Mittwoch, 17.10.2018

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Beflügelt vom Ausflug nach Chicago

Die Tears and Drops Blues Band präsentierte sich mitreißend in der Kofferfabrik - 27.12.2016 18:45 Uhr

Von wegen kein Thrill: Die „Tears And Drops Blues Band“ um Gitarrist und Sänger Michael Kusche spielte hochenergetisch auf. © Foto: Frank Kreuzer


Wie bitte, der „Thrill is gone“, die Luft ist raus? So ein Quatsch, der Thrill ist da, ist mitten unter uns, und er beherrscht das Tears-and-Drops-Quintett mit Leidenschaft. Derart mitreißend, ja hemmungslos hat man diesen recht resignativen und verhaltenen Klassiker selten gehört. Auch wenn der Auftritt beim wohl bedeutendsten Bluesfestival der Welt schon ein halbes Jahr zurückliegt, ist die Spannung und Spielfreude der Band so frisch wie im Juni.

Zur atmosphärischen Unterstützung beamen die Musiker in der Fürther Kofferfabrik auch noch Fotos aus Chicago (inklusive Trump-Tower) und einen stummen Film vom Auftritt an die Wand. Die Musik dazu liefern Gitarrist und Sänger Michael Kusche und seine Mannen Tobias Schöpker (Sax), Big Helmer (E-Piano), Jonas Pickel (Bass) und Andi Weidner (Drums) schon selbst.

Gegen böse Umstände

Und das sind allesamt hochenergetische Nummern im Ensemblespiel mit langen Gitarren- und Saxophonsoli. Erst nach und nach setzt im Laufe des Abends Michael Kusche auch seine sonore Stimme ein. Dabei klagt er nicht oder jammert über sein Schicksal, sondern fordert sein Recht ein, bietet den bösen Umständen die Stirn, geht fast schon aggressiv an die Materie ran.

Song- und Säulenheiliger des Abends ist Otis Rush, dessen „All your Love“ und „Cross Cut Saw“ hingebungsvoll zelebriert werden. Sogar „I can’t quit you, Baby“, das schon Led Zeppelin und neuerdings die Rolling Stones verbraten hatten, wuchten die Tears and Drops auf ein ganz hohes Klangpodest.

Neben dem Chicago-Blues wagen die Nürnberger auch Ausflüge in den Zydeco oder in den Karibik-Blues. Aber funktioniert denn das, existenzielle Not bei Sonne, Strand und Palmenschatten? Allenfalls wenn die Kokosnuss einschlägt. Nein, jeder Blueser steht für sich alleine da. Und darum gibt es zum Abschluss „Lonely Man“ von Otis Rush. 

REINHARD KALB

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