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"Ein Blick von der Brücke": Petra Wüllenwebers zweite Inszenierung am Stadttheater Fürth hat am Donnerstag Premiere - 15.03.2017 18:00 Uhr

„Wir müssen Kante zeigen, Theater kann etwas verändern“: Nach ihrem viel diskutierten „Caligula“ kehrt Regisseurin Petra Wüllenweber mit einem Stück von Arthur Miller nach Fürth zurück.

„Wir müssen Kante zeigen, Theater kann etwas verändern“: Nach ihrem viel diskutierten „Caligula“ kehrt Regisseurin Petra Wüllenweber mit einem Stück von Arthur Miller nach Fürth zurück. © Foto: Hans-Joachim Winckler


Als "Ein Blick von der Brücke" 1956 in Europa uraufgeführt wird, hat Arthur Miller bereits den Pulitzerpreis für sein Drama "Tod eines Handlungsreisenden" in der Tasche und, zumindest aus Sicht der Männerwelt, einen Hauptgewinn gezogen — er ist mit Marilyn Monroe verheiratet. Als Ehemann gilt ihm für kurze Zeit die Aufmerksamkeit der Boulevard-Presse. Als entschieden langlebiger entpuppt sich freilich sein erstes Erfolgsstück, das inzwischen in die Riege der Klassiker aufgestiegen ist.

Eine Karriere, die seinem "Blick von der Brücke" nicht beschieden war. "Ich habe das erst einmal lesen müssen, weil ich es nicht kannte", sagt Petra Wüllenweber. Was sie entdeckte, sagte ihr zu. "Sonst hätte ich diese Inszenierung nicht übernommen." Es ist ihre zweite Arbeit am Stadttheater. 2016 gelang der Regisseurin und Autorin, die aus Saarbrücken stammt und in Köln lebt, in Fürth mit "Caligula" ein Coup. "Wir haben provoziert, das ist bei diesem Stück nötig."

Die Zuschauer reagierten prompt und trugen ihre Gefühle und Gedanken aus dem Theaterraum. "Ich war in Nürnberg auf eine Party eingeladen und habe dort plötzlich gemerkt, dass alle über ,Caligula’ diskutierten", erinnert sich Wüllenweber. "Da habe ich gewusst: Wir haben in Fürth ordentlich was gerockt."

Jetzt steht also ein nicht so populäres Werk von Arthur Miller an, eins, das seit einigen Jahren allerdings vermehrt auf den Spielplänen auftaucht. Unter anderem gab es eine Aufführung mit Scarlett Johansson am Broadway in New York. Tatsächlich ließ Miller seine Geschichte in der Metropole spielen, in einem Viertel unweit der Brooklyn Bridge, das vor gut 70 Jahren noch vornehmlich von Hafenarbeitern, Einwanderern aus Sizilien, bewohnt war.

Ärmliches Arbeitermilieu

Petra Wüllenweber hat sich den Schauplatz im vergangenen Herbst angeschaut und von der Brooklyn Bridge, die dem Drama den Titel gab, geschaut: "Wenn man nach links blickt, kann man die Freiheitsstatue sehen, was ich als symbolisch empfand." Sie hat allerdings erfahren, dass der Autor aus der gleichen Position – und so gleichsam aus der Vogelperspektive – das ärmliche Hafenarbeitermilieu, in dem seine Geschichte angesiedelt ist, anvisieren konnte.

Auf der Bühne entspannt sich ein Konflikt zwischen Menschen, die als Einwanderer mit und ohne Pass in einer erbärmlichen Umgebung, in der Korruption und Unterdrückung herrschen, anständig leben wollen. Als offene und unterdrückte Gefühle ins Spiel kommen, eskaliert die Situation. Im Vorwort zur Erstausgabe bekannte Miller: "Als ich die Geschichte eines Abends in meiner Nachbarschaft hörte, fiel mir sofort auf, wie direkt und mit welch atemberaubender Einfachheit sie sich entfaltet."

Die Aktualität — oder vielmehr: die Zeitlosigkeit — der Themen Flucht, Migration und Hoffnung auf Integration drängt sich in Millers Stück auf. Geändert haben sich seit der Uraufführung allenfalls die Zahlen: "65 Millionen Menschen sind heute weltweit auf der Flucht, das sind so viele wie nie zuvor", rechnet Wüllenweber vor. "Das kann man doch nicht ignorieren, das gehört aufs Tapet." Als Regisseurin und Autorin hat sie ihr Podium gefunden: "Es ist ganz wichtig, dass immer wieder solche Stücke gezeigt werden. Wir müssen Kante zeigen, Theater kann etwas verändern."

In ihrer Fürther Inszenierung übernimmt Hartmut Volle die Hauptrolle, unter anderem ist auch Sebastian König zu sehen, der als durchtriebener Caligula für Furore sorgte. Ob der "Blick von der Brücke" in der Nachbarstadt für Diskussionsstoff sorgen wird, muss sich zeigen. Zweifelsfrei ist das Ziel, das sich Petra Wüllenweber gesteckt hat: "Ich denke gerne, stelle gerne Fragen und will Menschen zum Nachdenken bringen. Denn wir haben Verantwortung und viel mehr Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen, als wir denken."

"Ein Blick von der Brücke": Premiere morgen, 19.30 Uhr, Stadttheater. Weitere Termine: Freitag bis Sonntag und 23. bis 26. März, jeweils 19.30 Uhr. Karten im FN-Ticket-Point (Schwabacher Straße 106, Tel. 2 16 27 77) und an der Theaterkasse, 

SABINE REMPE

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