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Montag, 19.11.2018

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Alte Handwerkskunst auf der Cadolzburg

Besucher konnten bei Vorführungen sehen, wie früher gearbeitet wurde - 05.09.2018 09:30 Uhr

Vorführung an der Cadolzburg: Der Kalligraph zeichnet hier einen Stammbaum. © Juliane Pröll


Beim Schmied fliegen die Funken: Er führt seine Kunst am Beispiel von Haken, Nägeln und Ornamenten vor. Dabei arbeitet der Handwerker mit einer Hitze von über tausend Grad. Als Schutz vor Funken dienen ihm seine Lederschürze sowie die -stulpen am Handgelenk. Das Feuer wird mit einem riesigen Blasebalg von Hand angeheizt. Die Besucher erfahren hier: Im Mittelalter gab es für verschiedene Produkte jeweils einen Schmied. Einige davon wie der Gold- oder Hufschmied haben sich bis heute erhalten.

An einem anderen Stand wird gefühlt: Dort stecken verschiedene Arten von Naturfasern in offenen Beuteln: Alpaka- oder Schafwolle, Flachs und Seide. Baumwolle, Leinen und Nessel zählten damals ebenso zu den Materialien, aus denen Kleidung hergestellt wurde. Auch die Kokons der Seidenraupe dürfen befühlt werden. Ein Kokon ergibt bis zu 1200 Meter dünnen Faden.

Die Besucher lernen auch, dass im Mittelalter mit der Handspindel gesponnen wurde – einer sehr übungsintensiven Technik. Die Farbe kommt dann am Stand des Färbers in die Kleidung. Mit getrockneten, fein zeriebenen Schildläusen färbt der Handwerker in einem großen Metallbottich den Stoff intensiv rot. Je nach Material kommt die Farbe anders heraus: Am Stand liegt zur Ansicht ein dunkelrosa Seidengarnknäuel aus, das ebenfalls mit den Läusen gefärbt wurde.

Seine vor Ort gefertigten Fackeln verkauft der Fackelmacher unterdessen für drei Euro das Stück. Am gleichen Stand können die Kinder selbst Kerzen ziehen und auch beim Seiler gibt es für die Jüngeren einiges zu tun: Sie dürfen beim Seilverdrillen mitmachen. Zwischen den beiden Holzbauten mit den Metallhaken werden Fäden gespannt und anschließend gedreht. Das Kerzenziehen sowie das Verdrillen ist kostenlos und darf natürlich auch von Erwachsenen ausprobiert werden. Den Erlös aus Verkauf der Waren verwendet der Verein unter anderem zur Erneuerung der Mittelalter-Zelte.

In Schulen und Kindergärten

Zudem führen die Handwerksleute in Schulen und Kindergärten ihr Handwerk unentgeltlich vor. Zur Zusammenarbeit mit dem Burgmuseum Cadolzburg kam es durch die Museumspädagogin der Cadolzburg Uta Piereth. „Mit ihr habe ich für für ein Projekt bereits zusammengearbeitet“, erklärt Vereinsvorstand Robert List, der am Wochenende das Seiler-Handwerk vorführt. „Das Thema war Handwerk im Mittelalter. Sie hat uns dann für die Handwerksveranstaltung hier angesprochen.“

Ziel des Vereins ist es, das Handwerk zu erhalten und das Wissen weiterzugeben. Der Verein ist dieses Jahr unter anderem auf dem Herbstmarkt in Ammerndorf und bei den „Herbstimpressionen“ in Siegelsdorf vor Ort.

  

Juliane Pröll

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