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Aussicht auf Weltkulturerbe weckt Energien

Die gemeinsame Initiative von Fürth und Halberstadt für den UNESCO-Titel wird mit Leben erfüllt - 26.09.2012 11:00 Uhr

Die Klaussynagoge in Halberstadt: Im ehemaligen Rabbinerseminar ist mit Hilfe einer Stiftung eine Begegnungsstätte zur jüdischen Kultur und Geschichte geworden. © privat


Dieser Tage erst waren Mitglieder der Arbeitsgruppe Weltkulturerbe Fürth in der Partnerstadt, um Gemeinsamkeiten auszuloten. Und bei den Stadt(ver)führungen am vergangenen Wochenende fand ein Rundgang zu jüdischen Stiftungen reges Interesse. Wie berichtet, bewerben sich Fürth und Halberstadt mit ihrem ausgeprägten jüdischen Stiftungswesen für die Aufnahme ins Weltkulturerbe. Es wird als „Beitrag zur Entwicklung des modernen Sozialstaates und dessen Ablesbarkeit im städtischen Raum“ angesehen.

Ein erster Vorstoß der Fürther Weltkulturerbe-Initiative 2009 mit der als historisches Ensemble kompakt erhaltenen westlichen Innenstadt war nicht von Erfolg gekrönt. Nun wollen es Fürth und Halberstadt mit vereinten Kräften schaffen. Im April wurden die Möglichkeiten in einer Expertenrunde unter Leitung des Cottbuser Umweltplaners und Weltkulturerbe-Spezialisten Professor Michael Schmidt in der Fürther Stadthalle ausgelotet. Dass die Fürther Initiative um Lothar Berthold und Ernst-Ludwig Vogel nicht dazu eingeladen wurde, hat zu deren Verstimmung beigetragen. Gleichwohl wird der neue Vorstoß nach Kräften unterstützt.

Mit Vertretern des Stadtentwicklungsamtes von Halberstadt und der Direktorin der dortigen Moses-Mendelssohn-Akademie, Utta Dick, traf sich dieser Tage Ludwig Vogel. Die 1995 gegründete Akademie basiert auf einer Stiftung und arbeitet eng mit dem Moses Mendelssohn Zentrum in Potsdam zusammen. Als internationale Begegnungsstätte im ehemaligen Rabbinerseminar, der Klaussynagoge, vermittelt sie einer breiten Öffentlichkeit Kenntnisse über Grundlagen des Judentums und jüdische Geschichte und Kultur.

Unabhängig von den offiziellen Kontaktbemühungen beider Stadtverwaltungen wurden dabei Möglichkeiten künftiger Kooperationen erörtert. Nach dem Motto: „Getrennt marschieren, aber vereint schlagen“, soll jede Stadt ihre eigenen Schwerpunkte einbringen. In Halberstadt sind dies neben der Akademie das nach dem preußischem Hofjuden Berend Lehmann benannte Museum, ehemalige jüdische Schulen, drei jüdische Friedhöfe und Ritualbäder. Fürth wiederum glänzt mit dem Berolzheimerianum, Nathanstift, der Krautheimer-Krippe, dem ehemaligem jüdischen Krankenhaus und Waisenhaus und dem früheren Kaufhaus Tietz.

Über die repräsentativen Objekte jüdischer Kultur und Geschichte hinaus geht es beiden Städten um architekturhistorische Fragen und städtebauliche Zusammenhänge. Anders als Fürth ist das historische Halberstadt im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört worden. Die Vernachlässigung der Bausubstanz in der DDR-Zeit hat den Schaden noch erhöht. Die Revitalisierung von Baudenkmälern gehört zu den großen Herausforderungen.

Der Austausch von Informationsmaterial und Kontakte auf Bürgerebene sollen nach den Vorstellungen der Fürther Weltkulturerbe-Initiative den Vorstoß unterstützen. Am 30. September wird in Halberstadt eine Ausstellung zum 300-jährigen Jubiläum der Synagoge eröffnet. Dabei wird auch das Modell der 1611 errichteten Fürther Altschul-Synagoge gezeigt.

Nachdem die Stadträte von Fürth und Halberstadt grünes Licht signalisiert haben, überwies das Bundesland Sachsen-Anhalt im August die gemeinsame Bewerbung für einen Aufnahme in die Weltkulturerbeliste an die Kultusministerkonferenz.

Da sich auch weitere deutsche Städte mit großer jüdischer Geschichte, beispielsweise Worms, beworben haben, lässt die Kultusministerkonferenz nun von internationalen Sachverständigen prüfen, welche Bewerbung größte Aussicht auf Erfolg hat. Dieses Verfahren kann sich nach Einschätzung der Stadt Fürth länger als ein Jahr hinziehen. Entmutigen lasse man sich gleichwohl nicht. Die ersten Schritte seien getan. 

Volker Dittmar

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