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Per Zug von Behringersmühle an den Baikalsee

Schlafwagenreise startete mit der Dampfbahn Fränkische Schweiz - 28.08.2015 20:22 Uhr

Zehn Tage dauert die Reise im Schlafwagenabteil von Behringersmühle an den Baikalsee. Zur Abfahrtwaren viele Eisenbahnfreunde gekommen und bestaunten den Waggon der Russischen Staatsbahn. © Ralf Rödel


Schwer zieht die alte Diesellok des Vereins Dampfbahn Fränkische Schweiz (DFS) ihren Anhang in den Behringersmühler Bahnhof. Angehängt sind zwei der grünen bayerischen Wagen. „Mit denen bin ich früher noch zur Schule gefahren“, sagt Brigitte Haselmeier. Mit ihren Kollegen von der Gößweinsteiner Barocktanzgruppe bildet sie für die einfahrenden Reisenden ein Empfangskomitee. Später werden sie ihnen mit ihren weißen Seidentüchern ein „Ade“ hinterherwinken.

21 Eisenbahnbegeisterte aus der ganzen Republik, aus Holland und Österreich sitzen in den Wagen. Sie steigen in Behringersmühle in einen grauen Schlafwagen der Russischen Staatseisenbahn RZB um. Mit ihm geht es in zehn Tagen über 7500 Kilometer zum Baikalsee in Sibirien. Jede Person verfügt über drei Quadratmeter holzvertäfelten Sowjetcharme. Kostenpunkt: gut 2600 Euro.

„Es ist besser als zu Hause“, sagt Matthias Meeh, ein 38-jähriger Adelsdorfer über den Komfort. Sogar eine Klimaanlage gibt es, „nicht nur Fenster auf und zu.“ Geheizt wird über einen Kohleofen oder auch elektrisch. Zwei russische Zugbegleiter kümmern sich um die Gäste. Meeh hat mit Anton Tarasov die Reise organisiert. Auf einer Zugfahrt nach Russland hatte Meeh, schon lange für die Eisenbahn interessiert, die Idee: von einem bayerischen Ort in die weite Welt. Die Wahl fiel auf Behringersmühle.

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Mit dem Schlafwagen von Behringersmühle nach Sibirien

Erstmals ist ein Schlafwagen der Russischen Staatsbahn in Behringersmühle gestartet. Von dort ist eine Reisegruppe zum Baikalsee in Sibirien aufgebrochen und folgt der Route der Transibirischen Eisenbahn.


Tarasov ist Eisenbahningenieur bei Siemens. Er stammt aus Moskau, arbeitete bis jetzt in Deutschland. Für ihn war Eisenbahn ein Thema, um in der Fremde Kontakt zu kommen. Mittlerweile organisiert der 34-Jährige seine zehnte Reise. „Es wird die Krönung meines Hobbys“, sagt Tarasov. Und ein Abschied: Nach ein paar Tagen am See trennt sich die Gruppe auf der Rückreise in Moskau, einige steigen ins Flugzeug, andere wieder in einen Zug. Tarasov bleibt in seiner Heimat. Freunde aus Auerbach nehmen Abschied, haben einen Kasten Bier als Andenken mitgebracht.

Zweiter Anlauf

Es war nicht einfach, die Reise zu organisieren. Es ist der zweite Anlauf. Beim ersten Mal suchten Meeh und Tarasov Reisende übers Internet, zu wenige wollten. Dann wurde der SWR aufmerksam, berichtete in seiner Sendung „Eisenbahn-Romantik“ und begleitet die Fahrt mit einem Kamerateam. Nun meldeten sich genug Begeisterte. Einer verstarb jedoch auf der Anreise nach Behringersmühle.

Bis nach Russland sind einige bürokratische und organisatorische Hürden zu überwinden. Zunächst fährt die DFS den Wagen nach Ebermannstadt, dann übernimmt die Nürnberger Fränkische Museums-Eisenbahn bis hinter Amberg. Dort wird der Waggon an einen Eurocity gekoppelt, fährt über Prag nach Brest. Schließlich kommt die RZB auf der Trasse der Transsibirische Eisenbahn zum Zug — einer Strecke, die ein ganz besonderes Flair hat.

Bis zu drei Personen haben hier Platz. © Ralf Rödel


Bernd Kittler, zweiter Vorsitzender der DFS, hat die Reisenden als Lokführer nach Behringersmühle gebracht. Er wird später in den Schlafwagen umsteigen — es ist seine bisher längste Reise mit der Bahn. „Ich freue mich drauf.“ Mit einer Packliste fühlt er sich auf alles vorbereitet. „Wird schon alles passen.“ Hans-Dieter Krueger aus Pegnitz hat ein Zuglaufschild mitgebracht, Kaliningrad-Moskau steht kyrillisch darauf. Er hat es und andere Eisenbahn-Devotionalien in einem Depot an der polnisch-russischen Grenze für fünf Dollar und zwei Schachteln Marlboro gekauft. Ein Glücksgriff. Nun will er ein Erinnerungsfoto.

Günther und seine beiden Kumpels knipsen. Aus dem Erzgebirge angereist, machen sie in Gößweinstein Urlaub. Sie entdecken, dass der Waggon — früher sind sie selbst mit baugleichen gefahren — 1974 in der DDR gebaut wurde und sind ein bisschen stolz. „Die Fahrt ist auch ein Beitrag zur Völkerverständigung“, sagt Tarasov, als der russische an die bayerischen Wagen gekuppelt wird. An den Baikalsee: Abfahrt. 

STEFAN BERGAUER E-Mail

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