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Muggendorf: Tränen begleiten das Ende des Hotels Feiler

Nach Ostermontag ist Schluss — 1895 als Weinhandel gestartet - 31.03.2018 06:00 Uhr

Am Oberen Markt ist das traditionelle Hotel Feiler seit über einen Jahrhundert zuhause. Die Familie ist jetzt auf der Suche nach einem Nachfolger. © Carmen Schwind


Mit Tränen in den Augen sagt Christina Feiler: "Es ist eine persönliche Katastrophe für die ganze Familie. Denn schließlich sind wir hier groß geworden." Am Ostermontag bewirten die Feilers zum letzten Mal in ihrem Hotel-Gasthof in Muggendorf Gäste. Dann wird das über die Region hinaus bekannte Unternehmen schließen. Christina Feiler hatte Hotel und Restaurant am Oberen Marktplatz einst von ihrem Vater Horst übernommen.

"Der ging in seiner Rolle als Wirt auf. Er war ein richtiger Patron", erinnert sich Christinas Schwester Angelika Feiler-Martin und meint: "Das ist eine fränkische Tragödie." Die Familie hält jetzt zusammen. Christinas Ehemann Klaus und Sohn Christian sind Köche, Schwiegertochter Nicole arbeitet im Service. Und die 83-jährige Mutter Käthe steht immer noch in der Küche und bäckt ihre beliebten Kuchen. "Mein ganzer Lebensinhalt ist dann weg", sagt Käthe Feiler.

In der Stube begann alles

Drei Generationen unter einem Dach (v. li.): Sohn Christian mit Ehefrau Nicole, Inhaberin Christina und Mutter Käthe Feiler. © Carmen Schwind


Inhaberin Christina Feiler zeigt auch die Stube, in der alles begann. Sie ist noch ein Überbleibsel des ursprünglichen Gebäudes, das immer wieder erweitert und ausgebaut wurde. Ihre Schwester Angelika erzählt, dass ihr Urgroßvater Anton Feiler, ein gelernter Schreiner, diese Stube selbst gebaut hatte.

Er hielt um die Hand von Margarete Kohlmann aus dem Gasthof Kohlmannsgarten an. Doch die Braut wollte ihn nur dann heiraten, wenn er ihr eine Wirtschaft bauen würde. 1895 war das die Geburtsstunde für den Hotel-Gasthof Feiler. Zuerst als Weinhandel, der dann kleine Speisen anbot.

"Margarete war eine begnadete Köchin. Meine Mutter bäckt noch heute nach ihren Rezepten", sagt Angelika Feiler-Martin. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden Fremdenzimmer ausgebaut und das Hotel wurde zur klassischen Sommerfrische für Akademiker, Künstler oder Unternehmer aus der Stadt.

2009 verstarb Christinas Vater Horst Feiler, „ein Vollblut-Gastronom“. Ein Gast hat ihn auf einem Bild festgehalten. © Carmen Schwind


Klara und Hans Feiler führten das Unternehmen während des Krieges. Danach übernahmen Horst, der 2009 verstarb, und Käthe Feiler den Hotel-Gasthof. "Unser Vater war ein Vollblut-Gastronom und hat das Ganze so richtig hoch gebracht", sagt Christina Feiler. Sein Hobby war das Sammeln von Kräutern und Pilzen, die dann in der Küche oder zur Dekoration verwendet wurden.

"Das habe ich übernommen. Ich war erst gestern Waldmeister und Bärlauch sammeln", erzählt Sohn Christian Feiler. Die feine Küche — über 14 Jahre hielt Klaus Feiler einen Michelin-Stern — und das außergewöhnliche Ambiente zogen auch Berühmtheiten an.

Anthony Quinn und die Feilers

Am bekanntesten ist wohl Anthony Quinn, dessen dritte Frau Kathy Benvin noch heute an Weihnachten Grußkarten schickt. Aber auch Alfred Biolek konnte von der Küche überzeugt werden. Karin Eckold war ebenfalls Fan der Feilers. Sie spielte die Sekretärin von Professor Brinkmann alias Jürgen Wussow in der "Schwarzwaldklinik".

Doch jetzt ist Schluss und die Feilers müssen schließen und das Haus verkaufen. "Es liegt nicht an der Zahl der Gäste", sagt Christina Feiler. Vielmehr hatte man bei ihr einen Tumor im Gehirn festgestellt. In dieser Zeit kam eine Steuerprüfung. "Das war meine erste und wird die letzte sein", sagt die Inhaberin. Durch die Krankheit war sie überfordert. "Und das Finanzamt lässt nicht mit sich reden", sagt sie. Würde sie den Betrieb an ihren Sohn übergeben, müsste dieser eine neue Konzession beantragen und dann viele teure Brandschutzmaßnahmen erfüllen.

"Das geht auf Dauer nicht"

Neue Auflagen kosten Geld und gutes Personal zu finden, sei schwierig. "Im Winter sind kaum Einnahmen zu erwarten. Das geht auf Dauer nicht", sagt Christian Feiler. Angelika Feiler-Martin hat das Gefühl, dass die Politik keine kleinen, individuellen Unternehmen mehr haben möchte, sondern nur große, standardisierte.

Christina Feiler ist 59 Jahre alt, hat immer für den Betrieb gearbeitet und alles Geld investiert. Sie und ihre Schwester hoffen nun, dass ein Unternehmer den Hotel-Gasthof kauft und weiterführt, denn neben Geld hat die Familie viel Herzblut investiert.

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Carmen Schwind

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