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First Responder kommen wieder

Der Protest war erfolgreich: Ehrenamtliche Sanitäter kehren zur Routine zurück - 18.11.2012 13:00 Uhr

In weniger als zwei Wochen haben die Roßtaler 2531 Unterschriften für „ihre“ First Responder gesammelt und an Bürgermeister Johann Völkl übergeben. Die Aktion zeigte Erfolg. © Sobczyk


Der Protest der ehrenamtlichen Helfer aus Roßtal war drastisch ausgefallen. Sie „streikten“, um auf die aus ihrer Sicht unsinnige Weise der Alarmierung aufmerksam zu machen, die der Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Nürnberg (ZRFN) gemäß einer Richtlinie des bayerischen Innenministeriums eingeführt hatte. First Responder (bei der Feuerwehr angesiedelt) oder auch Helfer vor Ort (unter dem Dach des Roten Kreuzes) werden demnach nur noch gerufen, wenn zugleich ein Notarzt nötig ist oder es im Umkreis von acht Kilometern keinen freien Rettungswagen gibt.

Die Gründe der Entscheidung waren für die ehrenamtlichen Rettungssanitäter, aber auch für die Bevölkerung, nur schwer nachvollziebar. Zumal es in Roßtal zu unverständlichen Situationen hätten führen können: In Ortsteilen stehen einige Häuser außerhalb des Acht-Kilometer-Radius‘: dorthin wären die First Responder gekommen, zu anderen Notfällen hingegen nicht.

Die Roßtaler Bevölkerung brachte für die Neureglung keinerlei Verständnis auf, denn „ihre“ First Responder hatten sich bewährt. Ihre Solidarität bewiesen die Bürger mit einer eindrucksvollen Unterschriftenaktion. In weniger als zwei Wochen unterzeichneten 2531 Menschen eine Liste, die die Rückkehr zur alten Regelung forderte. Ulrike Schuh und Evi Volgnandt überreichten sie an Bürgermeister Johann Völkl, der sie an Landrat Matthias Dießl weitergab.

Landrat vermittelte

Dießl, der die Interessen des Landkreises im ZRFN vertritt, hatte bereits vorab zu einem Vermittlungsgespräch über die Roßtaler Situation ins Zirndorfer Landratsamt eingeladen. Bürgermeister Johann Völkl hatte dazu nicht nur die Unterschriftenliste mitgebracht, sondern auch eine zehnköpfige Delegation aus der Marktgemeinde, mit Vertretern aus Verwaltung und Feuerwehr.

Womit in Roßtal fast niemand gerechnet hätte, nachdem Gespräche mit dem ZRFN im Vorfeld stets gescheitert waren: Nun wurde ein Kompromiss gefunden. Der Vorschlag, berichtet Völkl, kam von Kreisbrandrat Dieter Marx. Marx hatte Roßtal zur Ausnahme erklärt. Deshalb alarmiert die Rettungsleitstelle jetzt wieder nach dem alten Schema, das vor Juli dieses Jahres galt. Wenn ein Roßtaler Bürger medizinische Hilfe braucht, werden also wieder First Responder und hauptamtliche Rettungskräfte gerufen, gegebenenfalls auch der Notarzt.

Bürgermeister Völkl freut sich, dass der öffentliche Druck einiges bewegt habe und man zu alten Regularien zurückkehren kann.

Jens Oehler, Geschäftsführer des ZRFN, will so weit aber nicht gehen und das auch nicht als Roßtaler Einzellösung sehen. „Natürlich gilt weiterhin die Richtlinie des Innenministeriums“, betont er. Aus seiner Sicht stelle sich die Kompromisslösung wie folgt dar: Der Diensthabende in der Rettungsleitstelle, in der die Notrufe eingehen, prüfe, ob „ein medizinisch relevanter Zeitvorteil“ entsteht, wenn er die First Responder oder die Helfer vor Ort ruft. Nur dann alarmiere er sie auch.

BRK-Kreisbereitschaftsleiter Adolf Georg Reichel, der für die beiden Helfer-vor-Ort-Gruppen im Landkreis — Cadolzburg und Großhabersdorf — zuständig ist, weiß von einer solchen Regelung allerdings bislang noch nichts. 

Beate Dietz

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