19°

Sonntag, 23.09.2018

|

zum Thema

Erste Hilfe: So schafft man sich Zecken vom Leib

FN-Videoserie: Tipps zum Umgang mit Blutsaugern, die schwere Krankheiten übertragen - 08.06.2018 18:00 Uhr

"Keine ruckartigen Bewegungen": Mit Plüschtier, Stecknadel und spitzer Pinzette demonstriert Michael Schob, Fachkoordinator Akut- und Notfallversorgung am Klinikum Fürth, die Entfernung einer Zecke. © Sebastian Zelada


Erste Hilfe zu leisten bedeutet vor allem: rasch und beherzt zu handeln, wenn ein Mensch in Not ist. Was wann zu tun ist, erklären Experten in der Erste-Hilfe-Serie der FN. Wichtige Handgriffe führen sie im Video vor. Diesmal geht es um Zeckenstiche.

Die Jahreszeit lädt ein zu Streifzügen durch die Natur, zu Spaziergängen, Wanderungen, Picknicks, Nachmittage am Badeweiher. Nur: Weil sie fürchten, eine Zecke könnte sich unbemerkt an ihrem Körper einnisten, tun sich viele Menschen schwer, all das richtig zu genießen.

Tatsache ist: Wer zwischen März und Oktober  durch halbhohes Gras streift, läuft Gefahr, sich eines der Spinnentierchen einzufangen. Ob es sich wirklich festbeißen und  Krankheiten auslösen wird, steht auf einem anderen Blatt. Zecken übertragen in Deutschland hauptsächlich zwei Erkrankungen: die bakteriell verursachte Borreliose und die durch Viren hervorgerufene Frühsommer-Meningoenzephalitis FSME.

Eine Borreliose, die sehr langwierig sein kann, zeigt sich oft an einer Wanderröte und kann Nervensystem, Gelenke, Organe und Gewebe schädigen. Wird sie frühzeitig erkannt, ist sie mit Antibiotika behandelbar. Unter Berufung auf das Robert-Koch-Institut (RKI) sagt Prof. Dr. Harald Dormann, Leiter der Zentralen Notaufnahme am Klinikum Fürth, ob Zecken Borrelien in sich tragen, schwanke „kleinräumig sehr stark“ Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Erreger beim Saugakt weitergegeben werden, liege zwischen 1,5 und 5 Prozent. Und: „Weniger als ein Prozent der Personen, bei denen eine Übertragung stattgefunden hat, erkranken dann auch an Borreliose.“

Eine FSME kann zur Entzündung der Hirnhaut führen und sogar tödlich enden, laut Dormann bei milderen Verläufen aber auch nur grippale Symptome oder Rücken- bzw. Nackenschmerzen zur Folge haben. Gegen FSME ist eine Schutzimpfung möglich. Als FSME-Risikogebiet gilt dem RKI zufolge fast ganz Bayern. Doch liegt auch die Wahrscheinlichkeit, dass FSME beim Stich übertragen wird, so Dormann, in den Risikogebieten  weit unter einem Prozent.

Eine Zecke sitzt in der Haut fest. Womit sollte man sie entfernen und wovon besser die Finger lassen?

Michael Schob, Fachkoordinator Akut- und Notfallversorgung am Klinikum Fürth, rät ausdrücklich von Experimenten mit Alkohol, Benzin oder etwa Nagellack ab. Der Grund: „Das führt dazu, dass die Zecke in einen Todeskampf gerät und ihr Speichelfluss angeregt wird.“ Die Folge: Das Tier sondert erst recht Sekrete und damit Krankheitserreger ab und gibt diese an seinen Wirt weiter.

Zum Lösen einer  Zecke aus der Haut hält  Schob schmale, spitz zulaufende Pinzetten, Zeckenzangen, Zeckenschlingen und Zeckenkarten für geeignet. Mit einem dieser Werkzeuge packt man die Zecke nah an der Haut unterhalb von Körper und Beißapparat quasi am Kragen und zieht sie langsam nach oben. „Auf keinen Fall drehen, keine ruckartigen Bewegungen machen und so lange ziehen, bis sich die Zecke  aus der Haut löst.“

Und dann? Zecken sollen zäh sein, überleben sogar Waschmaschine und Gefriertruhe. Wie macht man den Blutsauger also unschädlich?

Wer auf Nummer sicher gehen will, dem rät Schob, zu einem Blatt Papier zu greifen, da man auch bei einer entfernten Zecke noch mit Krankheitserregern in Kontakt kommen kann. Mit der Pinzette platziert man die Zecke  auf einer Hälfte des gefalteten Papiers, klappt die andere Hälfte drüber und zerdrückt sie durchs Papier hindurch mit einem harten Gegenstand, etwa einem Stein oder dem Boden eines Glases. Der Kadaver landet mitsamt Papier im Müll.

Was ist zu beachten, nachdem die Zecke entfernt wurde?

Prof. Dormann rät, die Einstichstelle, an der zunächst möglicherweise ein schwarzer Punkt zurückbleibt, zu desinfizieren und in den folgenden Tagen zu beobachten. Verblasst die Einstichstelle, „dann ist alles gut“. Rötet sie sich, sei ein Arztbesuch ratsam.

Was ist die beste Vorsorge?

Von Kleidung, die Zecken den Zugang zur Haut erschwert, also langen Hosen und geschlossenen Schuhen einmal abgesehen, kann man sich vor dem Spaziergang oder Picknick natürlich mit insektenabweisenden Mitteln einsprühen, die es in Apotheken und Drogeriemärkten gibt. Aus Dormanns Sicht die beste Prävention ist es aber, sich nach dem in Aufenthalt Wald und Flur gründlich abzusuchen, zu duschen und Zecken möglichst rasch zu entfernen. Der Faktor Zeit spielt deshalb eine Rolle, weil Zecken auf der Suche nach der idealen Einstichstelle bisweilen stundenlang auf dem Körper ihres Wirts wandern und zumindest die Borreliose erst im späteren Verlauf des Saugakts übertragen. 

Birgit Heidingsfelder E-Mail

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Fürth