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Freitag, 21.09.2018

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Verborgene Schätze im Park von Unterleinleiter

Internationaler Künstler stellten aus, Hunderte Besucher kamen - 30.07.2018 18:16 Uhr

Die Plastiken internationaler Bildhauer konnte man am Sonntag im Schlosspark von Unterleinleiter abwandern. Wie ein Ariadnefaden führte ein Lageplan von Werk zu Werk und glücklicherweise gab es oft Schatten. © Foto: Udo Güldner


Es geht bergauf und bergab. Über feinen Kies und wilde Baumwurzeln. Vorbei an idyllischen Teichen und akkurat gestutzten Hecken. Dann zeigt sich der Nachbau eines Rundtempels, der der römischen Fruchtbarkeitsgöttin Ceres gewidmet ist.

Wenige Kilometer weiter, an der Auffahrt zum Schloss Greifenstein, steht das Original dieses Tempels. Dann wieder begegnet einem Kunst: Ein Seeadler, der gerade einen Fisch gefangen hat, ein Flusspferd, das das Maul aufreißt und dann wieder watscheln zwei Bronzeenten leichtfüßig durchs Grün. Nur wenige Blühpflanzen säumen die Wegesränder. Das liegt zum einen am mangelnden Licht, das die dichten Baumkronen vom Waldboden fernhalten. Zum anderen an der sommerlichen Trockenheit. Die Landschaft wirkt schon herbstlich.

Hortensien blühen noch

Mit dem Zuschnitt unzähliger Hecken, dem Mähen mehrerer Rasenflächen und dem Freihalten der Kunstwerke vor dem Zugriff der Natur haben die Gärtner hier aber doch einiges zu tun. Die Hortensie, deren Name sich vom lateinischen Wort für Garten ableitet, hat sich im Zentrum der Anlage dann aber doch breitgemacht.

Der Hausherr selbst sieht nur ab und zu nach dem Rechten. Ihm zur Seite seine Dogge Paul, die sich von den Besucherscharen nicht aus der Ruhe bringen lässt und die Wasserspiele einfach als großen Trinknapf nutzt. Die kleinen Fontänen bringen zumindest kurzfristig etwas Abkühlung.

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Schlosspark Unterleinleiter präsentiert "Tag des Offenen Parks"

Viele hundert Besucher nutzten den Sonntagnachmittag, um am "Tag des Offenen Parks" durch den Schlosspark Unterleinleiter zu spazieren. Von der römischen Liebesgöttin Venus über bronzeartige Faune bis hin zu überdimensionalen Samenkapseln aus Metall war alles dabei.


Die Aloepflanzen und die Palmen im Kübel fühlen sich im mediterranen Flair des Barockgartens vor dem Schlossgebäude sichtlich wohl. Hier dominieren kegelförmige Buchsbäume, zwischen denen sich die Musen der Antike in strenger Reihung fügen. Der spazierende Parkgast wird der theatralischen Melpomene gewahr, eine tanzende Terpsichore und eine singende Polyhymnia erfreuen sein Herz.

Es bleiben nicht die einzigen mythologischen Gestalten. In das Labyrinth des Steingartens, das ein Minotauros des Bildhauers Harro Frey aus Pettensiedel bewacht, wagen sich auch einige italienische Gäste aus römischer Zeit. Manche Werke blieben dem Flaneur verborgen, hätte er nicht von Erdmute Knauer vom Schlosspark-Verein einen Ariadne-Faden in Form eines Lageplans der Kunst zur Hand. Andere Skulpturen, wie die tonnenschweren Samenkapseln, die vom Himmel gefallen scheinen, sind indes auch mit geschlossenen Augen kaum zu übersehen.

Derweil suchen einige neugierige Kinder im Terrassenteich nach Fischen, finden aber nur Molche. Wer da etwas traumverloren durch das Gespinst aus Licht und Schatten tappt, dem entgehen nicht die Ermahnungen an das Ende des Lebensweges.

Denn neben der Familiengruft der Freiherren von Seckendorff-Aberdar, die mit neugotischem Maßwerk gen Himmel strebt, findet sich auch die Grabstelle des badischen Staatsministers Christoph Albrecht Freiherr von Seckendorff (1748—1834).

Kühlung im Kirchencafé

Allerdings reißt der Lärm vorbeirasender Motorräder aus der Kontemplation, man muss weiter hinauf bis zur Streuobstwiese mit Blick über den kleinen Ort im Leinleitertal, doch hier ist man der unbarmherzigen Sonne schutzlos ausgeliefert, ganz wie die metallischen Plastiken, die zwischen den Apfelbäumen etwas verloren wirken. Jedenfalls war man noch selten angesichts der Liebesgöttin Venus so erschöpft wie diesmal und man darf es nicht dem spanischen Bildhauer José Abad zuschreiben, sondern dem brennenden Planeten über einem.

Der Wanderer flüchtet sich ins kühle Kirchen-Café. Im Schatten der Schlossanlage haben Frauen aus Dürrbrunn und Unterleinleiter mehr als 40 Kuchen und Torten bereitet. Auch der Eiskaffee findet reißenden Absatz. Der Erlös in Höhe von stattlichen 1800 Euro geht zum großen Teil an ein Hilfsprojekt nach Benin, in dem Jasmin Ochs (18) aus Heiligenstadt ab September einen einjährigen Freiwilligendienst leisten wird. Sie wird es auch dort heiß haben.

Der Konzertsommer im Schlosspark Unterleinleiter endet am Samstag, 4. August 2018, um 16 Uhr mit dem Ensemble "German Hornsound" auf der Waldwiese. Info-Telefon (0 91 94) 79 61 20 und www.schlosspark-unterleinleiter.de 

UDO GÜLDNER

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