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Der Meistertrommler von Nürnberg

Die Band des persischen Perkussionisten Hadi Alizadeh spielte in der Badstraße 8 - 20.02.2013 11:00 Uhr

Warme Grundstimmung: Bassist Chris Lachotta, Saxofonistin Jasmin Gundermann und Trommelfachmann Hadi Alizadeh vereinen traditionelle Klänge mit Anleihen bei Jazz und Klassik. © Romir


Ein Winterabend im Kulturort Badstraße: Drinnen prasselt das Kaminfeuer, draußen wirbelt der Schnee – und trotzdem braucht man nur die Augen zu schließen, um den Wind einer fernen Wüste zu hören.

Das Ensemble Alamto hat zum Konzert geladen. Der Name bedeutet „Land des Sonnenaufgangs“. Damit wird angespielt auf die persische Heimat von Trommler Hadi Alizadeh an.

Der Wahl-Nürnberger ist das Herz der Gruppe und ein Meister der Perkussion: Mit fliegenden Händen erzeugt er einen Klang, für den andere ein ganzes Schlagzeug bräuchten.

Dabei spielt er lediglich schlichte, traditionelle Handtrommeln. Etwa die becherförmige persische Tonbak, die aus Maulbeer- und Walnussholz gemacht ist, aber auch die kurdische Daf. Letztere ist ein uraltes Instrument, das seit Tausenden von Jahren von islamischen Sufis gespielt wird. Dennoch funktioniert sie auch in einem modernen Band-Kontext ganz hervorragend. Denn sie hat eine Eigenschaft, die sie flexibler macht als andere Handtrommeln: Im Holzrahmen sind Metallringe angebracht, die ihr ein Spektrum von hohen Hi-Hat-Tönen bis hin zur tiefen Bassdrum verleihen.

Eleganter Fluss

Das ist auch nötig, denn diese Gruppe hat mehr vor als nur eine nostalgische Folklore-Revue. Jazz und Klassik fließen elegant in die Musik hinein. Immer wieder wendet sich ein gerade noch tänzerisch-traditionell daherkommendes Stück zu eher klangmalerischen Passagen oder musikalischen Zwiegesprächen.

Bassist Chris Lachotta zupft jazzig-dynamisch oder setzt den Bogen ein, um eine warme Grundstimmung zu erzeugen — eine Stimmung, über die Bernhard Pichl am Klavier und Jasmin Gundermann am Saxofon starke Melodien entfalten.

Jeder der Musiker trägt dabei eigene Stücke zu dem Abend bei, die durchaus unterschiedlichen Charakter haben. Von der träumerischen Beschreibung einer Mühle über den lebhaften Tanz bis hin zur musikalischen Verwunderung über einen „Lächelnden Kaktus“, den Alizadeh einst geschenkt bekam.

Insgesamt also eine erfrischende Mischung, die Lust auf mehr macht – und wer will, kann an diesem Abend auch gleich ein Buch kaufen, in dem Alizadeh sein Wissen über die Kunst des Trommelns weitergibt: „Man braucht dafür nicht einmal ein Instrument – man kann es auch auf den Knien oder auf dem Tisch üben!“ Oder einfach zu einer der CDs des Meistertrommlers greifen. 

PETER ROMIR

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