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Ein Stück Innenstadt ins Internet verdrängt

Einzelhändler über die Konkurrenz und die Chancen im Netz — Größte Sorge bereitet das City-Center - 08.04.2011 09:00 Uhr

Seit 1. April ist das Geschäft „Das Bad und mehr“ in der Fußgängerzone geschlossen. Ab 15. Mai aber können Fürther den Laden im Internet finden. Auch in der Moststraße zieht ein Geschäft ins Netz. © Ralf Rödel


Dass seit 1. April etwas anders ist in der Fußgängerzone, fällt auf: Die Schaufenster von „Das Bad und mehr“ sind mit knallig-pinkfarbenem Papier abgeklebt. Die alten Öffnungszeiten stehen noch an der Tür, aber sie haben keine Gültigkeit mehr. Den Laden gibt es fortan nur noch im Internet — und da können Kunden rund um die Uhr einkaufen. Wie berichtet, hat Inhaberin Petra Büttner-Krauß auf rückläufige Umsätze reagiert. „Seit der Marktkauf weg ist“, sagte sie dieser Zeitung im Februar, komme es ihr vor, „als ob kaum noch Leute in der Fußgängerzone sind“.

Noch schlimmer ist es, so empfindet es jedenfalls Ersan Temiz, in der Moststraße. Temiz kam aus London nach Fürth, zwei Jahre hat er sich und seinem Schmuckgeschäft Zeit gegeben, „ich habe alle Energie in den Laden gesteckt“. Zurzeit läuft der Räumungsverkauf, am 18. April ist Schluss. Seine ganze Energie fließe dann: in einen Online-Shop. Auch „Boho Lifestyle“ wird also nicht ganz aus der Welt verschwinden. Die Internetseite existiert schon seit einer Weile. Natürlich sei sie noch nicht so bekannt, sagt Temiz, aber über eBay finden mehr und mehr Kunden zu ihm. „Ich glaube, darunter war aber erst eine Kundin aus Fürth.“

Gerne würde Temiz bleiben, „Fürth ist cool“, sagt der Engländer. Aber es fehlen die Kunden. Das Einkaufen sei hier, anders als in Nürnberg oder Erlangen, kein „Erlebnis“. Die Mieten aber seien zu hoch, um warten zu können, bis sich das mit einem neuen Einkaufsschwerpunkt und einem aufpolierten City-Center vielleicht ändert.

Die Kunden fehlen: Es gibt wohl wenige Läden in der Innenstadt, für die es nicht schwieriger geworden ist. Auch, weil es das Internet gibt? „Das spürt man schon“, sagt Werner Jäger, der mit Heimtierbedarf Planert seit 33 Jahren zur Kleeblattstadt gehört. „Aber darauf kann man reagieren.“ Er hat sein Sortiment umgestellt, bietet nun, weil „alles ab 50 Euro“ gerne bei den großen Händlern im Internet bestellt wird, vor allem kleinere Artikel an: eine breitere Palette an Futter, dazu viel Spielzeug, viele Näpfe und Pullover für die Vierbeiner, „Sachen, die man in die Handtasche stecken kann.“ Selbst einen Online-Shop aufzubauen, zusätzlich zum Laden, das plant er nicht. „Das wäre viel zu zeitaufwendig.“ Auch sei dort die Konkurrenz wohl zu groß — in Fürth dagegen habe er seine Stammkunden.

"Hier kann ich sagen: Schnuppern Sie mal" 

Manchmal, erzählt Stephan Scherneck, Teilhaber des gleichnamigen Lederwaren-Geschäfts, sehen sich junge Menschen bei ihm Koffer an, um sie dann im Internet zu bestellen. „Die vergessen, dass da Porto drauf kommt und es keinen Service gibt.“ Spätestens wenn etwas nicht mehr funktioniert, würden sie merken, „dass sie das dann per E-Mail reparieren müssen.“ Das Internet, sagt Scherneck aber auch, sei nicht das Problem der Fürther Einzelhändler. „Für uns ist wichtig, dass sie das City-Center so schnell wie möglich unter Dach und Fach bringen.“

Ein Internet-Shop? Nein, sagt auch Rita Frühwald, die seit 39 Jahren in Fürth Tee verkauft, das könne sie sich nicht vorstellen. „Wenn Sie im Internet ,Ostertee‘ lesen, können Sie sich dann etwas vorstellen?“, fragt sie und greift nach einer Dose. „Hier kann ich sagen: Schnuppern Sie mal, der ist ohne Teein. Und hier habe ich einen, der hat die gleichen Blüten, aber der duftet wieder ein wenig anders.“

Auch junge Leute schätzen das, sagt sie. Sehnlich aber erwartet auch sie, dass ein großer Supermarkt in die Innenstadt zurückkehrt. Weil der auch ihr Kundschaft bescheren würde, und auch, weil sie „für einen anständigen Quark“ nicht länger in die Erlanger Straße fahren will — und ihn sich auch nicht im Internet bestellen möchte. 

Claudia Ziob

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