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Filmportrait: Fürther holt Extremsportler vor die Kamera

Lukas Miller dreht eine Dokumentation über Menschen mit Grenzerfahrungen - 01.06.2015 11:00 Uhr

Wer sind die Menschen hinter den Bildern? Was treibt sie an? Lukas Miller hat auch Fallschirmspringer Moritz Friess begleitet. © Foto: privat


Tauchen, Balancieren, Schwimmen, Laufen, Fallschirmspringen – das könnte das Programm für einen tollen Abenteuerurlaub sein. Ist es aber garantiert nicht, sobald die Männer an den Start gehen, die Lukas Miller in seinem Projekt porträtieren wird. „Es dreht sich um echte sportliche Grenzerfahrungen“, sagt der 23-Jährige, der an der Technischen Hochschule Nürnberg im siebten Semester Design studiert.

Über seine Lust an extremen Einsätzen sprechen wird in dem Film-Projekt zum Beispiel der 48-jährige Nürnberger Freiwasserschwimmer Christof Wandratsch. Ihn hat Lukas Miller bereits im Februar nach Tallinn in Estland begleitet, wo Wandratsch in Badehose zum Eisschwimmen im 1,2 Grad kalten Wasser des Hafenbeckens antrat. Mit dabei ist auch Rainer Koch, der Ultramarathonläufer, der 2011 in 70 Tagen 5062 Kilometer in den USA zurücklegte – zu Fuß – und damit den Transamerika-Lauf gewann.

Moritz Friess ist Speedskydiver, das heißt, er erreicht beim Fallschirmspringen Geschwindigkeiten von bis zu 500 Stundenkilometer. In Ägypten nimmt Lukas Miller Freitaucher Jens Stoetzner auf, der mit einem Atemzug bis zu 50 Meter tief kommt. Der Fünfte im Bund der Unerschrockenen wird Julian Mittermaier sein. Er ist Slackliner, allerdings spannt er sein schmales Balancierband nicht wie andere zwischen Bäumen in Bodennähe, sondern überquert Schluchten.

Die Kontakte zu den Sportlern schloss Lukas Miller relativ unkompliziert. Rainer Koch arbeitet zum Beispiel an der Technischen Hochschule in Nürnberg, andere schrieb er einfach über Facebook an. Alle waren spontan begeistert und sagten ihre Mitwirkung zu.

Nicht ganz so problemlos ist die Finanzierung des großen Projekts. „Es sind größtenteils meine Reisekosten, die das Ganze teuer machen.“ Für jeden Dreh muss der Student einiges an Ausstattung dazu leihen, außerdem ist er auf die Unterstützung von Freunden angewiesen, weil ein solches Unternehmen nicht im Alleingang funktionieren kann.

Krasse Typen?

Einen Teil der Kosten hat Lukas Miller inzwischen aber mit einer Crowdfunding-Aktion gedeckt. Dafür hat er seine Idee ausführlich auf einer entsprechenden Seite im Internet — www.startnext.com — vorgestellt und darum gebeten, seine Arbeit mit Spenden ab jeweils fünf Euro zu unterstützen.

„Viele Dokumentarfilme über Extremsport zeigen nur optisch, was diese Leute riskieren und können“, schreibt er dort. „Für die Zuschauer ist das beeindruckend, die Reichweite ist hoch.“ Doch oft bleibe beim Zuschauer nur hängen, dass diese Sportler „krasse Typen“ sind, aber auch „Wahnsinnige, die ihr Leben riskieren“. In seinem Film hingegen sollen sie genug Zeit und Raum bekommen, ihre Grenzerfahrungen zu schildern und ihre Beweggründe zu erklären. 2500 Euro hoffte er durch das Crowdfunding zusammenzubekommen – am Ende waren es sogar 2625 Euro. Ein Beweis dafür, wie ansteckend seine Begeisterung und Leidenschaft wirken.

Suche nach dem Kick

„Für mich ist das ein Herzensprojekt“, sagt der Student, der mit 15 Jahren das Filmen für sich entdeckte. Mit seinen Kurzfilmen hat er bereits mehrere Preise bei Festivals gewonnen. Er hat auch schon Videos für die Internetseite der FN gemacht und bekam sogar Ottfried Fischer als Schauspieler vor die Kamera. Seine Bachelorarbeit dreht sich nun um das zweite Thema, das ihn fasziniert: „Seit meiner Kindheit reizt mich alles, was kickt.“

Rasante Achterbahntouren und Bungeesprünge mit dem Kopf ins Wasser hat er schon hinter sich. „Aber ich habe meine sportliche Grenze noch lange nicht gefunden.“ Bei den Dreharbeiten dürfte es dann aber das ein oder andere Mal „gekickt“ haben. Für Unterwasseraufnahmen übte sich Lukas Miller im freien Tauchen, andere Aufnahmen stellten seine Schwindelfreiheit auf die Probe.

Jeder der fünf Sportler wird übrigens eine eigene Video-Episode bekommen, die jeweils auf YouTube hochgeladen und auf einer eigenen Homepage präsentiert werden. Lukas dreht seine Abschlussarbeit im Bereich Cast, hier geht es um eine neue Erzählform, die Podcasts und Videos prägnant mit den Mitteln des Films für das Internet produziert – und die sehr viel mehr kann, als unzählige Amateur-Katzenvideos bisweilen vermuten lassen . . . 

Sabine Rempe

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