Mittwoch, 20.03.2019

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Es staubt im Denkmal: Fürther Sudhaus wird zur Baustelle

Vorbereitungen für eine Gastronomie-Nutzung laufen - 03.06.2016 06:00 Uhr

Verhüllt sind die bleigefassten Glasfenster und die Kupferhauben der Kessel. Der Boden wurde mit Spanplatten überzogen, damit bei den Renovierungsarbeiten kein Schaden entsteht. © Foto: Hans-Joachim Winckler


Von einer "grundlegenden Renovierung" spricht Isabel Fürsattel, die Geschäftsführerin der Immobilienfirma MIP. Diese vermarktet die unter Denkmalschutz stehenden Gebäude der 2009 geräumten Brauerei. Was im Ensemble freilich fehlt, ist das alte Gärhaus mit Hopfenspeicher, das zu spät als denkmalwürdig eingestuft wurde und 2012 für den Bau eines neuen Wohnkomplexes an der Fichtenstraße abgerissen wurde. Ein Schritt, der große Aufregung verursachte.

Die aktuellen Bauarbeiten im 105 Jahre alten Sudhaus beunruhigen Stadtheimatpflegerin Karin Jungkunz dagegen nicht. Das liegt an der engen Abstimmung des Investors mit dem Landesamt für Denkmalpflege. Auch dem entfernten Sudkessel trauert Karin Jungkunz nicht nach. Er sei nachträglich eingebaut worden und in Bayern keine Seltenheit.

Als weltweite Rarität gilt hingegen das Jugendstildekor der Braustätte, die mehr Geld verschlungen hat als das zehn Jahre zuvor errichtete Stadttheater. Wie berichtet, soll hier einmal Gastronomie einziehen - eventuell mit einer kleinen Hausbrauerei. Einen Nutzer hat MIP nach Angaben der Geschäftsführerin noch nicht gefunden. Angesichts der laufenden Arbeiten in der noch älteren Mälzerei, die an das Sudhaus anschließt und für eine Gewerbenutzung umgebaut wird, kann die Renovierung jedoch nicht aufgeschoben werden.

Zu wenig Platz für Gäste

Isabel Fürsattel gibt zu bedenken, dass der entfernte Kupferkessel zum Brauen kleiner Biermengen ohnehin nicht geeignet gewesen wäre und darüber hinaus zu wenig Platz für Gäste gelassen hätte. Die Renovierung werde mit großem Fingerspitzengefühl für das Baudenkmal durchgeführt. Schließlich solle das neu herausgeputzte Sudhaus einmal das Sahnehäubchen des dann wiederbelebten historischen Ensembles sein.

Vor 17 Jahren ist das Baudenkmal zuletzt aufgemöbelt worden. Für 2,5 Millionen Mark (etwa 1,2 Millionen Euro) wurde damals die Brautechnik generalüberholt und dabei auch der originale Läuterbottich durch einen modernen Stahlkörper ersetzt - natürlich mit Kupferhaube, um den Gesamteindruck nicht zu zerstören.

Acht Jahre später nahm die Tucher Bräu als letzter Nutzer der alten "Humbser" den Brauereineubau auf der Stadtgrenze bei Fürth-Süd für 23 Millionen Euro in Angriff. Im Zuge der erfolglosen Bemühungen zum Erhalt des alten Gärhauses wurden das historische Pförtnerhäuschen und das dahinter liegende Kühl- und Verwaltungsgebäude unter Denkmalschutz gestellt. Zusammen mit dem Sudhaus und der Mälzerei werden sie herausgeputzt und können zum Blickfang des neu bebauten Brauereiareals werden.

Der lange Leerstand hat dem Sudhaus nicht gut getan. Scheiben wurden eingeworfen und dreiste Kupferdiebe drangen 2012 am helllichten Tag ein. Weil sie wie Monteure aussahen, erregten sie zunächst keinen Verdacht. Doch offenbar wurden sie gestört, denn sie ließen ihre Beute am Tatort zurück.

Auf 100.000 Euro wurde damals der Sachschaden geschätzt. Was die schmucke Fassade des Sudhauses nicht erkennen lässt: Es handelt sich bei dem Bauwerk um eine frühe Stahlbeton-Konstruktion. Bei der Ausstattung hatte Martin Humbser nicht geknausert. Prächtige Leuchten und eine spektakuläre Wanduhr zeugen vom Stolz des Bauherrn und von einem ausgeprägten Sinn für ästhetische Qualitäten. Ein Gespür, das die uniformen Wohnblocks, die jetzt in der Nachbarschaft entstanden sind, nicht so offen zur Schau stellen. 

Volker Dittmar

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