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Ende des Wachstums ins Auge gefasst

Fürther Zuwachsraten geben der Stadtspitze zu denken — Keine neuen Baugebiete - 03.06.2013 09:00 Uhr

Im großen Stil entstehen neue Wohnungen derzeit auf dem Areal der ehemaligen Kunstanstalt Krugmann an der Herrnstraße.

Im großen Stil entstehen neue Wohnungen derzeit auf dem Areal der ehemaligen Kunstanstalt Krugmann an der Herrnstraße. © Mark Johnston


Doch in den Jubel über das Florieren der Kleeblattstadt mischen sich inzwischen nachdenklichere Töne. Wurde im Rathaus bislang vehement das Wachstum als Hoffnungsträger von Fürths Zukunftsfähigkeit verfochten, macht sich Oberbürgermeister Thomas Jung inzwischen mit dem Gedanken an eine Konsolidierung vertraut: Weil die Grenzen des Wachstums in absehbarer Zeit erreicht seien, sollten seiner Ansicht nach keine weiteren Baugebiete als die bereits ausgewiesenen ins Auge gefasst werden.

Derart große Zuwachsraten wie in den zurückliegenden Wachstumsjahren könne es nicht unendlich geben, sagt der Rathauschef auf FN-Anfrage. Dass die zuletzt im März auf 118544 errechnete Einwohnerzahl in absehbarer Zeit die 120000er-Marke überspringt, hält Jung für sicher. Nicht jedoch, dass sie auch die Grenze 125000 knackt. Jung, der in seiner Siedlungspolitik bisher stark um junge Familien geworben hat, betont: „Es kann nicht jeder in Fürth wohnen.“ Das Wachstum der Stadt mache keinen Sinn, „wenn hinter Wilhermsdorf niemand mehr baut“.

Es geht Jung langfristig darum, den überschaubaren Charakter der kleinen Großstadt Fürth zu bewahren. Der OB spricht von „urbaner Qualität“, die gewahrt werden müsse. Eine öffentliche Diskussion darüber, wo die Grenzen des Wachstums anzusetzen sind, hält Jung deshalb für notwendig. Ihm gehe es um Stabilität. Auch Arbeitsplätze dürften nicht außer Acht gelassen werden.

Zur Besiedlung tabu sind für Jung der Stadtwald, die Flusstäler und das Gemüseanbaugebiet im Knoblauchsland. Stolz verweist er darauf, dass die Fürther Waldfläche im letzten Jahrzehnt um 62 Hektar gewachsen sei. Bei ökologischen Ausgleichsmaßnahmen allerdings auch auf Kosten der Landwirtschaft, wie der OB einräumt. Umweltschutz und Stadtentwicklung hält er bei einem moderaten Wachstum für durchaus vereinbar. Hohe Wellen haben in letzter Zeit Neubauprojekte am Rand der Flusstäler und die geplante Siedlung im Norden Oberfürbergs geschlagen.

Von Bedeutung ist die Bevölkerungsentwicklung für Kommunen, weil sich danach auch die Zuwendungen des so genannten Finanzausgleichs bemessen. Also jener Zuschüsse, die zum Ausgleich struktureller Defizite gewährt werden. Fürth kann aufgrund seines Einwohnerzuwachses mit höheren Einnahmen rechnen und seinen finanziellen Konsolidierungskurs fortsetzen.

Nach den vom künftig in Fürth beheimateten Landesamt für Statistik jetzt vorgelegten Ergebnissen der letzten Volkszählung 2011 hat sich die Zahl der Fürther zum Stichtag im Mai 2011 um 323 von 116317 auf 116640 erhöht. Fürth ist neben Augsburg die einzige Großstadt in Bayern, deren Einwohnerzahl gestiegen ist. Zum Vergleich: Nürnberg weist ein Minus von 20517 Einwohnern auf, Erlangen verlor 2014 Bürger. Bayernweit ist die Bevölkerung um 148000 geschrumpft, in Mittelfranken um 30449. Diese Zahlen beziehen sich auf eine Fortschreibung, die bislang auf der vorletzten Volkszählung 1987 beruhte.

  

Volker Dittmar

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