Mittwoch, 19.12.2018

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Fahren die Fürther bald wieder Straßenbahn?

Weiterbau der Gleise vom Westfriedhof bis zum Fürther Hauptbahnhof erwogen - 31.01.2011 09:00 Uhr

Noch endet die Linie 6 am Nürnberger Westfriedhof. Eine Verlängerung über Poppenreuth zum Fürther Hauptbahnhof ist jedoch angedacht. © Hans-Joachim Winckler


Im Nahverkehrsentwicklungsplan wird eine Straßenbahn-Neubaustrecke vom Nürnberger Westfriedhof über Ikea bis zum Fürther Hauptbahnhof in Erwägung gezogen. Mit einer Entwicklungsperspektive bis 2025 gehört das Vorhaben zwar noch in den Bereich der Utopie, gleichwohl sind die Fürther aber schon jetzt zur Stellungnahme aufgefordert. Bei der Thematisierung im Bauausschuss gab Skepsis den Ton an.

Eine Straßenbahn in Fürth erscheint Baureferent Joachim Krauße nicht realisierbar. „Wir sollten lieber auf Busse setzen“, meint er. Allerdings wollen die Fürther der Straßenbahn auch keine Steine in den Weg legen. „Eine spätere Realisierung der Straßenbahn-Neubaustrecke soll in Nürnberg und Fürth planerisch offengehalten und nicht verbaut werden“, heißt es im einstimmig angenommenen Beschluss. Auch Oberbürgermeister Thomas Jung unterstreicht: „Kein Mensch lehnt die Stadtbahn ab.“ Man bitte Nürnberg lediglich, Busse stärker ins Kalkül zu ziehen.

Vorteil langer Linien

Zum Thema wird die Straßenbahn, weil Verkehrsplaner herausgefunden haben, dass lange Linien ohne Umsteigezwänge Vorbehalte gegen den ÖPNV am ehesten abbauen können. Bislang endet die Straßenbahn am Westfriedhof. Eine Verlängerung bis nach Schniegling oder zu Ikea in Poppenreuth lohnt sich nicht. Das Rathaus wiederum eignet sich nicht zur Endhaltestelle.

Die meisten Verknüpfungspunkte bietet der Hauptbahnhof, der von den Planern deshalb auch als einzig zielführender Endpunkt der Linie angesehen wird.

Dabei ließe sich auch der in der Rudolf-Breitscheid-Straße geplante Einkaufsschwerpunkt anbinden. Ein Problem der Trassenführung birgt allerdings die Kirchweih. „Schön, aber nicht finanzierbar“ ist eine Straßenbahn für den Leiter des infra-Verkehrsbetriebs, Klaus Diregsweiler. Drei verschiedene Verkehrsmittel: Bus, U-Bahn und Straßenbahn, könne sich eine Stadt von der Größe Fürths gar nicht leisten. Ganz abgesehen davon, dass so etwas ungute Signalwirkung auf andere Städte haben könnte. Rein technisch sei die Straßenbahn kein Problem.

Die Skepsis teilt Grünen-Stadtrat Harald Riedel nicht. Er verweist darauf, dass der Führerschein jetzt schon bei vielen Jugendlichen nicht mehr Priorität hat. In 20 Jahren könnte aus der Utopie Stadtbahn leicht eine durchaus lohnende Angelegenheit werden. Schließlich habe man vor 20 Jahren auch die Mülltrennung als Utopie angesehen und auf eine Schwelbrennanlage gesetzt, die sich jedoch als Irrweg erwies.

"Jahrelange U-Bahn-Propaganda" 

In einer Buslinie sieht Lothar Berthold, Fürther Sprecher des Verkehrsclubs Deutschland, keine Alternative zur Straßenbahn. Busverbindungen könne man immer kurzfristig schaffen. Dazu brauche es keinen Nahverkehrsplan. Ein Problem sieht Berthold darin, dass man die Straßenbahn in Fürth durch jahrelange U-Bahn-Propaganda systematisch schlechtgeredet habe. Zudem sei inzwischen eine Generation herangewachsen, die keine Straßenbahn in Fürth mehr erlebt habe. Die Älteren wiederum wüssten nicht, dass moderne Straßenbahnen kaum noch quietschen und dass der Gleichstrombetrieb keinen Elektrosmog verursacht.

Grundsätzlich begrüßt es U-Bahn-Kritiker Berthold, wenn in Fürth mit Anstoß aus der Nachbarstadt wieder an eine Straßenbahn gedacht wird. Keinesfalls dürfe die jedoch in einem Vorort wie Poppenreuth enden, weil sonst Menschen und damit Kaufkraft nur von Fürth weggezogen werden.

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