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Mittwoch, 19.09.2018

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Kleine Tiere ganz groß: Fledermausnacht in Schloss Thurn

Kinder löcherten die Experten des Bund Naturschutz mit Fragen - 03.09.2018 09:00 Uhr

Timo (li.) und Herpi auf weißen Samthandschuhen waren die Attraktion des Abends.


Fast könnte man meinen Herpi und Timo genießen das Bad in der Menge und den Trubel um ihre Anwesenheit und setzen sich deswegen auf den weichen, weißen Samthandschuhen ihrer Ersatzmutter ganz besonders in Pose. Die kleine Zwergfledermaus und der Abendsegler stammen aus der "Fledermaus-Aufpeppel-Station" von "Ziehmutter" und Fledermausschützerin Jana Stepanek aus dem Landkreis Erlangen Höchstadt.

"Warum heißen die so?", will die vierjährige Anna aus Forchheim wissen, die mit ihren Eltern nach Heroldsbach gekommen ist. "Ich benenne meine Fledermaus-Schützlinge immer entweder nach ihrem Finder, oder nach ihrem Fundort", erklärt Jana Stepanek. Deswegen wurde die kleine Zwergfledermaus, die bei Herpersdorf im Landkreis Erlangen-Höchstadt gefunden wurde, kurzerhand Herpi getauft.

Der im Vergleich zu ihr viel größere Abendsegler erhielt den Namen Timo, weil vor fünf Jahren der Junge, der die Fledermaus in einem Jugendzeltlager gefunden hatte, den gleichen Namen trug.

Im Durchschnitt 30 Gramm

Seitdem ist Timo nun in der Obhut von Jana Stepanek und eigentlich, wie die Fledermausschützerin erzählt, inzwischen längst vom Wildtier zum Haustier geworden. Timo lässt sich von seiner Ziehmutter anständig durchfüttern, inzwischen wiegt er mit rund 50 Gramm deutlich mehr als die anderen Tiere seiner Art. Die sind im Durchschnitt rund 30 Gramm schwer.

"Wie alt ist Timo?" will der siebenjährige Thorsten aus Forchheim wissen. "Oh, so genau kann man das gar nicht sagen", antwortet die Fledermausexpertin und versucht das Alter ihres Schützlings zu schätzen. "Als er zu mir gekommen ist, war er schon kein Jungtier mehr." Sie tippt auf ein Alter zwischen sieben und zehn Jahren und weiß: "Fledermäuse können schon bis zu 20 Jahren alt werden."

Den Flügel gebrochen

Während Herpi mit eingebundenen Flügel einen Flügelbruch im Lazarett von Jana Stepanek auskurieren muss und danach wieder in die Wildnis entlassen werden soll, hat sich Timo schon zu sehr an das häusliche Leben gewöhnt. Stepanek gibt sich keiner Illusion hin: Timo wird bei ihr bleiben, eine Auswilderung komme bei ihm wohl nicht mehr in Frage.

Auch viele Kinder machten durch fantasievolle Verkleidung auf sich aufmerksam. © Fotos: Alexander Hitschfel


Ziemlich agil krabbelt er vor den Augen vieler Kinder und Erwachsener am T-Shirt seiner Ziehmutter nach oben und verschafft den Besuchern damit einen einmaligen Anblick. So haben sie eine Fledermaus noch nie gesehen.

Wer Timo und Herpi ausführlich studiert hatte, konnte bei der Fledermausnacht viele weitere Dinge erleben. Kinderspiele, Vorträge, eine Fledermaus-Forscher-Rallye und vieles mehr wurde angeboten.

Possierliche Schlossbewohner

Zu späterer Stunde erläuterte der Kreisgeschäftsführer und Fledermausforscher Friedrich Oehme aus Heroldsbach den von ihm entwickelten "Bat-Detektor", mit dem man die Laute der umherfliegenden Fledermäuse auf Schloss Thurn hörbar machen konnte. Und gehört hat man an diesem Abend einiges, was nicht zuletzt daran liegt, dass die Familie von Bentzel, denen der Erlebnispark gehört, eine ganze Fledermauskolonie im Schloss beheimatet. In den Abend- und Nachstunden machen sich die possierlichen Schlossbewohner dann auf Nahrungssuche.

Die alljährliche Fledermausnacht ist ein Ableger der Europäischen "Batnight", die seit 15 Jahren den Höhepunkt eines Fledermausjahres darstellt und bei der Besucher wie in Heroldsbach in die geheimnisvolle Welt der Fledermäuse eintauchen können. 

ALEXANDER HITSCHFEL

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