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Auf gute Nachbarschaft!

Nürnberger Erzähltisch mit Fürths Oberbürgermeister Thomas Jung - 27.02.2013 16:00 Uhr

Fürths OB Thomas Jung (re.) hat keine Berührungsängste mit der Nachbarstadt, schon gar nicht mit seinem Nürnberger Amtskollegen Ulrich Maly. © Winckler


Gleich zum Einstieg bedankt sich der Politiker mit einem Seufzer: Zum Glück fängt der Abend nicht mit dem Thema Fußball an. Thomas Jung trägt stilecht eine grüne Krawatte und über seinem Kopf prangt ein Kleeblatt. Und es gibt herzlichen Applaus in der gut besuchten AWOthek. „Für einen Fürther in Nürnberg sicher nicht selbstverständlich“, sagt Jung. Der 51-Jährige trat bereits in jungen Jahren der SPD bei. Mit 23 wurde er Stadtrat, mit 33 Landtagsabgeordneter. Bei der letzten OB-Wahl heimste Jung 80 Prozent der Stimmen ein.

Seine Heimatstadt habe sich in den letzten Jahrzehnten richtig gut entwickelt. Zum Beweis bemüht Jung die Geschichte. Im 19. Jahrhundert hatte Fürth die höchste Säuglingssterblichkeit und das niedrigste Durchschnittsalter. „Es gab in Fürth nie eine Stadtmauer, nie ein Ghetto, nie einen Herrschaftssitz.“ Dafür befanden sich die Toiletten von 15 Prozent aller Innenstadtwohnungen noch bis vor zehn Jahren im Außenbereich.

Einst sei man führend in der Produktion von Spiegeln gewesen. „Dafür hat ein Drittel der Fürther Bevölkerung gezittert. Schuld hieran war das giftige Quecksilber“, erklärt der Oberbürgermeister. Der Adler fuhr bekanntlich zwischen Plärrer und Fürther Freiheit. Die Städte rückten nicht nur dadurch immer enger zusammen. Was zu einem fast vergessenen Eklat führte. In der Weimarer Zeit forcierten die Fürther SPD und KPD die Vereinigung von Nürnberg und Fürth. Was in der Kleeblattstadt zu einem Aufstand unter dem Motto „Pro Fürth“ führte. „Bei der nächsten Stadtratswahl verloren Sozialdemokraten und Kommunisten Zweidrittel ihrer Sitze. Seither hat so etwas niemand mehr versucht“, lächelt Jung.

Obwohl das Verhältnis der Städte heute so gut wie nie zuvor sei. „Das ist nicht zuletzt ein Verdienst von Ulrich Maly. Die Metropolregion ist für Fürth ein Glücksfall.“ Wenn heute eine Firma in die Nachbarstadt abwandere, seien die Fürther froh, dass die Arbeitsplätze in der Region bleiben. Den Verlust von Schickedanz und Grundig habe man noch nicht überwunden. Doch es werde weiterhin viel produziert. Als Beispiele nennt Jung Uvex, Tucher und Simba-Dickie.

Der Streit um die Sperrstunde in der Gustavstraße sei ärgerlich und unnötig. Hier gibt es rund 400 Anwohner. Nur fünf Parteien würden sich über die Lautstärke beschweren. „Der Hauptkläger ist erst kürzlich von Heroldsberg hergezogen“, wundert sich der SPD-Mann. Dann will Langenberger wissen, welcher der bitterste Moment und welcher der größte Erfolg während Jungs Amtszeit waren. „Bitter war das Quelle-Aus“, sagt der Politiker, „die Feier nach dem Bundesliga Aufstieg mit 35000 Leuten war der emotionalste Moment.“ Daran könne auch der prekäre Status quo des Fürther Fußballs nichts ändern.

  

THOMAS SUSEMIHL

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