tage lang heulen werde, nachdem ich mir die Bilder von den Einsätzen aus den Vorjahren in Rumänien angesehen habe. Aber Bosnien ist mit den Slums in Rumänen, wo manche Menschen leben, nicht zu vergleichen. Man sieht aber an den zerbombten und leeren Häusern, dass der Krieg noch nicht lange her ist. Es wirkt zwar zivilisiert, aber in Bosnien herrschen nochmal ganz andere Zustände als in Deutschland.

Wer kann die Aktion wie unterstützen?

Nicole Endres © Foto: Johanniter


Nicole Endres: Jeder. Ob mit einer Spende oder einem Paket. In das Päckchen sollten: ein kleines Geschenk für Kinder, zwei Kilo Zucker, drei Kilo Mehl, ein Kilo Reis und Nudeln, zwei Liter Speiseöl in Plastikflaschen, drei Packungen Multivitamin-Brausetabletten und Kekse, fünf Tafeln Schokolade, 500 Gramm Kakaogetränkepulver, zwei Duschgele, eine Handcreme sowie zwei Zahnbürsten und zwei Tuben Zahnpasta. Wer möchte, kann das Paket gerne weihnachtlich verpacken. Abgegeben werden kann es am Samstag, 8. Dezember, 9.30 bis 13 Uhr am Feuerwehrhaus Kirchehrenbach.

  

PATRICK SCHROLL

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