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Ein Löschschlauch führt durch 150 Jahre

Das große Jubiläum der Cadolzburger Feuerwehr bereitete zwei Männern viel Arbeit - 04.05.2018 16:00 Uhr

Ein harter Brocken ist die Cadolzburger Feuerwehr für Hans Werner Kress: Er rollt die 150 Jahre Historie in einer neuen Chronik komplett neu auf. © Fotos: Taube


Worauf er sich da eingelassen hatte, das war Hans Werner Kress nicht bewusst. Dass er viel Zeit würde investieren müssen, das natürlich schon, schließlich kennt er sich mit Projekten dieser Art bestens aus. Aber dass er sich seit gut zwei Jahren kaum anderen Dingen widmen kann: "Nein, das war mir so nicht klar." Hans Werner Kress verfasst eine neue Jubiläumschronik für die Freiwillige Feuerwehr Cadolzburg.

Julian Gebhard hat dem Feuerwehr-Jubiläum seine Bachelorarbeit gewidmet. Die Besonderheit: Ein Löschschlauch führt als Zeitstrahl durch die Geschichte.


Der 73-Jährige hat dafür unter anderem eine frühere Chronik aus dem Jahr 1958 bekommen. "Und eigentlich dachte ich, ich könnte die Geschichte der Cadolzburger Feuerwehr einfach ab da weitererzählen bis in die Gegenwart", sagt er. Doch je tiefer Kress in das Archivmaterial eintauchte, desto mehr musste er feststellen, dass man es sich mit historischen Lücken im Jahr 1958 sehr viel leichter gemacht hatte. "Viele Dinge, die da drinstehen, stimmen nicht. Entweder wurde einfach etwas weggelassen oder ganz falsch datiert", hat der ehemalige Leiter des Cadolzburger Museums herausgefunden.

Kress musste also ganz von vorn anfangen, Dinge richtigstellen, Zusammenhänge neu herstellen. Ein großes Problem dabei: "Das Cadolzburger Marktarchiv wurde in den 1970er Jahren fast komplett in die Müllverbrennung gefahren.". Damals wurde aus Platzproblemen verbrannt, was ihm heute die Arbeit deutlich hätte erleichtern können.

Aber immerhin: Es gab in den vergangenen zweieinhalb Jahren, die Kress bereits in die Chronik investiert hat, auch immer wieder Lichtblicke. "Es sind vereinzelt und an verschiedenen Stellen verstreut erstaunliche Unterlagen erhalten geblieben", sagt er und zeigt eine Kopie des Wiedergründungsaufrufs der Feuerwehr Cadolzburg aus dem Jahr 1946. "An den vielen Rechtschreibfehlern erkennt man, dass das damals schnell beschlossen werden musste."

Wie lang es dauern wird, bis Kress sein Werk vollendet hat, kann er heute nicht sagen, aber "mit Sicherheit brauche ich noch das ganze Jahr." Wichtige Indizien und Informationen für die Aufarbeitung der Vergangenheit liefern ihm nicht zuletzt Zeitungsberichte. "Da ist oft noch vermerkt, an welchem Tag sie veröffentlicht wurden. Die geben das Fleisch zu den dürren Protokollen." In der Chronik befinden sich deshalb zahlreiche Fotos von Artikeln aus den vergangenen 150 Jahren.

Kress ist nach 180 bereits geschriebenen Seiten mittlerweile immerhin fast in der Gegenwart angekommen. "Die muss ich jetzt mit den aktiven Mitgliedern noch aufarbeiten", sagt er. Und eines ist ihm bei seiner Arbeit besonders wichtig: "Ich möchte nicht einfach eine Chronik machen und Ereignisse aufreihen, ich will die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Cadolzburg erzählen."

Ungewöhnliche Bachelorarbeit

Und auch wenn die Chronik noch nicht ganz fertig ist, von seinen umfangreichen Recherchen hat heute schon einer profitiert: Julian Gebhard. Der Student hat dem Feuerwehrjubiläum seine Bachelorarbeit im Studiengang Multimedia und Kommunikation an der Hochschule Ansbach gewidmet. "Das ist etwas ungewöhnlich, ja", räumt der 22-Jährige ein.

Und zugegeben: Es ist auch nicht seine eigene Idee gewesen, sondern die der Feuerwehr. Die war nämlich auf der Suche nach einem Autor für die Festschrift – und wurde mit einer Anfrage bei der zuständigen Professorin in Ansbach fündig. Gebhards Aufgabe: eine attraktive Festschrift zu verfassen und die Feuerwehr in einigen kurzen Videoclips vorzustellen.

"Die meisten Festschriften bei so einem Jubiläum sind eher langweilig, ich wollte etwas Besonderes machen", sagt der Student, der in seinem Heimatort in der Nähe von Hilpoltstein selbst aktiver Feuerwehrler war. Sein Werk hält er bereits stolz in den Händen: Ein mehrseitiges Heft, das eher einem gut gemachten Werbekatalog gleicht als einer Ansammlung von Grußworten auf zusammengehefteten DIN-A4-Seiten. Darin wird die Geschichte der Feuerwehr Cadolzburg in kurzen und leicht verdaulichen Häppchen aufgearbeitet.

Der Zeitstrahl in Form eines Feuerwehrschlauchs zieht sich bunt durch alle Seiten. Außergewöhnliches Detail: ein weiterer Zeitstrahl oben auf den Seiten, der den Eintritt eines jeden aktiven Feuerwehrmitglieds mit einem kleinen Foto dokumentiert. "Ich wollte nicht einfach nur Grußworte und Daten sammeln, sondern auch zeigen, wer die Menschen sind, die sich da ehrenamtlich engagieren", sagt Gebhard.

Wer sich wo genau einbringt und welche vielfältigen Aufgaben es bei so einer Feuerwehr gibt, wird zudem in den Videoclips klar, die der 22-Jährige mit viel Liebe zum Detail erstellt hat. In einer Minute und 32 Sekunden wird hier etwa die Kleiderkammer vorgestellt, in eineinhalb Minuten die Jugendfeuerwehr. 25 weitere Clips sind auf der Videoplattform Youtube unter dem Stichwort "Freiwillige Feuerwehr Cadolzburg" zu finden.

Bei der Feuerwehr selbst ist man sich übrigens einig: "Wir hätten das selber in dem Umfang nie stemmen können", sagt Matthias Strachota, Vorsitzender des Feuerwehrvereins – und meint damit natürlich nicht nur die Arbeit von Julian Gebhard, sondern auch die von Hans Werner Kress. 

Stefanie Taube

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