Dienstag, 26.03.2019

|

Ansichten, Aussichten und Einsichten

Das Museum Frauenkultur Regional-International ist tief in seinen Fundus gestiegen - 31.05.2012 10:00 Uhr

Frauen-Schau mit Durchblick: Veronika A. Teubers Kunstwerk "Eingeschlossene Bücher". © Thomas Scherer


Es ist eine echte Gemeinschaftsarbeit: Ausstellungsstücke und Publikationen aus dem Fundus wurden wiederentdeckt, in neue Zusammenhänge mit anderen Objekten gebracht und mit aktuellen Informationen verknüpft. Bayerns einziges Frauenmuseum, so Vorstandsmitglied Bertrun Jeitner-Hartmann, sei zugleich ein Ort für politische Bildung, weil es den Rahmen für Diskussionen zu sozialpolitischen und interkulturellen Frauenthemen biete.

Solche Diskussionen fordern einige Themenbereiche und Objekte geradezu heraus, während andere das Wissen um die Hintergründe voraussetzen. So wird „starken Frauen eine Stimme“ gegeben, „Nützliches aus dem Frauenalltag“, „Ansichten, Aussichten und Einsichten“ ermöglicht.

Mit ihren „Guckkästen“ zum Beispiel bietet die in Berlin lebende Künstlerin Mara Loytved-Hardegg illusionär-interkulturelle Wahrnehmungen. Wer in einen der Kästen schaut, sieht sich selber verschleiert. In einem anderen schaut der Betrachter durch ein Fenster in ein „Haus für gefallene Mädchen“, wie die „höhere Mädchenschule“ in der Nazizeit genannt wurde.

Dass es Frauen zuweilen gern hübsch haben, verdeutlichen auch bestickte Tücher, wie es sie wohl in Millionen Küchen in der sogenannten Handtuchecke gab. Per Nadel und Faden geduldig mit Sprüchen und Blumenmustern versehen, machten sie oft den ganzen Hausfrauenstolz aus. In der Türkei gefertigte, reichlich mit Schmuckborten verzierte Tücher transportierten je nach Farbe und Borte sogar Botschaften ohne Worte. Ein Regal zeigt einfachste Haushaltsgeräte aus Indien. All die praktischen Plastikgefäße, Besen, Kaffeekannen haben die Frauen des Vereins Stück für Stück in ihren Koffern von Reisen mitgebracht.

Wie weit Überzeugungen und Religion in den Alltag hinein wirken, wird mit Hilfe der in Franken so beliebten „Küchle“ anschaulich aufgezeigt: Je nach Konfession fallen die in Fett gebackenen Teilchen dicker oder schlanker aus. Bei gleichen Grundzutaten wird der Teig evangelischer „Knieküchle“ hauchdünn überm Knie auseinandergezogen. „Damit man einen Liebesbrief darunter lesen kann“, heißt es in der Erläuterung. Der etwas üppigere, schwerere „katholische“ Teig hingegen wird in der Hand geformt und bleibt auch nach dem Ausbacken rund. Es gibt allerdings auch Gegenden, in denen sich die Küchle nur danach unterscheiden, ob die Erhebung mit Puderzucker bestäubt ist (evangelisch) oder die Vertiefung (katholisch).

Ein gelungener Katalog zur Ausstellung enthält nicht nur Rezepte für das Feiertagsgebäck, sondern unter anderem auch Geschichten, Gedanken und Gespräche darüber, wie Frauen „Eine Welt“ leben, einander unterstützen und sichtbar machen können, was nicht mit wenigen Worten auszudrücken ist.

„sehen & gesehen werden“: Museum Frauenkultur Regional-International (Marstall des Burgfarrnbacher Schlosses, Schlosshof 23). Donnerstags und freitags 14–18 Uhr, an Wochenenden 11–17 Uhr. Führungen sonntags 15 Uhr (3 Euro), Gruppenführungen nach Anfrage unter Tel. 5980769. Bis 30. September.

  

ask

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Fürth