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Aus Preußens Glanzzeiten

Das Essener Cicerone Ensemble in Cadolzburg - 10.04.2018 13:00 Uhr

Thomas Wormitt, Andreas Gilger und Adrian Cygan (v.li.) sind mit Werken des Barock auf du und du. © Foto: Axel Nickolaus


Ziel der drei Cicerones ist es, Musik nicht nur zu spielen, sondern sie wie ein Fremdenführer ("Cicero") auch zu erklären. Der moderierende Cembalist Andreas Gilger informierte detailliert über die sieben Barockkomponisten des Abends und ihre Beziehung zum Sporcher Namensgeber der gastgebenden Pisendel-Gesellschaft.

Standesgemäßer Einstieg war eine Sonate für Flöte (Thomas Wormitt) und Basso continuo (Adrian Cygan am Baroickcello) aus der Feder des Preußenkönigs. Ganz untypisch beginnt das Werk mit einer opernartigen Szene "Recitativo/Arioso", und bereits hier erwiesen sich die drei Essener als Ensemble auf hohem Niveau, homogen und ausdrucksstark. Bravourös schlug sich Wormitt anschließend in Sonaten von Händel und Telemann. In Händels Sonate G-Dur op. 1 Nr. 5 beeindruckten die Interpreten mit schön ausmusizierten Spannungsbögen im Adagio, virtuosem Spiel im Allegro und einer wilden Bourée. Georg Philip Telemann eröffnet seine h-Moll-Sonate aus der "Tafelmusik" mit einer profunden Einleitung von Cello und Cembalo, ehe die solistisch dominierende Flöte mit feinen dynamischen Nuancen im Allegro brilliert.

Danach setzten sich auch die beiden Continuospieler solistisch in Szene. Adrian Cygan demonstrierte auf dem mit Darmseiten bespannten Barockcello den weichen Klang des vor allem in den hohen Lagen "singenden" Instruments; tänzerisch galant nahm er das Allegretto der D-Dur-Sonate Carl Heinrich Grauns.

Viel Temperament

Kein Werk von der Stange hatte Cembalist Andreas Gilger ausgewählt, die Fantasie e-Moll von Wilhelm Friedemann Bach. Stilistisch treffen hier virtuose auf melodisch verinnerlichte Passagen, von Gilger souverän und mit überschäumendem Temperament serviert. Von Johann Philipp Kirnberger, schon ein Zeitgenosse Joseph Haydns, erklang die Sonate G-Dur für Flöte und Basso continuo, die bereits über die barocke Formensprache hinausweist.

Als effektvollen Abschluss hatten die Musiker die h-Moll-Sonate von Johann Joachim Quantz ausgewählt, Flötenlehrer Friedrichs des Großen, womit sich der dramaturgische Bogen schloss. Viel Applaus im stimmungsvollen Ambiente des Erkersaales der Cadolzburg. 

GÜNTER GREB

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