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Bebauung am Reichsbodenfeld erzürnt Anwohner

Fürths Baureferent Joachim Krauße stand bei der Diskussion über das geplante Baugebiet im Kreuzfeuer der Kritik - 15.07.2011 11:00 Uhr

Hier am Reichsbodenfeld soll ein Wohngebiet entstehen, doch die Baupläne sorgen immer wieder für Kritik.

Hier am Reichsbodenfeld soll ein Wohngebiet entstehen, doch die Baupläne sorgen immer wieder für Kritik. © privat


Die stören sich vornehmlich an der Zahl der geplanten Wohneinheiten, 350 nach derzeitigem Stand. Diese Summe hatte offenbar auch im örtlichen SPD-Distrikt für Kritik gesorgt, bedeutet dies doch nahezu eine Verdoppelung im Vergleich zu früheren Konzepten.

„Darf’s ein bisschen mehr sein? 350 statt 180 Wohneinheiten!“ fragte dann auch der Veranstaltungstitel. Noch bevor Baureferent Krauße mit seinem Eingangsreferat beginnen konnte, wurden die anwesenden SPD-Stadträte aus dem etwa 80 Gäste zählenden Publikum aufgefordert, Farbe zu bekennen.

Die Antworten von Silke Rick und Günter Witzsch („Die örtlichen SPD-Stadträte haben sich immer gegen den Bebauungsplan in alter und neuer Form ausgesprochen.“) ließen an Deutlichkeit dann auch nichts zu wünschen übrig. Während sich Rick im weiteren Verlauf auf die Rolle der Moderatorin beschränkte, las Witzsch seinem Parteifreund, Oberbürgermeister Thomas Jung, die Leviten: Noch im Jahr 2004 habe der den Bürgern im Gespräch die Zusicherung erteilt, dass es am Reichsbodenfeld zu keiner Mehrgeschossbebauung kommt.

Wenn jetzt aus den 180 Wohneinheiten 350 würden, so sei dies „unvereinbar mit dem Statement, das der OB abgegeben hat“ – ein, so Witzsch, „unfairer Umgang mit den Bürgern dieser Vororte“. Er warnte, der Bruch von Zusagen führe dazu, dass die Leute sich nicht mehr auf das Wort der Stadt verlassen können.

Ein Fremdkörper

Baureferent Krauße verteidigte dagegen die Pläne für das Reichsbodenfeld: Die Bebauungsdichte sei immer noch vergleichsweise gering. Lediglich im nördlichen Teil entlang der Breslauer Straße würden mehrgeschossige Mehrfamilienhäuser als Schallschutz entstehen, um vor Verkehrslärm zu schützen.

Doch damit wollen sich die Bewohner der benachbarten früheren amerikanischen Offizierssiedlung in Dambach nicht anfreunden. Sie wiesen darauf hin, dass es ihnen wegen des Ensembleschutzes verboten ist, ihre Grundstücke in kleinere Parzellen als 1250 Quadratmeter aufzuteilen. Diese Vorschrift werde völlig konterkariert, lasse man nebenan ohne Übergang viel kleinere Grundstücke zu.

Das geplante Baugebiet werde sich wie ein Fremdkörper zwischen Dambach und Unterfürberg ausnehmen, argumentierte ein Bewohner der Offizierssiedlung – aus seiner Sicht ein städteplanerisch fragwürdiges Vorgehen: „Der Bestand wird geschädigt – dabei ist der doch deutlich größer als das Neubaugebiet.“

Krauße hielt entgegen, das Baugebiet müsse so geplant werden, dass es realisierbar sei: „Größere Grundstücke sind heute nicht mehr vermarktbar.“ Mit Unverständnis reagierte der Baureferent auf die Forderung des Bundes Naturschutz, zunächst einmal Innenflächen zu entwickeln statt landschaftlich geprägte Areale wie das Reichsbodenfeld: „In 18 Jahren bei der Stadt habe ich mich fast ausschließlich mit Innenbereichsverdichtung befasst“, so Krauße.

Im Übrigen könne er gerade aus ökologischer Sicht die Kritik nicht nachvollziehen: „Wenn in den Umlandgemeinden, wo es keinen ÖPNV gibt, neue Wohngebiete aus dem Boden gestampft werden, stört das keinen Menschen. Das finden alle noch toll!“

Sozialer Brennpunkt befürchtet

Die überwiegend sachlich geführte Diskussion drohte an dem Punkt zu entgleiten, als mehrere Wortmeldungen die Sozialverträglichkeit der Planungen bezweifelten sowie die Entstehung eines sozialen Brennpunktes in der Westvorstadt vorhersagten – und auch noch die Kannenbergstraße auf der anderen Seite des Europakanals als Negativbeispiel anführten. „Gehen Sie doch in die Kannenbergstraße und erzählen Sie den Leuten das mit der fehlenden sozialen Wertigkeit“, blaffte Krauße entnervt.

In einem anderen Kritikpunkt zeichnet sich dagegen ein Kompromiss ab: Weil der Süden des Baugebiets über den Brünnleinsweg erschlossen werden soll, fürchten die Dambacher verstärkten Durchgangsverkehr in nord-südlicher Richtung durch ihre Wohngebiete. Krauße sagte zu, nach Möglichkeiten zu suchen, dass möglichst viele der neuen Bauplätze nur über eine in die Breslauer Straße einmündende Ringstraße für den Kraftverkehr zugänglich sind. Hier wurde jedoch ein gewisser Interessenskonflikt zwischen Dambachern und Unterfürbergern deutlich: Was die Offizierssiedlung entlastet, bringt der Breslauer Straße eine Zunahme an Verkehr.

Der SPD-Distrikt will außerdem eine weitere Forderung aus der Versammlung aufgreifen: Der Baumbestand entlang der bisherigen Dambacher Bebauungsgrenze soll möglichst erhalten bleiben. Weiterhin ist eine Unterschriften-Aktion geplant. Der Verein „Rettet Fürberg“ rief alle Betroffenen dazu auf, ihre Einwendungen bis zum Ende der Anhörungsfrist am 21. Juli im Rathaus anzumelden. 

Johannes Goecke

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