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Landratsamt bestreitet "gebremsten Bau-Boom"

Gewerkschaft: In Bauämtern fehlt das Personal — Behörde legt die Zahlen der Baugenehmigungen der letzten Jahre vor - 03.09.2018 18:12 Uhr

Bauarbeiter stehen auf der Baustelle eines Hauses auf dem Dach © Daniel Bockwoldt


Zwischen Januar und Juni wurde im Landkreis der Neubau von 205 Wohnungen genehmigt, berichtet die Gewerkschaft, 11,6 Prozent weniger als im ersten Halbjahr des vergangenen Jahres. Die Gewerkschaft beruft sich dabei auf neueste Zahlen des Statistischen Bundesamts. Investitionen von insgesamt 54,3 Millionen Euro planen demnach die Bauherren im Kreis Forchheim, um aus den erteilten Genehmigungen neue Wohnungen zu machen. Die IG BAU Oberfranken sieht jedoch Luft nach oben. "Viele Sozialwohnungen sind aus der Preisbindung gefallen – und jetzt mit deutlich höherer Miete auf dem Markt. Gegen den Schwund bei Sozialmietwohnungen und gegen den Mangel an bezahlbaren Wohnungen hilft nur eins: bauen, bauen, bauen", sagt Bezirksvorsitzender Gerald Nicklas.

Erschwert werde das Bauen und Planen durch fehlendes Personal in den Bauämtern. Nach IG BAU-Angaben sank die Zahl der Beschäftigten in den kommunalen Baubehörden in Bayern zwischen 1995 und 2010 um 24 Prozent – zwischen 2011 und 2016 stieg sie daraufhin lediglich um fünf Prozent. Das hat eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) herausgefunden. Danach kamen auf 1000 Einwohner in Bayern zuletzt rund 0,7 Vollzeit-Beschäftigte in den Bauverwaltungen. "Der jahrelange Personalabbau in den Ämtern rächt sich in Zeiten einer anziehenden Baukonjunktur besonders", sagt Nicklas. Engpässe bei der Planung und Genehmigung führten dazu, dass wichtige Bauprojekte verschleppt würden. Das betreffe auch die kommunale Infrastruktur – wie den Bau von Schulen, Straßen und Krankenhäusern.

Laut DIW geben Städte und Gemeinden im Schnitt 85 Prozent ihrer Investitionen für Bauten aus. "Mangelnde Planungskapazitäten haben daher enorme Auswirkungen auf das Bauen vor Ort", so Nicklas.

Im Landkreis hat nur die Große Kreisstadt Forchheim ein eigenes Bauamt. Alle anderen 28 Kommunen müssen Bauanträge ans Kreis-Bauamt zur Genehmigung weiterleiten. Laut Pressestelle des Landratsamtes ist die Personalsituation hier seit Jahren konstant und liegt bei "acht bis neun Personen". Dies solle auch so bleiben.

Die höchste Zahl an Baugenehmigungen (von Wohnungs- über Gewerbe- bis Verwaltungsbau) wurde 2015 mit 693 Fällen erreicht. Auch vorher, so eine Sprecherin, lag die Zahl schon bei über 600 und seither ebenfalls. Aktuell wurden 2018 bisher 486 Baugenehmigungen vom Kreis-Bauamt erteilt, mehr zum selben Zeitpunkt im Vorjahr, als insgesamt 619 Genehmigungen ausgesprochen wurden. 

gru

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