Mittwoch, 21.11.2018

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Alles dauert: Im Westen Fürths hadert man mit der Bahn

Vor allem auf dem Land hofft man, dass der Zugverkehr in den Großraum gestärkt wird - 07.09.2018 12:59 Uhr

Wann kommt das dritte Gleis auf der Würzburger Strecke zwischen Fürth und Siegelsdorf? Die Bahn bleibt eine Antwort bislang schuldig. © Foto: Horst Linke


Der CSU-Landtagsabgeordnete Hans Herold hatte Landräte, Bürgermeister und Vertreter von DB, Bayerischer Eisenbahngesellschaft und Verkehrsverbünden eingeladen. Einig war man sich, den schienengebundenen Personennahverkehr (SPNV) weiter zu fördern – und darin, dass man einen langen Atem braucht.

Schließlich prägen Baustellen und damit verbundene Behinderungen für Pendler seit Monaten die Bahnstrecke zwischen Nürnberg und Würzburg. Dabei ist eine der größten Einzelmaßnahmen, das dritte Gleis zwischen Fürth und Siegelsdorf, noch nicht einmal in der Planungsphase – trotz der Einstufung als dringlicher Bedarf im Bundesverkehrswegeplan. Eine konkrete Antwort auf die Frage, wann hier etwas vorangehen wird, blieb Udo Leuner, Teilnetzmanager für Mittelfranken bei DB Regio, ebenso schuldig wie in Sachen Fürther Güterverkehrstunnel.

"Der Tunnel muss kommen", betonte etwa der Fürther Landrat Matthias Dießl (CSU). Schließlich gilt das Großprojekt ebenso wie das besagte dritte Gleis als Vorbedingung für eine mögliche Elektrifizierung und Beschleunigung der Zenngrundbahn nach Markt Erlbach. Deren Leistungsfähigkeit zu steigern, fordern alle Bürgermeister der anliegenden Städte und Gemeinden.

"Wir könnten viel mehr Individualverkehr von der Straße auf die Schiene bringen, wenn die Bahn attraktiver wäre", meinte etwa Markt Erlbachs Bürgermeisterin Birgit Kreß (FW). Immer wieder fragten Bürger, wann etwas geschehe und sei es nur, um den zeitlichen Horizont abschätzen zu können: "Das kann in fünf Jahren oder in zehn Jahren sein, aber es muss etwas passieren."

Handlungsbedarf sehen viele auch beim Thema Barrierefreiheit. Dass bei der Bahn oft alles mit allem zusammenhängt, wurde dabei rasch deutlich. "Wir können keine Aufzüge an den Bahnsteigen planen, weil wir noch immer nicht wissen, wie das dritte Gleis am Bahnhof angeschlossen wird", monierte etwa Marco Kistner (CSU), Bürgermeister von Veitsbronn. In dessen Gemeindegebiet liegt der Bahnhof Siegelsdorf, der als Umsteigepunkt Bedeutung bis in die benachbarten Landkreise besitzt.

Mehr Platz im Express

Mit Josef Zellmeier, Staatssekretär im bayerischen Verkehrsministerium, war zwar ein einflussreicher Gast nach Langenzenn gekommen, kurzfristige Verbesserungen konnte aber auch er nicht zusagen. Zellmeier verwies stattdessen auf die beschlossene Eröffnung der S-Bahn-Strecke Nürnberg-Markt Bibart im Dezember 2021 und die gleichzeitige Erhöhung der Sitzplatzkapazitäten in den Regionalexpressen zwischen Nürnberg und Würzburg.

Noch aber hält sich die Vorfreude in Grenzen. "Ich habe das Gefühl, dass man uns mit einer S-Bahn light ruhig stellen will", mutmaßt Neustadts Bürgermeister Klaus Meier (SPD). Feste Takte, barrierefreie Haltepunkte auf der gesamten Strecke, Überholgleise – ob die S6 dies in absehbarer Zeit bietet, wird sich zeigen. Als eine "verpasste Chance", die Infrastruktur entscheidend zu verbessern, bezeichnete Meier den zweigleisigen, 2016 fertiggestellten Neubau der Aurachtalbrücke bei Emskirchen: "Hier hätte man gleich drei Gleise legen müssen."

Trotzdem macht sich unter einigen Bürgermeistern Optimismus breit, weil der SPNV nun endlich eine höhere Wertschätzung erfahre. "Wir werden hier noch die tollsten Entwicklungen erleben", glaubt Emskirchens Bürgermeister Harald Kempe (ÖDP). 

Armin Leberzammer

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