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Comödie Fürth präsentiert ein potentes Lustspiel

"Die Spanische Fliege" hat Premiere mit Volker Heißmann und Martin Rassau - 18.04.2017 15:55 Uhr

Ganz schön schräg: Volker Heißmann (links) und Martin Rassau, der auch für die Regie verantwortlich zeichnet, machen bei ihrer amüsanten Zeitreise eine gute Figur.

Ganz schön schräg: Volker Heißmann (links) und Martin Rassau, der auch für die Regie verantwortlich zeichnet, machen bei ihrer amüsanten Zeitreise eine gute Figur. © Foto: Comödie Fürth


Cantharis vesicatoria ist ein schicker Käfer in schillerndem Grün, der merkwürdigerweise unter dem Namen Spanische Fliege bekannt wurde. Wird er zu Pulver zermahlen, sagt man ihm erotisierende Wirkung nach. Was sicher nicht schön für den Käfer ist und auch absolut nichts mit der Komödie zu tun hat, die seinen Namen trägt.

Andererseits kann sich das Lustspiel damit rühmen, seinen Erfolg seit der Uraufführung anno 1913 in außerordentlichem Maße potenziert zu haben. Das Werk der Autoren Franz Arnold und Ernst Bach steht seither regelmäßig in den Programmen, wurde mehrfach verfilmt und in 25 Sprachen übersetzt.

In der Comödie gibt es jetzt selbstredend die fränkische Version. Aber nicht nur. Auch ein gepflegtes Kölsch wird zu vernehmen sein neben elegantem Wienerisch. Stephanie Schimmer hat die Fliege für Fürth bearbeitet, Martin Rassau inszeniert und steht als Alois Wimmer auf der Bühne. Volker Heißmann ist Hermann Diebold, seines Zeichens Senffabrikant und möglicherweise vor dreißig Jahren Erzeuger eines Sohnes in einer leidenschaftlichen Nacht mit einer Tänzerin, die sich den prickelnden Namen "Die Spanische Fliege" zulegte. Die Ehre dieser Vaterschaft teilt sich Diebold allerdings mit mindestens vier weiteren potenziellen Vätern . . .

Zu dieser wackeren Riege gesellen sich obendrein diverse äußerst sittenstrenge Ehefrauen, verliebte Töchter und Dienstmädchen. Damit ist die Spielwiese bereitet für irrwitzige Missverständnisse und Pointen. Mit insgesamt zwölf Darstellern präsentiert sich in der Comödie eines der größten Ensembles, das in einem Boulevard-Spaß im Haus bislang zu sehen war. Die aufwändige Produktion wird als "klassisches Volksstück locker-flockig" (Volker Heißmann) auf die Bühne gebracht und bringt optisch die eleganten Seiten der wilhelminischen Zeit zurück.

"Das Ganze funktioniert nur richtig, wenn man hundert Jahre zurück geht", macht Martin Rassau klar. "Heute kommt doch zum Beispiel niemand man mehr überraschend hereingeschneit, da greift man zum Handy und meldet sich an." Die Zeitreise wird in Szene gesetzt mit der Ausstattung von Franz Schwarz (Bühnenbild) und Angela Algeier (Kostüme). Das herrschaftliche Ambiente im Hause des Senf-Fabrikanten vollendet ein sehenswerter Kachelofen, der sein Dasein als Requisite bereits mit sagenhaften Filmauftritten gekrönt haben soll.

Perfekt abgestimmt sind die Kostüme. Jedes einzelne Stück samt passenden Accessoires wurde sorgfältig in Berlin beim renommierten "Theaterkunst"-Fundus ausgesucht. "Da passt vom Unterrock über die Schuhe bis zur Brosche und dem Hut alles zusammen und natürlich in die Zeit", versichert Rassau, der gemeinsam mit Angela Algeier zwei Tage lang in der schier endlosen Fülle der Berliner Ausstatter gestöbert hat. Zuvor hatten alle Mitwirkenden den beiden ihre Maße mitgegeben – damit alles sitzt.

Zugelegt hat bei dieser Regelung allerdings Volker Heißmann. Er wird unter seinem Anzug etwas tragen, das auf den nicht ganz so schicken Namen "Fettleib" hört – und auch exakt so ausschaut. Der unsichtbare Zweiteiler ist mit Watte ausgestopft und verleiht im Handumdrehen scheinbare Zusatzkilos nicht nur auf den Hüften. Was "Die Spanische Fliege" davon hält? Wird man sehen.

"Die Spanische Fliege": Von 18. April bis 19. Mai, Comödie Fürth (Theresienstraße 1). Die Inszenierung wird vom 17. bis 19. Mai vom BR Fernsehen aufgezeichnet. 

SABINE REMPE

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