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Mittwoch, 26.09.2018

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Die neue Heimat verbindet

Einbürgerungsfeier für "Hineingewachsene" im Landkreis - 14.05.2018 16:15 Uhr

Die gebürtige Bulgarin Violeta Sprecher (rechts) und ihre Familie im Gespräch mit Landrat Matthias Dießl und Landtagspräsidentin Barbara Stamm. © Foto: Schülbe


Barbara Stamm spricht über Ausgrenzung und Parallelgesellschaften. Sie will nichts beschönigen. "Wir alle kennen Konflikte zwischen Deutschen und Zuwanderern", sagt sie. Dann aber schaut die Präsidentin des bayerischen Landtags von ihrem Rededokument auf, spricht frei und voller Leidenschaft: darüber, dass das Hineinwachsen von Fremden in die Gesellschaft eher die Regel und nicht die Ausnahme sei.

"Es gibt eben auch das Normale, das Selbstverständliche", sagt Stamm ihren Zuhörern in Cadolzburg: wie eben die etwa 20 "Hineingewachsenen" aus dem Landkreis, die in den vergangenen zwölf Monaten den deutschen Pass erhalten haben. Sie sind Ehrengäste der Einbürgerungsfeier im Restaurant "viaLuna". Mit dabei sind Angehörige und Politiker – vor allem Landkreis–Bürgermeister.

Als Meilenstein für dieses Hineinwachsen bezeichnet Stamm die Einbürgerung, und da kann die gebürtige Bulgarin Violeta Sprecher nur zustimmen: "Es war ein wichtiger Schritt." Sprecher lebt seit zwei Jahrzehnten in Deutschland, hat hier geheiratet. Die beiden Töchter sind zweisprachig aufgewachsen, können sich beim jährlichen Urlaub in Bulgarien mit der Familie unterhalten. Ihre Identität zu erhalten, sei ihr wichtig, sagt Violeta Sprecher, beispielsweise dass sie die bulgarische Staatsbürgerschaft nicht aufgeben musste – das ist erst möglich, seit ihr Heimatland zur Europäischen Union gehört. "Nun war der Erhalt des deutschen Passes nur noch eine Formalität", berichtet sie.

Weitere Eingebürgerte kommen unter anderem aus Italien, Thailand und Rumänien. 13 verschiedene Muttersprachen bringen die Eingebürgerten mit, wie Landrat Matthias Dießl aufzählt: "Aber ihre neue Heimat verbindet sie alle."

Rechte und Pflichten

Er spricht über vielfältige Möglichkeiten, sich in die Gesellschaft einzubringen, aber auch über Pflichten und Rechte. Besonders hebt Dießl im Hinblick auf die anstehenden Landtags- und Bezirkswahlen das Wahlrecht hervor: "Ich kann Sie nur ermuntern: Nutzen Sie dieses Recht!", legt er den Versammelten ans Herz.

Mit Akkordeon und in teils starkem Dialekt unterhält die Gäste bei dieser Feier Mundartkabarettist Sven Bach. Dabei erklärt er einige wichtige Kniffe der hiesigen Sprachkultur, etwa dass man alles Gesagte in Franken bei Bedarf rückgängig machen könne: "Indem Sie am Ende einfach ‚Hoppala‘ sagen." 

MARTIN SCHÜLBE

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