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Bürgerbeteiligung befeuert Energiewende

Immer neue Angebote für private Investoren — Nach Photovoltaik rückt die Windkraft in den Fokus - 04.04.2013 09:00 Uhr

Windkraftwerke bei Wilhermsdorf. Nun sollen im Nordosten von Laubendorf weitere sechs Rotoren aufgestellt werden – noch ein wenig höher und leistungsstärker als die bereits stehenden.

Windkraftwerke bei Wilhermsdorf. Nun sollen im Nordosten von Laubendorf weitere sechs Rotoren aufgestellt werden – noch ein wenig höher und leistungsstärker als die bereits stehenden. © Heinz Wraneschitz


Mit dem weitgehend privat finanzierten Solarberg Atzenhof hat die aufstrebende „Solarstadt“ Fürth vor zehn Jahren bereits ein Ausrufezeichen gesetzt. Längst ist der Pioniergeist bei den Investoren in derartige Anlagen nüchternem Kalkül gewichen. Denn Zinsen in der Höhe, wie sie Bürgersolaranlagen abwerfen, sind am Geldmarkt rar geworden. Kein Wunder also, dass der infra vor kurzem die Bürgeranteile an einem fünf Millionen Euro teuren Solarkraftwerk bei Kirchfembach regelrecht aus der Hand gerissen wurden.

Inzwischen rücken neben der Photovoltaik auch noch andere Energieträger verstärkt in den Fokus von Bürgerbeteiligung. Im Herbst will sich die infra mit Hilfe von Bürgergeld an einem Windpark in der Oberpfalz beteiligen. „Wir ersetzten die Großbank ein Stück weit durch private Geldgeber“, erklärt infra-Geschäftsführer Hans Partheimüller.

Die Nase in den Wind hält man auch bei der Genossenschaft „VR Bürgersolar Fürth“, einem Zusammenschluss von Fachleuten der Deutschen Gesellschaft für Solarenergie und der Fürther Raiffeisen-Volksbank. Denn inzwischen hat sich die Genossenschaft in „VR Bürgerenergie Fürth“ umbenannt. Wie Genossenschaftsvorstand Matthias Hüttmann sagt, will man so deutlich machen, dass auch andere erneuerbaren Energien im Geschäftsmodell verankert werden.

Was diese Entwicklung begünstigt hat, ist die drastische Reduzierung der Vergütung von Solarstrom. Bei der bislang aus Subventionen finanzierten Miete von Dächern für Bürgersolaranlagen müssen so große Abstriche gemacht werden, dass große Unternehmen damit kaum noch als Dach-Vermieter gewonnen werden können. Fünf Bürgersolaranlagen mit einer Gesamt-Spitzenleistung von knapp 300 Kilowatt hat die Genossenschaft inzwischen in Betrieb. Die letzten entstanden im vergangenen Jahr auf den Dächern von Schule und Werkstatt der Lebenshilfe in Dambach. Diese beiden Projekte sind die ersten, bei denen die vergütungsfähige jährliche Strommenge ab 2014 auf 90 Prozent ihrer Leistung begrenzt wird. Der nicht vergütete Anteil kann entweder selbst verbraucht oder an der Strombörse verkauft werden. Im Eigenverbrauch von selbst erzeugtem Solarstrom sieht Hüttmann das größte Entwicklungspotenzial – vor allem bei Gewerbeanlagen. Nicht „Vermieten Sie ihre Dachfläche“, sondern „Mieten sie eine Solaranlage“ solle zur Losung der Zukunft werden.

Windkraft und Solarthermie werden künftig stärker ins Blickfeld der Fürther Bürgerenergie-Genossenschaft rücken. Theoretisch hält Hüttmann auch eine Beteiligung an einer Biogasanlage für möglich. Entwicklungspotenzial hat für ihn aber gerade die Windkraft-Nutzung im westlichen Landkreis. Aber erst wenn ein konkretes Projekt zur Beteiligung gefunden ist, können private Investoren als Genossenschaftsmitlieder einsteigen. Vorher werden sie auf einer Warteliste geführt. Bereits ab einem Kapitaleinsatz von 1000 Euro kann man sich beteiligen. Allerdings handelt es sich um keine kurzfristige Geldanlage.

Bei der infra werden Kirchen, Unternehmen und neuerdings auch Wohnungsbaugenossenschaften von einer eigenen Gesellschaft, der infra new energy GmbH, für Beteiligungen an großen Solaranlagen gewonnen. Nur das 20 Millionen Euro teure neue Bioenergiezentrum der infra bei Cadolzburg wurde, so Partheimüller, nie als Projekt der Bürgerbeteiligung im Betracht gezogen. 

Volker Dittmar

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