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BN spricht vom Todesstoß für das Knoblauchsland

Der Bundesvorsitzende Hubert Weiger sprach bei der Fürther Kreisgruppe Klartext - 01.05.2013 11:00 Uhr

. Naturschützer verurteilen das Projekt um ein neues Möbelhaus von Höffner zwischen Steinach und Herboldshof als überdimensioniert. © Hans-Joachim Winckler


„Der Todesstoß für das Knoblauchsland wurde gesetzt.“ Hubert Weiger ist ein Freund klarer Worte. Der Chef des BUND, wie der BN auf Bundesebene heißt, bezeichnete den Bau des Fachmarktzentrums inklusive neuem Autobahnanschluss im Fürther Norden bei Steinach als exemplarisch für einen schrankenlosen Landschaftsverbrauch, dessen Ende bislang nicht abzusehen sei: „Andererseits beklagt die Stadt Fürth Leerstände im Zentrum, tut aber nichts Entscheidendes zur Revitalisierung.“ Wer den Handel vor den Toren fördere („wo es dann alles gibt, und womöglich noch billiger als in der Innenstadt“), müsse sich nicht über die augenfälligen Probleme wundern. Weiger: „Hier entscheiden am Ende wenige Investoren über das Schicksal Fürths, weil die Kommune ihre Planungshoheit abgibt.“

Weiger beschäftigte sich bei der Kreisgruppe Fürth-Stadt, die mittlerweile auf 1560 Mitglieder angewachsen ist, mit weiteren Kernthemen der Zukunft: „Die Forderung heißt: weiterhin runter mit dem Energieverbrauch.“ Das Thema müsse positiv besetzt werden, machte der BN-Vorkämpfer klar; er spricht sich für ein klar definiertes, überprüfbares Energiesparkonzept in Fürth aus, das eine spürbare „Verringerung der Verbräuche“ mit sich bringt. Er lobte: „Wenn es um Solar-Energie geht, dann steht die Stadt gut da — hoffentlich geht es so weiter.“

Seine Ausführungen zum 100. Jubiläum der Naturschutzorganisation begann Weiger im Gründungsjahr („zu Königszeiten“). Er sprach auch kurz an, was neue Forschungen belegen: das weitgehend kritiklose Wirken in der Nazi-Zeit. Nach dem Krieg kam das Wirtschaftswunder und mit ihm neue Einschätzungen: „Die Atomkraft wurde nicht von Anfang an abgelehnt, sie galt einigen zunächst sogar als Rettung vor der Wasserkraft.“ Ab 1970 habe dann eine neue Wahrnehmung im Naturschutz eingesetzt, die Kritik an den Folgen des ungehemmten Wachstums mit sich brachte.

Zu den Erfolgen des BN gehöre es, dass ein besonderes Umweltbewusstsein in Deutschland geschaffen wurde. Auf die Plus-Seite seiner Jubiläumsbilanz setzte Weiger auch eine deutliche Verbesserung der Luftqualität und den Kampf gegen die Müllverbrennung: „Wir haben der Müllverbrennungsanlage hier mit konsequenter Mülltrennung und Recycling schlicht den Stoff, das Futter genommen.“ Sehr vieles von dem, was heute selbstverständlich sei, habe man in den vergangenen Jahren mühsam erkämpft: „Mit Bürgerbegehren wurde mancher Unsinn verhindert.“ Als Beispiel nannte Weiger etwa die von der Stadt Fürth verworfenen Abwasser-Leasing-Pläne.

„Wir haben viel erreicht – aber die Zerstörungen sind dennoch offensichtlich.“ Deshalb erscheine so manchem das Ringen des BN sinnlos. Eine Ansicht, der Deutschlands oberster Naturschützer nicht zustimmt: „Sie können getrost davon ausgehen, dass um jeden schönen Punkt irgendwo in Bayern irgendwann schon einmal gekämpft werden musste.“

Als Beleg für diese These führte er ins Feld, dass allein der Fürther BN in den 60er und 70er Jahren öffentlich gegen die damals geplanten, groß angelegte Hauptverkehrsstraßen quer durch die Fürther Talauen protestierte: „Diese einmalige Verbindung von Stadt und Landschaft, in der man sich heute wieder über den Biber freut, wäre fast geopfert worden.“ Dem damaligen BN-Vorstand mit dem Stadtgartendirektor Hans Schiller gebühre für diesen Widerstand noch heute höchste Anerkennung.

Die Zukunft im Blick, versicherte Weiger abschließend: „In den vergangenen Jahrzehnten sind wichtige Pflöcke eingeschlagen worden, die halten – solange sich Bürger engagieren.“ 

Sabine Rempe

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