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Aus unergründlichen Tiefen

Gemälde der Nürnberger Akademie-Absolventin Anne Kammermeier im Art-Kunstschaufenster - 03.08.2012 10:00 Uhr

„Ich produziere Zufälle und male daran weiter“, sagt Anne Kammermeier.

„Ich produziere Zufälle und male daran weiter“, sagt Anne Kammermeier. © Horst Linke


Kinder schauen den Betrachter an, sie kommen aus unbekannten, undefinierbaren Zeiten und Räumen — wie Hauptdarsteller eines Traumes, der unruhigen Schlaf beschert. „Was andere für garstig halten, ist für mich berührend“, sagt Anne Kammermeier, angesprochen auf die rätselhaft ernsten, geheimnisvollen Gesichter.

„Der Mann hinter dem Jungen“ heißt eine Arbeit der 28-Jährigen aus Regensburg; Farben verlaufen, ihre Bahnen nehmen gestalterische Kraft an, doch ob dem unübersehbar grobschlächtigen Kerl hinter dem wunderbar fein gezeichneten Knaben zu trauen ist, darf man bezweifeln. Ein Konzept steckt nicht dahinter, behauptet die Künstlerin, auch kein Konzept des Erschreckens. „Ich produziere Zufälle und male daran weiter. Mit der Frage, warum ich dies und das nun so oder so gemalt habe, kann ich wenig anfangen.“

Fotos sind Anne Kammermeiers bevorzugte Inspirationsquelle. Auch die Reihe der Kinderbilder, die hier, in ihrer ersten Fürther Einzelausstellung, zu sehen sind, basieren auf Fotografien. Gesichter, sagt sie, sind ihre Spezialität — doch nicht Gesichter allein, sondern die Fülle der Emotionen, die von ihnen ablesbar sind.

Zwischen 2005 und 2011 studierte Kammermeier an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg, zunächst bei Hans Peter Reuter, dann, nach einem Intermezzo in Berlin, in der Klasse von Jochen Flinzer. Mit ihrem Lebensgefährten und Kollegen Francesco Ferrante bespielt sie in Gostenhof seit 2011 die Atelier-Galerie dellaLuce. Bereits vor wenigen Wochen im „SupermART“ auf dem ehemaligen Quelle-Areal zu sehen, jetzt auch im City-Center ist die Kleinformat-Reihe der „Eisesser“ — ein absurder Kontrast zur komplexen Düsternis der Kinder-Bilder. Kammermeier bezog in Sichtweite ihrer Lieblings-Eisdiele — kleiner Tipp: am Hauptmarkt — Stellung und malte kleine, große, junge und alte Passanten, die sich im Gehen mit ihren Eistüten abmühen. Gut beobachtet, nett anzuschauen, überwiegend freundliche Kunst auf gutem handwerklichen Niveau. „In der Akademie“, sagt Kammermeier ohne rückblickende Wehmut, „habe ich meinen Stil oft geändert. Jetzt würde ich aber sagen: Das bin ich.“

„Bewusst unbewusst“: Art-Kunstschaufenster im City-Center, donnerstags bis samstags ab 14 Uhr. Verlängert bis 14. August.

  

MATTHIAS BOLL

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