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Ein Freigeist macht die Türen auf

Lothar Böhms "Kaltscher"-Galerie präsentiert sich am Sonntag der Öffentlichkeit - 07.12.2017 17:00 Uhr

Lothar Böhm, einst Chef von Kofferfabrik und Artoz-Galerie, hat seinen Schaffensmittelpunkt nun in der Lessingstraße. © Foto: Ulrich Schuster


Nein, das wird keine Vernissage. Ein Punkt, auf den sich Lothar Böhm dezidiert festlegt. Wenn er am Sonntag von 10 bis 20 Uhr in der Lessingstraße 4 Besucher erwartet, dann will er keinesfalls in den Rhythmus des klassischen Ausstellungswesens verfallen. "Was soll bei so einem spektakulären Aufeinandertreffen von Leuten denn groß herauskommen", hinterfragt er das Vernissage-Prozedere und versichert: "Ich mag es lieber, wenn in Ruhe geredet wird und die Bilder entspannt betrachtet werden können." Statt Sekt wird es deshalb Süppchen geben, Glühwein und Gebäck.

Der neue Böhm-Raum atmet den ganz besonderen Charme der Südstadt. Eine Druckerei arbeitete hier einst, ein Lebensmittelladen bot an dieser Stelle Nahrhaftes an. "Kaltscher – Atelier & Galerie" ist jetzt über den Schaufenstern zu lesen. Wer den Namen mit fränkischem Zungenschlag ausspricht, liegt richtig: "Kommt natürlich vom englischen Culture", macht Böhm klar. Kultur halt. Damit ist der Rahmen wieder abgesteckt, den der Universelle mit immer neuen Projekten anreichert.

Sein Schaffen ist nach wie vor multipel. "Ich bin Maler, das ist meine Basis." Sagt er und ist doch auch Autor. Illustrator. Und Musiker. Eine ganze Reihe von Pseudonymen bringt Ordnung in die Vielfalt. Seinen Roman "Triebsand" hat er als Raul Ascher verfasst. Mit Kaslovski sind seine Bilder signiert. Gut 50 davon hängen inzwischen in den ansprechenden Galerieräumen. Die weitaus meisten sind erst vor kurzem entstanden. Mit "Earth Pictures" ist eine Reihe betitelt, die das weite Spektrum Natur und Zerstörung spiegelt.

Die großformatigen Arbeiten zeigen apokalyptisch anmutende Bedrohungen. Leid tragen daran zunächst einmal Tierwesen, deren Fluchtversuche nicht auf den ersten Blick in Erlösung enden. Erdige Nuancen dominieren konsequent diese Werkgruppe, als Malgrund für seine Öllasur-Technik darf auch mal Sackleinen herhalten. Nähte und Fehlstellen bleiben sichtbar. Scharten, die ein früheres Dasein als Postsack mit sich brachte.

Mittendrin schlägt Böhm heitere Töne an. Die Flusspferdmutter mit ihrem Jungen erzählt weniger von Gefahr denn von Innigkeit. In die Tiefe geht ein Seestück mit dem einfühlsamen Titel: "Bedeutsamer lebensphilosophischer Austausch eines Oktopus mit einem Mozartfisch." Wer sich fragt, wo genau der Mozartfisch für gewöhnlich herumscharwenzelt, erfährt: "Der heißt so, weil er ausschaut, als würde er so eine Perücke wie der Komponist tragen."

Erinnerungen an früheres Fürther Schaffen weckt vielleicht bei dem einen oder anderen Böhms Neustart eines bereits einmal in den Neunzigern in Angriff genommenen Projekts: "1000 Meisterwerke". Auf einer in sattem Russischgrün gestrichenen Wand versammeln sich in eleganter Petersburger Hängung Miniaturen, die er als kleinteilige Zusammenfassung von großen Ideen vorstellt.

Für seinen Tag der offenen Galerietür wünscht sich der Künstler, der sein Alter nicht preisgeben mag ("Das ist auch wieder nur eine Konvention, ich bin aber ein Freigeist und Nonkonformist"), jetzt vor allem eines: "Viele gute Gespräche, mehr oder minder tiefgründig."  

Sabine Rempe

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