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Die zweite Chance

Berufsperspektiven auch für die Schwächeren - 10.07.2014 11:00 Uhr

Bürgermeister Markus Braun (v.li.) und Jobcenter-Chef Günther Meth schauen in der Friseurwerkstatt der Kinderarche der Auszubildenden Seher Deniz zu. Friseurmeisterin Pamela Ullmann (re.) vermittelt ihr das Know-how. © Dittmar


Am Übergang von der Schule zum Beruf bleiben immer noch zu viele leistungsschwache Jugendliche auf der Strecke. Mit Unterstützung können auch sie es schaffen. Das zeigen die Erfahrungen einer im September 2013 begonnenen Hilfsmaßnahme der Fürther Sozialeinrichtungen Kinderarche und elan. „Hier können wir unsere privaten Probleme mitbringen“, beschreibt Chris (23) den Vorteil der betreuten Ausbildung. Nach einem Zusammenbruch hat er seine Lehre aufgegeben, nun lernt er in der Verwaltung der Kinderarche und bei Betriebspraktika, den Reiz der Arbeitswelt wieder zu schätzen.

Förderunterricht in der Berufsschule und eine Malerausbildung bei elan haben die 19-jährige Jasmin sogar motiviert, das Abitur nachzuholen. Sie genießt es, dass „immer jemand da ist, der einem hilft“. Fünf Jahre, nachdem er seine Ausbildung abgebrochen hatte, um sich mit Gelegenheitsjobs durchs Leben zu schlagen, sieht auch Victor (22) endlich wieder Land. In den Schlosserwerkstätten der Kinderarche und bei Schnupperlehren in Betrieben eröffnen sich ihm jetzt konkrete Berufsperspektiven. Hoffnung schöpft auch der 20-jährige Ali, dem schlechte Deutschkenntnisse bisher den Weg ins Berufsleben versperrt haben und der nun das Friseurhandwerk erlernt.

Insgesamt 44 Jugendliche und junge Erwachsene können bei dem Projekt dank individueller Förderung Schwächen überwinden und wieder Fuß fassen im System der dualen Ausbildung. Lerndefizite werden mit gezielter Nachhilfe ausgeglichen, praktische Fertigkeiten in beschützten Werkstätten und Betriebspraktika aufgebaut. Sozialpädagogische Betreuung unterstützt die Persönlichkeitsbildung.

Gerade sie leidet unter den unglücklichen Karrieren und lässt die Motivation ermüden. Gezielt werden Zuverlässigkeit und Verbindlichkeit trainiert, sind es doch Türöffner zum Berufserfolg.

Die vom Europäischen Sozialfonds geförderte Modellmaßnahme macht den jungen Menschen wieder Mut. Drei Teilnehmer haben bereits nach der Hälfte des Projektzeitraums den Sprung in eine reguläre Berufsausbildung geschafft, vier weitere werden voraussichtlich im September folgen, noch einmal so vielen eröffnet eine betreute Form der Ausbildung den Weg zum Berufsabschluss.

Der Erfolg des Projekts steht und fällt mit der Unterstützung durch die heimische Wirtschaft. Industrie- und Handelskammer sowie Kreishandwerkerschaft leisten beim Vermitteln von Betriebspraktika wertvolle Hilfe. Die Finanzierung mit EU-Mitteln ist bis September 2015 gesichert. Angesichts des hohen Bedarfs möchten Kinderarche-Geschäftsführer Andreas Müßig und sein elan-Kollege Uwe Bühling die Förderung jedoch möglichst dauerhaft etablieren. Bei derzeit rund 300 Arbeitslosen unter 25 Jahren in der Stadt sieht auch Meth die Notwendigkeit weiterer Unterstützung. Der sich abzeichnende Mangel an Nachwuchskräften lasse sich nur bekämpfen, wenn man auch den Schwächeren eine Chance gibt. Dem pflichtet Bürgermeister Markus Braun bei, wenn er sagt: „Wir brauchen alle.“ Um alle zu mobilisieren, brauche es aber mehr Zeit zum Üben und Ausbilder, die persönliche Defizite gezielt angehen. 

Volker Dittmar

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