Dienstag, 18.12.2018

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Fränkische Genuss-Insel mitten im tiefsten Oberbayern

Die Scherbels bringen Schäufele, Bratwürste und Wein nach Fürstenfeldbruck - 16.11.2018 06:29 Uhr

Bei Angelika Scherbel gibt es alles, was das fränkische Herz begehrt: Das Bier kommt aus Loffeld bei Bad Staffelstein, der Wein aus Abtswind und die Wurstkonserven stammen aus Muggendorf (Landkreis Forchheim). © Martin Regner


Dass es hier um Franken geht, ist schon von der Straße aus gut zu erkennen: Der rot-weiße fränkische Rechen grüßt gleich mehrfach von der Fassade und vom Schaufenster. Drinnen geht es gemütlich zu, viel Platz bleibt nicht zwischen den prall gefüllten Regalen und der zentralen Wursttheke. "Mein Mann fährt jede Woche einmal nach Franken und holt die Sachen für den Laden", erklärt Angelika Scherbel.

Ein bisschen Schinken, Beratung inklusive

"Die Rundreise beginnt in Pegnitz für das Brot, dann geht’s nach Muggendorf (Landkreis Forchheim) für die Wurstkonserven und weiter nach Bamberg für die Kartoffeln. Das Bier holen wir aus Loffeld bei Bad Staffelstein. Auf dem Rückweg geht’s durch Nürnberg für die originalen Bratwürste. Das ist jedes Mal eine Tagesreise über 700 Kilometer." Aber die weite Einkaufstour durch das Frankenland lohnt sich: "Am nächsten Tag stehen dann immer die Leute vor der Tür und warten auf die frische Ware."

Besonders beliebt bei den Fürstenfeldbruckern ist das fränkische Sauerkraut: "Das ist hier der Renner, das verkaufe ich kiloweise. Der Wahnsinn." Auch offener Meerrettich ist im Angebot, Essig aus Sommerhausen am Main — und allgemeine Lebensberatung. Ein älterer Herr etwa lässt sich vor dem Abwiegen von Schinken für 2,67 Euro kurz von Scherbel erklären, wie er mit seinem neuen Smartphone seine Frau anrufen kann. "Wenn Du Dir auch WhatsApp installieren willst, kommst wieder vorbei, dann machen wir das", verspricht sie ihrem alten Stammkunden und reicht den Schinken in einer Papiertüte über die Verkaufstheke.

Schuld ist die Bundeswehr

Und wie kommt die fränkische Genuss-Oase ausgerechnet nach Fürstenfeldbruck, mitten in Oberbayern? "Hier gibt’s ein Anzeigenblatt, den Amper-Boten. Da war 1999 eine fränkische Wursttheke in München inseriert: Der Laden war zu verkaufen. Das habe ich meinem Mann gezeigt und der hat gesagt: ‚Das machen wir‘." Peter Scherbel hängte seinen Beruf als Versicherungskaufmann an den Nagel und wurde Botschafter für fränkische Genusskultur in München. Vor rund zehn Jahren zog das fränkische Geschäft der Scherbels dann nach Fürstenfeldbruck um.

Was darf’s denn sein? Presssack oder lieber gekochte Mettwurst? © Martin Regner


Zu verdanken ist die Tatsache, dass sich die Franken im oberbayerischen Exil hier mit ihren Grundnahrungsmitteln vom Schäufele bis zum mittelscharfen Senf eindecken können, ohne dafür selber in Richtung Heimat fahren zu müssen, der Bundeswehr: "Mein Mann stammt aus Pressig bei Kronach", erklärt Scherbel. Mitte der 1960er Jahre kam Peter Scherbel zur Bundeswehr in Fürstenfeldbruck, lernte dort die Frau fürs Leben kennen, heiratete und blieb.

Lieblingsplatz: Pottenstein

Und was schmeckt der "eingeborenen" Oberbayerin, die hinter der Ladentheke steht, selbst am besten aus dem reichhaltigen fränkischen Sortiment? "Alles", antwortet Angelika Scherbel spontan. Dann überlegt sie einen Moment und entscheidet sich für die Fleischwurst aus der Nähe von Kronach. Selber nach Franken kommt sie aber nur "seltenst, weil ich immer im Laden stehe". Aber einen Lieblingsplatz in Franken, der ihr am besten gefällt, gibt es doch: Pottenstein in der Fränkischen Schweiz. Und warum? "Das ist eine wunderschöne Landschaft und einfach ein gemütlicher Ort."

Wie sehr der Oberbayerin Angelika Scherbel das fränkische Kulturgut schon in Herz und Blut übergegangen ist, zeigt sich beim Abschiedsgruß: "Tschau", sagt der Reporter beim Hinausgehen, worauf Scherbel lächelnd antwortet: "Das heißt Ade." 

MARTIN REGNER E-Mail

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