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Benachteiligt der VGN die Landbewohner?

Tarifsystem: Kunden in der Stadt zahlen für gleiche Strecken weniger - 25.03.2018 10:00 Uhr

Wer vom Bahnhof Hardhof bei Langenzenn (im Bild) zum Nürnberger Hauptbahnhof fährt, zahlt mehr, als jemand, der von Burgfarrnbach nach Langwasser unterwegs ist. Dabei sind beide Strecken 26 Kilometer lang. Foto: Anja Hinterberger


Die Strecke vom Burgfarrnbacher Tulpenweg bis nach Langwasser Süd misst 26 Kilometer; rund 50 Minuten dauert die Fahrt. Etwas schneller, nämlich 34 Minuten, ist man vom Bahnhof Hardhof nahe Langenzenn bis zum Nürnberger Hauptbahnhof unterwegs. Auch zwischen diesen beiden Haltepunkten liegen 26 Kilometer. Doch wer glaubt, der Preis, den Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs zahlen müssen, sei in beiden Fällen gleich, der irrt: Weit liegen die Kosten für das Ticket auseinander. Je nachdem, welche Fahrkarte man löst, zahlt man bis zu 94 Prozent mehr. Der Einzelfahrschein beispielsweise, den man in Burgfarrnbach löst, kostet 3,10 Euro, wer in Hardhof am Automaten steht, muss dafür 6 Euro einwerfen, also fast das Doppelte.

Das Tagesticket solo, das man in Fürth kauft, schlägt mit 8,10 Euro zu Buche, für den Landkreis ist es gar nicht erhältlich. Und auch bei der Mobicard mit Ausschlusszeit, die ab 9 Uhr gültig ist und deshalb auch die ältere Generation anspricht, gibt es Differenzen: 30 Prozent mehr zahlen die Landkreisbewohner hier.

Klinner, der eine weitere Strecke auf Preisdiskrepanzen untersucht hat und dem dabei sogar eine Differenz von 133 Prozent aufgefallen ist, sieht darin eine große Ungerechtigkeit. "Mit der allgemeinen politischen Zielsetzung, gleichartige Lebensbedingungen für Bewohner von Stadt und Land zu schaffen, ist das nicht vereinbar."

Ungerechtigkeiten auch im Stadttarif

Weniger dramatisch sieht das der VGN. "Wir haben im Verbundraum einen Tarif mit vielen Zonen", erklärt Klaus Dechamps, Leiter der VGN-Abteilung für Märkte und Absatz. Wer eine längere Strecke zurücklegt, also mehr Zonen durchfährt, müsse dafür mehr zahlen. Er räumt aber ein, dass Menschen, die in der Stadt leben, oft von Einheitstarifen profitieren, die große Gebiete abdecken.

Allerdings gebe es auch Ungerechtigkeiten im Stadttarif. Wer etwa nur drei Stationen in der U-Bahn sitzt, müsse 3,10 Euro für den Einzelfahrschein hinlegen — genauso viel also wie jemand, der zehn oder mehr Haltestellen kreuz und quer durch Nürnberg abfährt. Es könne also sein, dass man einmal günstiger davonkommt, ein anderes Mal dafür verhältnismäßig viel zahlt.

Hans Klinner würde diese Ungleichheiten gerne ausgemerzt sehen — durch die Einführung eines günstigen Seniorentickets, das auch die Zonenstruktur des Verbundraums vereinfacht. Sein Vorschlag: Die Monatskarte oder das Jahresabo für das gesamte Netz könnte 50 Euro pro Monat kosten; fünf Zonen, also die Hälfte des Tarifgebiets, sollten für 25 Euro im Monat erhältlich sein.

Auf der Wunschliste: eine Tageskarte für Ältere

Auch eine preiswerte Tageskarte für Ältere wünscht sich Klinner: Mit 6 Euro unter der Woche soll sie zu Buche schlagen, am Wochenende mit 10 Euro — jeweils für den gesamten Verbundraum; für die Hälfte der Zonen hält Klinner 4 Euro für angemessen.

Der VGN erteilt dem allerdings eine klare Absage. "Wir möchten nicht, dass nur einzelne Gruppen profitieren", erklärt Klaus Dechamps. Tue sich ein finanzieller Spielraum auf, der Vergünstigungen zulässt, sollten nach Ansicht des Unternehmens alle VGN-Nutzer in den Genuss billigerer Tickets kommen. Zumal der Verbund bereits die Mobicard ab 9 Uhr als durchaus gutes Angebot für Senioren betrachtet.

Hans Klinner reicht das nicht. Er orientiert sich bei seinen Vorstellungen an anderen europäischen Ländern wie Belgien, Polen oder Finnland, in denen der öffentliche Nahverkehr von Rentnern fast kostenfrei genutzt werden könne. Der 62-Jährige will deshalb nicht aufgeben – und für seine Ideen weitere Seniorenräte sowie Kommunalpolitiker gewinnen. 

Gwendolyn Kuhn

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