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Reuth: Haus für Flüchtlinge und Bedürftige fällt durch

Während der Bauausschusssitzung machten Reuther Bürger ihrem Unmut Luft - 17.07.2017 19:33 Uhr

Bürger aus Reuth lehnen ein Gebäude für anerkannte Flüchtlinge auf der Hut ab. © Foto: Roland Huber


Es war eine unglückliche Formulierung, für die sich der Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) gleich zu Beginn bei den Bürgern entschuldigte. Für die Bauausschusssitzung kündigte die Stadt den Tagesordnungspunkt "Errichtung eines Asylbewerberheimes in der Hutstraße". Doch das stimmte nicht.

Ein Fehler, wie Kirschstein eingestand. Tatsächlich geht es um ein Programm des Freistaates Bayern, der den Bau von Wohngebäuden für die Unterbringung bereits anerkannter Flüchtlinge fördert. Die Stadt überlegt, ob sie sich für dieses Programm bewirbt.

Sechs bis acht Wohnungen

Gebaut werden könnte, so stellte es Bauordnungsamtsleiter Stefan Schelter vor, ein zweigeschossiger Bau für sechs bis acht Wohnungen. Nach dem Programm des Freistaates finden dort nicht nur 30 Prozent einheimische Bedürftige Wohnraum, sondern auch 70 Prozent anerkannte Flüchtlinge, die in Nebenkommentaren von anwesenden Bürgern als "Dreckspack" bezeichnet wurden.

Von derartigen Äußerungen bleibt im persönlichen Gespräch mit Bürgern nicht viel übrig. Von diesen Äußerungen distanziert sich Herr Klemmstein, der seinen Vornamen nicht in der Zeitung lesen will. "Hier außen sind die Flüchtlinge vollkommen verloren. Sie sind hier ohne vernünftige Verkehrsanbindung."

Das sieht auch Roswitha Lippert, ehemalige CSU-Stadträtin, so. Die Stadt hat ein Grundstück in der Hutstraße in Richtung Wald auf der rechten Seite ins Auge gefasst. "Dort ist keine Integration möglich, sondern Isolation vorprogrammiert."

Familienvater Klemmstein sorgt sich außerdem um die Plätze im Kindergarten. "Schon heute sind nicht genug vorhanden." Viele Bürger kamen auch aus anderen Wohngebieten und folgten einem Aufruf zum heutigen Termin.

Cornelia Bittan weiß aus eigener Erfahrung, wie Integration gelingen kann. In den 70er Jahren kam die Holländerin nach Franken. "Die Menschen brauchen einen Ansprechpartner, dann gelingt auch Integration." Damit ist sie eine der wenigen, die daran glaubt.

"Wir sind nicht rassistisch, sehen die Hut aber nicht als richtigen Standort", fasste Thomas Werner die Position des Reuther CSU-Ortsverbandes zusammen. Geprüft hat die Stadt auch ein Grundstück an der Merowingerstraße. Nach Absprache mit der Autobahndirektion Nordbayern hieß es allerdings: Zu nahe an der Autobahn.

Die Sorgen der Bürger nahmen der OB und die Bauausschussmitglieder mit in den Sitzungssaal. Mit 9 zu 6 Stimmen lehnten sie das Vorhaben ab (ausführlicher Bericht folgt).  

PATRICK SCHROLL E-Mail

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