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Auf der Cadolzburg lebt altes Handwerk auf

Zuschauen und mitmachen: Der Kulturverein Deberndorf zieht Kerzen und macht Seifen - 25.08.2017 10:23 Uhr

Wer fleißig eintaucht, bekommt die dickste Kerze: Besonders Kinder sind mit Feuereifer dabei, wenn es darum geht, altes Handwerk auszuprobieren. © Foto: Claudia Wunder


Schalen mit Blüten, Quarz, rotem Ton und Fetten stehen vor Brigitte List und Andrea Öttel auf dem Tischchen. Die beiden Frauen sind in historische Kleider gewandet, sie sieden Seifen unter einem Zelt. Etwas stört jedoch das Bild: Auf dem Tisch sind ein Kanister mit Natronlauge, zwei Töpfe und ein Schneebesen zu sehen. "Die hat man früher aber nicht gehabt", wendet eine Zuschauerin mit einem Augenzwinkern ein. "Allerdings", gibt ihr List Recht, "und auch die Induktionsherdplatte im Kochzelt gab´s im Mittelalter nicht", ergänzt sie lachend.

Doch der Anspruch der Mitglieder des Kulturvereins Deberndorf ist es keineswegs, ein klassischer Mittelalterverein zu sein, der alles wie in der damaligen Zeit macht. "Wir sind nicht auf ein Jahrhundert festgelegt, wir wollen alte Handwerkstechniken wachhalten, aber auch zeigen, wie sie in die heutige Zeit integriert werden können", sagt Vorstand und Gründungsmitglied Robert List. Warum also kompliziert mit Herdfeuer oder Laugen hantieren, wenn es mit modernen Mitteln einfacher gemacht werden kann?

Schritt für Schritt zeigen List und Öttel, wie Seifenstücke entstehen — und haben auch zahlreiche Tipps parat: "Für schmutzige Männerhände mische ich Quarzsand unter, damit ich eine Schrubbseife bekomme, zum Peelen eignen sich Kokos- und Haferflocken, und um zum Beispiel lästigen Zwiebel- oder Knoblauchgeruch von den Fingern zu kriegen, hilft Kaffeepulver ideal." Die Zutaten und Fette seien alle im Handel erhältlich, betont List, daher sei es sehr gut möglich, hochwertige Seifen zu Hause herzustellen. "Das sind auch sehr schöne Geschenke", findet eine Zuschauerin aus Oberbayern, "ich kann mir gut vorstellen, das mal auszuprobieren."

Beim "Handgemacht"-Markt des rund 70 Mitglieder starken Vereins dürfen die Besucher den Machern bei verschiedensten Tätigkeiten über die Schulter schauen, etwa beim Stricke drehen. Die Seile können mit einer bestimmten Technik zu einer sogenannten "Affenfaust" geknotet und als Hundespielzeug, zum Ballspielen oder Jonglieren verwendet werden.

Faszinierend für die Kinder ist vor allem das Kerzenziehen. Der kleine Finn taucht immer wieder mit großen Augen und wachem Blick seinen Kerzenstrang in das warme Wachs und sieht begeistert, wie die Kerze immer dicker wird. "Wir machen das für die Mädchen und Jungen kostenlos, denn sie sollen vor allem sehen, wie so ein altes Handwerk funktioniert, damit es nicht in Vergessenheit gerät", sagt List. Auch beim Korbflechten handhabt er es so. Der 55-Jährige hat das Korbflechten von seiner Mutter gelernt und spricht der Tätigkeit meditative und therapeutische Wirkung zu. Konzentriert bei einer Sache bleiben, am Ende mit einem Ergebnis in der Hand abschließen — ein tolles Erfolgserlebnis sei das, das motiviere und Selbstvertrauen gebe, sagt der 55-Jährige.

Rund acht Märkte veranstalten die "Dillnberch Schlorcher" im Jahr, dazu kommen der Weihnachtsmarkt in Deberndorf und zahlreiche Besuche in Kindergärten. "Wir machen nichts anderes", sagt der gelernte Kunst- und Bauschlosser List, auf sein Engagement angesprochen lachend, "unser Urlaub ist das hier." ZDer nächste "Handgemacht"-Markt der "Dillnberch Schlorcher" findet am 26. und 27. August wieder im Vorhof der Cadolzburg während der Museumsöffnungszeiten statt. Der Eintritt ist frei. 

CLAUDIA WUNDER

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