Dienstag, 11.12.2018

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Festival „Bunt statt Braun“ abgesagt

Geplanter Auftritt einer linken Band in Langenzenn ruft die rechte Szene auf den Plan - 21.10.2011 16:00 Uhr

Jugendhausleiter Carsten Kurtz (links) vor der „Alten Post“. An der Fassade des Gebäudes sind noch Spuren von Farbbeuteln sichtbar, die „Rechte aus Langenzenn“ (Kurtz) vor einigen Jahren gegen die Mauer geworfen hatten. © Pfrogner


„Linksextreme Hass-Musik in der ,Alten Post‘“, so lautet die Überschrift des Flugblatts, das am Mittwochmorgen in Teilen Langenzenns verteilt wurde. Gemünzt ist dies auf „Kurzer Prozess“, eine Band aus Nürnberg, die in dem Jugendhaus am Samstag hätte auftreten sollen.

„Raus mit Linksextremisten aus der ,Alten Post‘“ wird in dem Schreiben unter anderem gefordert, an dessen Ende in fetten Lettern die Internetadresse des „Freien Netzes Süd“ zu lesen ist — eine Organisation, die vom bayerischen Verfassungsschutz als rechtsextrem geführt wird. Presserechtlich für das Flugblatt verantwortlich: Sebastian Schmaus, Nürnberger Stadtrat der NPD-Tarnliste „Bürgerinitiative Ausländerstopp“.

Im gleichen politischen Spektrum angesiedelt ist auch die „Bürgerinitiative Soziales Fürth“. In einem „Offenen Brief“, unter anderem an die Langenzenner Stadträte, das evangelische Pfarramt und die Polizeiinspektion Zirndorf adressiert, weisen die Verfasser auf angebliche Einflüsse linksextremer Gruppen in der „Alten Post“ hin. Angeregt wird nicht nur ein Austausch des Jugendhausleiters, es wird darüber hinaus auch darum gebeten, das Konzert zu untersagen — „zum Schutz der Jugendlichen“.

Gegen Vorwürfe, ausgerechnet aus diesem politischen Lager, verwahrt sich Jugendhausleiter Carsten Kurtz energisch: In der Post träfen sich Jugendliche aus allen gesellschaftlichen Schichten. Das Jugendzentrum stehe „für Toleranz und Achtung der Menschenrechte und Menschenwürde“.

Schon früher gehandelt

Gehandelt hatten die Verantwortlichen der Post schon früher, allerdings nicht aufgrund der Aktion der Rechten. Nach einem Beschluss des Beirats wurden die Musiker bereits in der vergangenen Woche ausgeladen, das Musik-Festival „Bunt statt Braun“ mit dann anderen Gästen ins Frühjahr verschoben, weil in der Kürze keine anderen Bands verfügbar gewesen seien, sagt Kurtz.

Zum sechsten Mal hätte die Veranstaltung, die nach einer Attacke auf den Langenzenner Weltladen im Jahr 2007 aus der Taufe gehoben wurde, heuer stattfinden sollen. Jugendliche würden das Festival organisieren und hätten die besagte Band vorgeschlagen. Doch als man erfahren habe, dass die Musiker auf der von Polizei und Verfassungsschutz erstellten Internetseite der „Bayerischen Informationsstelle gegen Extremismus“ gelistet seien, habe man „sofort“ gehandelt, sagt der Diakon weiter. Aber: „,Bunt statt Braun‘ wird stattfinden, schon um weiterhin ein Zeichen gegen den Rechtsextremismus zu setzen.“

Bürgermeister Jürgen Habel will sich zu den Vorgängen noch nicht äußern. Die Stadt habe zunächst Informationen von der Polizei zum „Freien Netz Süd“ erbeten, auch der Leiter des Langenzenner Jugendzentrums soll nächste Woche seine Sicht der Dinge erläutern. „Das Konzert ist abgesagt, somit besteht kein akuter Handlungsbedarf“, meint Habel, der klarstellt: „Extremismus, ob links oder rechts, hat in der ,Alten Post‘ nichts verloren.“

  

Harald Ehm

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