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Einzigartiges Bahndenkmal verfällt

Trauerspiel um den historischen Lokschuppen hinter dem U-Bahnhof Stadtgrenze - 12.03.2011 13:00 Uhr

Ein Bild des Jammers: Der historische Lokschuppen und die kleine Schmiede rechts daneben. Durch das marode Dach dringt Nässe ins Mauerwerk — deutlich sichtbar an der Verfärbung der Sandsteine. © Mark Johnston


„Die Bahn spielt auf Zeit“, sagt Baureferent Joachim Krauße. „Und lässt den Lokschuppen planmäßig verfallen“, ergänzt Stadtheimatpfleger Alexander Mayer. Das Dach ist über weite Teile bereits eingebrochen, so dass Feuchtigkeit ungehindert in die Sandsteinmauern dringt. Vor Gericht hat die Stadt bereits den Kürzeren gezogen, als sie die Bahn zum Erhalt des Baudenkmals verpflichten wollte. Seit 2009 geht es nur noch um eine Notsicherung.

Auf 20.000 Euro werden die Kosten für ein provisorisches Dach geschätzt. Weil die Stadt selbst dafür jedoch kein Geld hat, war daran gedacht, Kräfte des Berufsbildungszentrums einzuspannen. Doch die Mittel der am Zentrum beteiligten Arge reichen auch dafür nicht mehr. In der jüngsten Bauausschuss-Sitzung wurde deshalb an einen Einsatz des Technischen Hilfswerks gedacht. „Das Landesamt für Denkmalschutz würde für eine Notsicherung sicher Mittel beisteuern“, meint Mayer.

Zehn Jahre Zeit könnten nach Ansicht der Experten durch das Provisorium gewonnen werden. Zeit, die nötig ist, um für das verkehrsungünstig gelegene Baudenkmal eine neue Nutzung zu finden. Nach Ansicht der CSU-Stadträtin und Landtagsabgeordneten Petra Guttenberger hat es die Stadt versäumt, der Bahn ein tragfähiges Nutzungskonzept zu unterbreiten. Doch die Kommune bemüht sich schon seit Jahren um die Wiederbelebung des historischen Gemäuers.

Geschichtsverlust geht weiter

Zusammen mit dem 100 Quadratmeter großen Lokschuppen steht auch das angebaute Wohnhaus mit 200 Quadratmetern aus dem Jahre 1911 auf dem insgesamt 11.000 Quadratmeter großen Gelände zum Verkauf. Die Sanierungskosten werden auf über 700.000 Euro geschätzt, wobei der Lokschuppen allein mit etwa 230.000 Euro zu Buche schlägt.

Gegen eine kulturelle Nutzung, wie sie bereits wiederholt angedacht worden ist, spricht die schlechte Erreichbarkeit der Gebäude. Ein direkter Zugang könnte nur mit einer Unterführung vom U-Bahnhof Stadtgrenze aus geschaffen werden. Verschlechtert hat sich die Situation durch den S-Bahn-Bau. Unmittelbar neben dem Lokschuppen führt nun der neue Bahndamm vorbei.

Nachdem bereits 1968 das älteste Bahnwärterhäuschen Deutschlands dem U-Bahn-Bau zum Opfer gefallen war, geht der Geschichtsverlust in der Ankunftsstadt des Adlers munter weiter. Die Bahn hat laut Mayer ausgerechnet im vergangenen Jubiläumsjahr der ersten Deutschen Eisenbahn bei der Denkmalpflege angefragt, ob sie nicht Teile des Hauptbahnhofs abreißen darf, denn die Eingangshalle stehe den Umbauten im Weg. Die Antwort war ein klares Nein.

  

VOLKER DITTMAR

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