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Mittwoch, 19.09.2018

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Experte: "Mit einem Hornissennest lässt es sich leben"

Marcus Bezold ist der neue Fachberater für an sich friedfertige Tiere - 31.08.2018 11:00 Uhr

Eine Hornisse in Nahaufnahme. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa


Hornissen und Wespen sind eigentlich gar nicht so gefährlich, wozu braucht es da Ihr Ehrenamt?

Will überzeugen, „dass es sich mit Hornissen und Wespen leben lässt“: Marcus Bezold. © Foto: Thomas Scherer


Marcus Bezold: Die Meldungen über Nester, von denen sich Landkreisbürger gestört oder bedroht fühlen, nehmen deutlich zu. Heuer waren es bereits 98, gemessen an den 50 Meldungen im ganzen Vorjahr ist das eine erhebliche Steigerung. Und es können noch viel mehr werden, denn wegen der hohen Temperaturen kann es sein, dass die Hornissen weit über den Oktober hinaus aktiv sind, bevor das Volk bis auf die Königin abstirbt. Allerdings würde ich nicht sagen, dass es heuer schlimmer ist als in anderen Jahren. Die Leute sind nur sensibilisierter. Aber unbenommen: Das Wetter kommt den Wespen zugute, den trockenen Boden schätzen sie sehr. Also steigt ihre Population. Und das begünstigt wiederum die Hornissen, die Wespen fressen.

 

Was qualifiziert Sie für das Amt?

Bezold: Ich bin Imker, da liegt das Interesse für Hornissen und Wespen nah. Als ein Bekannter, der im Landratsamt arbeitet, an mich herangetragen hat, dass die Untere Naturschutzbehörde jemanden sucht, der sie als Ehrenamtler in diesem Bereich unterstützt, dachte ich mir, das wäre etwas für mich. Ich habe ein viertägiges Seminar an der Bayerischen Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege in Laufen absolviert, das mit Fachwissen vollgepackt war. Seit Anfang Juli bin ich im Einsatz.

 

Und wenn die Hornissen jemandem zu eng auf die Pelle rücken, kommen Sie in Schutzanzug und stichfesten Handschuhen und entfernen das Nest?

Bezold: Ich trage keine Schutzkleidung, denn wenn man sich ruhig und bedächtig verhält, werden die Hornissen nicht aggressiv. Ist es nötig, das Nest umzusetzen – wie es an einem Altersheim in Stein der Fall war, weil sich keiner mehr rausgetraut hat – mache ich das in der Abenddämmerung, weil dann alle Tiere zuhause sind.

 

Wenn das so problemlos funktioniert, könnte das doch jeder selbst machen?

Bezold: Ganz so einfach ist es nicht. Hornissen sind wegen schwindender Bestände und ihrem Nutzen für die Natur besonders geschützt. Ohne Beurteilung der Unteren Naturschutzbehörde geht gar nichts. Selbst wer einen Schädlingsbekämpfer bestellt, ohne Erlaubnis der Behörde wird der nichts unternehmen.

 

Worin liegt die Bedeutung der Hornissen für die Natur?

Bezold: Sie fressen Wespen und Spinnen und sie räumen auch so manches Aas, etwa Vogelkadaver, weg. Kommt es zu Konfliktsituationen mit der Bevölkerung, ist mein eigentliches Ziel, die Menschen davon zu überzeugen, dass ihnen die Hornissen nichts tun, wenn sie einige Grundregeln beachten, etwa nicht zu nah ans Nest heranzugehen. So erkennen die Menschen vielleicht, dass es sich durchaus mit einem Hornissennest leben lässt.

 

Das funktioniert?

Bezold: Ich habe in meinem Garten selbst ein großes Hornissennest, das seit fünf Jahren immer wieder besetzt ist. Meinen drei Kindern habe ich erklärt, dass sie Abstand halten und nicht gerade den Fußball dorthin kicken sollen. Jetzt ist das Nest die Attraktion, wenn andere Kinder kommen. Selbst in einem Ammerndorfer Kindergarten konnten wir das Nest belassen. Die Eltern haben zwar aufgeschrien, aber es hat funktioniert.

 

Sieben Hornissenstiche töten ein Pferd, für den Menschen reichen drei, heißt es. Was ist daran dran?

Bezold: Nichts, das ist Aberglaube: Ihr Stich ist nicht gefährlicher als ein Bienen- oder Wespenstich, ihr Gift sogar schwächer. Eine Biene sticht nur, um sich zu wehren. Die Hornisse zieht in jedem Fall die Flucht vor, sie ist die Klügere.

 

Der Wespe allerdings eilt der Ruf voraus, doch recht aggressiv zu sein...

Bezold: Das haben wir uns selbst zuzuschreiben, weil wir immer gleich hektisch reagieren und wild mit den Händen herumfuchteln. Blieben wir gelassen, würden sich Wespen ähnlich zurückhaltend verhalten wie Hornissen. Im Grunde ist die Wespe nicht anders als der Mensch: Sie will fressen, schlafen, ihre Arbeit tun und ansonsten in Ruhe gelassen werden.

 

Trotzdem scheint es, als würden immer mehr Menschen allergisch auf ihren Stich reagieren, woran liegt das?

Bezold: Ich denke, das ist hausgemacht: Geht der Mensch mit Insektenspray auf Hornissen oder Wespen los, was ein absolutes No-go ist, reichert sich das Mittel im Körper der Tiere an. Stechen sie dann, bekommt man nicht nur das natürliche Gift, sondern auch das Insektizid mit ab. Auch die Wespen unterliegen übrigens dem allgemeinen Artenschutz, ohne triftigen Grund dürfen sie nicht getötet werden.

 

Was würden Sie für den Grillabend im Garten zum Schutz vor den Stechern empfehlen?

Bezold: Etwas abseits einen Köder aufzustellen: Ein Glas oder, besser noch, eine flache Schale mit Limo oder Bier lenkt die Insekten ab, dann nerven sie nicht.

 

Und was tun, wenn Hornisse oder Wespe doch gestochen haben?

Bezold: Dazu kann ich leider gar nichts aus eigener Erfahrung sagen, ich bin noch nie gestochen worden.

Wespen- und Hornissen-Hotline bei der Unteren Naturschutzbehörde, Tel. (09 11) 97731419. 

Interview: Sabine Dietz

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