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Ein Fürther unter Zwergen

Stuntman Matthias Schendel war am Set von „Der Hobbit“ - 10.02.2012 13:00 Uhr

In die Welt von Mittelerde entführt auch „Der Hobbit“, der gerade in Neuseeland gedreht wird. © Warner Bros.


Zurück aus einer anderen Welt – auf Matthias Schendel trifft das gleich doppelt zu. Mehrere Wochen lang ließ sich der Fürther in Neuseeland die Sommersonne der Südhalbkugel auf den Pelz scheinen – das krasse Gegenteil zum derzeit tiefgekühlten Franken. Einen Teil seiner Zeit verbrachte Schendel zudem in Mittelerde, dem fantastischen Schauplatz der „Herr der Ringe“-Trilogie aus der Feder von J.R.R. Tolkien.

Es sieht auf dem Bild zwar nicht so aus, aber Matthias Schendel hatte reichlich Spaß mit den Kollegen. © privat


Die Vorgängergeschichte „Der Hobbit“ verfilmt gegenwärtig Regisseur Peter Jackson in Neuseeland, sie soll im Dezember in die Kinos kommen. Matthias Schendel, als Stuntman seit 18 Jahren im Geschäft, gehen immer noch die Augen über, wenn er sich die Produktionsstätten ins Gedächtnis ruft: „Ich habe ja schon viel gesehen, darunter große Hollywood-Produktionen, aber der Maßstab und die Qualität da unten sind der Hammer.“ Das Budget für den Film soll bei rund 500 Millionen Dollar liegen.

Streng achten die Verantwortlichen in den Stone Street Studios in Wellington darauf, dass vorab keine Details an die Öffentlichkeit dringen. „Das ist wie Fort Knox“, bestätigt Schendel, „Normalsterbliche haben keinen Zutritt.“ Schendel schon. Der Fürther bekam nicht nur Drehorte zu Gesicht, sondern auch die Werkstätten von Jacksons Firma Weta Workshop, die für ihre Spezialeffekte und Filmrequisiten berühmt ist.

Als Schendels Türöffner in dieses Kinoparadies fungierte eine Freundin, die seit einem Jahr am Set des „Hobbits“ als Stuntfrau und Maskenbildnerin arbeitet. Eigentlich wollte der 35-Jährige, der in „Inglourious Basterds“ bereits Brad Pitt gedoubelt hat, nur seinen Urlaub bei ihr verbringen, doch dann fand er rasch Anschluss an die Stuntleute vor Ort, die keinerlei Vorbehalte gegenüber dem deutschen Kollegen hatten.

Also mischte Schendel immer wieder beim Training mit. Zum einen bei der gezielten Vorbereitung auf Filmszenen, zum anderen beim allgemeinen Üben von Akrobatik, Reiten und natürlich den Schaukämpfen. Völlig neu für ihn: Da es beim „Hobbit“ von Monstern nur so wimmelt, müssen die Stuntkollegen erst einmal lernen, sich wie Orks und Co. zu bewegen, bevor sie ihre Kämpfe einstudieren. Alles in allem, sagt Schendel, sei das „wie ein Abenteuerspielplatz für große Jungs“.

Zwischendrin blieb Zeit, sich am Set umzusehen. Schendel schwärmt von den abertausenden Requisiten, mit denen die riesigen Hallen gefüllt sind. „Alles, was du siehst, kennst du irgendwoher.“ Die gigantische Rüstung von Film-Erzbösewicht Sauron beispielsweise, dazu unzählige Schwerter und Schilde aus dem Herr-der-Ringe-Epos, aber auch Gegenstände, die bei James Camerons „Avatar“ zum Einsatz gekommen sind.

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Schendel begegnete Orks und Zwergen, erkundete die Hobbithöhlen und lief durch einen Studio-Wald, der „täuschend echt“ wirkte. Nur vor die Kamera kam er nie. In seiner Zeit am Set war Drehpause. Kurz vor seinem Heimflug hieß es dann: Nächste Woche geht es weiter, die ersten Kampfszenen stehen an, bist du dabei, Matthias? Nach einem Biss in die Tischkante sagte Schendel schweren Herzens ab, in Deutschland warteten andere Verpflichtungen.

„Vielleicht flieg’ ich in ein paar Wochen noch mal hin“, überlegt der Stuntman, der zu gern Teil des Films geworden wäre. Vielleicht erhält er aber auch die Chance bei einem anderen gigantischen Projekt mitzuwirken: der Fortsetzung von „Avatar“. Er habe bereits eine Anfrage erhalten, denn offenbar soll es in dem Streifen etliche Unterwasser-Stunts geben und damit kennt sich Schendel bestens aus – spätestens seit seinem Sommer bei den Bregenzer Festspielen.

Nächste Woche muss er erst einmal in der Nähe von München abtauchen. Für die Pro7-Sendung Galileo wird er mit dem Auto über einen gefrorenen See fahren – und einbrechen. Kein Grund zur Beunruhigung, findet Schendel, die Sicherheit stehe stets an erster Stelle. Nur eine Sache bereitet ihm ein wenig Sorge: das eisige Wasser. „Ich bin die Kälte ja nicht mehr gewohnt“, sagt der Neuseeland-Rückkehrer – aber bis zum Dreh bleiben ja noch ein paar frostige Tage in Fürth. 

Johannes Alles

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