Dienstag, 20.11.2018

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Ein Pfahlbau für den Heimatpfleger

Alexander Mayer erfüllt sich Traum vom Häuschen im Grünen mit Holz und Lehm - 24.01.2006

Selbst ist der Mann: Vor dem mächtigen Grundofen (im Hintergrund) sägt Alexander Mayer Latten und Dielenbretter für den Holzfußboden zu. Beton und Estrich sind im gesamten Haus Fehlanzeige. Foto: Mario Kreß


Es hat keine Bodenplatte aus Beton, keinen Keller, ruht wie die Katen aus Fürths Kindertagen auf Pfählen und wird von einer mächtigen Feuerstelle wohnlich erwärmt. Im Schnakenbiotop am Farrnbach will der 45-Jährige seinen Frieden mit der Natur schließen. Auf dem ans Landschaftsschutzgebiet grenzenden Bauplatz an der Vacher Straße gibt es kaum unverwertbare Abfälle. Fast alles, was beim Hausbau übrig bleibt, kann auf den Kompost.

Kein Blockhaus ist es, an dem der Historiker seit November 2004 herumbastelt. So etwas passe nicht nach Fürth. Mayers Passion ist ein Holz-Lehmbau mit versetzten Ebenen und verschachtelten Pultdächern. Der bei Parsberg zusammenmontierte Holzrahmen ist mit unbehandeltem Lärchenholz aus Österreich verkleidet. Innen ist das Gebäude gänzlich mit dicken Strohmatten ausgekleidet. Der Zwischenraum zwischen Holz und Stroh ist mit tonummantelten und daher unbrennbaren Sägespänen gefüllt. Die Bodenplatte besteht aus zwei Lagen Holz, die ebenfalls mit tonumhüllten Sägespänen gefüllt und mit Flachs zusätzlich isoliert sind.

Massiver Grundofen

Auf die Strohmatten der Wände sind die Elektroleitungen und die Wasserschläuche der Heizung verlegt. Diese Technik verschwindet unter einer kompakten Lehmschicht. Etwa fünf Tonnen dieser zähen Masse überziehen die Wände. Nochmal so viel Lehm bedeckt den massiven Grundofen, der für die Wärme sorgt. Das Holzfeuer brennt dabei auf keinem Rost, sondern auf einer Steinplatte am Grund des Ofens.

Durch ein ausgeklügeltes Leitungssystem funktioniert das bewährte Teil als Warmwasserheizung ohne Heizkörper. Da die Heizungsrohre direkt unter der Lehmschicht verlaufen, strahlt die Wärme auch direkt von den Wänden ab. Ein im Rauchabzug installierter Wärmetauscher zieht auch noch die Abwärme des Ofens in den Wasserspeicher. Die Krönung des Mayerschen Grundofens: Eine Volute (schneckenförmige Verzierung), wie sie an vielen Fürther Altbaugiebeln zu finden ist. Auf den später von einer Rasenschicht überzogenen Hausdächern sind Sonnenkollektoren vorgesehen, die ebenfalls zur Wassererwärmung dienen.

Zu den wenigen Erleichterungen gegenüber einem herkömmlichen Bau gehörte es, dass für die Elektrik keine Schlitze ins Mauerwerk geschlagen werden mussten. Zur Sicherheit wurden die im Stroh verlegten Leitungen jedoch mit zusätzlichen Fehlerstromschaltern versehen. Die Fensterrahmen sind natürlich auch aus Holz und die Wände innen mit Kaseinfarben gestrichen. Zwei bis drei Monate noch, schätzt Mayer, muss er zur Fertigstellung in den weitgehend selbst errichteten Bau investieren. Was zum Glück dann noch fehlt? Möglicherweise ein Schaf - auch zur Dachpflege. 

VOLKER DITTMAR

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